Wer elektrisch durch den Süden Belgiens reist, sollte den Akkustand genauestens im Blick behalten. Was auf dem Papier nach Fortschritt klingt, entpuppt sich in der Praxis oft als "Ladewüste". Besonders kritisch ist die Lage bei den sogenannten Ultraschnellladern (150 bis 400 kW), die das Fahrzeug in rund 30 Minuten fit für die Weiterfahrt machen.
Aktuell gibt es im gesamten wallonischen Autobahnnetz lediglich 95 dieser Hochleistungspunkte - und die Verteilung ist denkbar lückenhaft. Ein extremes Beispiel: Auf der E25 klafft zwischen dem Großherzogtum Luxemburg und Lüttich eine Lücke von fast 150 Kilometern ohne einen einzigen Supercharger. Wer hier mit halbleerem Akku startet und die Autobahn nicht verlassen möchte, steuert geradewegs auf ein Problem zu.
Kapazitätsstau im Stromnetz
Doch warum hinkt die Infrastruktur so hinterher? Ein aktueller Bericht des wallonischen Infrastrukturministers François Desquesnes (Les Engagés) legt die Schwachstellen offen. Zwar existieren rund 50 "Schnelllader" mit 50 kW, doch diese sind für moderne Ansprüche schlicht zu langsam und führen zu langen Wartezeiten.
Das Hauptproblem ist technischer Natur. Ein Supercharger kann nicht überall installiert werden. Viele Standorte benötigen erst teure und zeitaufwendige Verstärkungen der lokalen Stromleitungen. Der Minister räumt offen ein, dass die Region massiven Nachholbedarf hat, der nun unter Hochdruck aufgearbeitet werden muss.
Die wallonische Regierung hat den Ernst der Lage erkannt und steuert nun gegen. Ein neu gegründetes "Elektromobilitäts-Komitee" soll die Strategie bis zum Jahr 2030 festlegen.
Für Fahrer gibt es bereits erste konkrete Verbesserungen im Alltag. Besseres Monitoring: Seit Februar sind die Ladepunkte auf dem Geoportal WalOnMap sichtbar. Das soll verhindern, dass Fahrer vor defekten Säulen stranden. Leichtere Ausschreibungen: Gemeinden sollen künftig unkomplizierter Ladeplätze im öffentlichen Raum schaffen können.
Die Vision einer lückenlosen Lade-Landschaft steht, doch die Umsetzung braucht Zeit. Wer in der Wallonie elektrisch unterwegs ist, kommt um eine akribische Routenplanung vorerst nicht herum. Der "Nervenkitzel" bleibt - noch - fester Bestandteil der Reise.
Manuel Zimmermann