Die Anstrengung steckt Leny und Wilfried Goblet noch in den Knochen. Knapp 38 Stunden haben sie für ihre Rückreise nach Lontzen gebraucht. Der Start der Heimreise kam völlig überraschend. Am Mittwochabend kurz vor Mitternacht informierte die Crew die Passagiere, dass sie das Schiff verlassen könnten. "Wir haben eine gute Nachricht für Sie, Sie können weg, hieß es. Um 1:30 Uhr Ortszeit mussten wir dann unten am Hafenterminal sein", erinnert sich Leny Goblet.
Viel Zeit blieb nicht: Im Eiltempo packten die Reisenden ihre Sachen. Anschließend wurden sie gemeinsam mit vielen anderen Urlaubern in insgesamt elf Bussen zum Flughafen nach Dubai gebracht. Ganz ohne Risiko sei das nicht gewesen, sagen die beiden rückblickend - schließlich wusste niemand genau, was sie unterwegs erwarten würde. Trotzdem zögerten sie nicht lange. "Wir haben nur gedacht: Ab nach Hause! Einfach nur weg!"
Ein Vorteil für das Ehepaar: Die beiden hatten ihre Reise inklusive Flügen über ein Reisebüro gebucht. Dadurch konnten sie schließlich auch mit einem Flug der Airline Emirates nach Düsseldorf zurückkehren. Andere Passagiere, die ihre Flüge selbst organisiert hatten, sitzen dagegen weiterhin auf dem Kreuzfahrtschiff fest. Auch die Crew muss vorerst im Hafen von Abu Dhabi bleiben.
Von Dubai aus ging es für Leny und Wilfried in der Nacht mit einem kleinen Umweg über Saudi-Arabien und Ägypten zurück nach Europa. Am Donnerstagnachmittag landeten sie schließlich in Düsseldorf.
Die Eindrücke aus Abu Dhabi beschäftigen die beiden allerdings noch immer. Während ihres Aufenthalts hatte es Berichte über einen mutmaßlichen Drohneneinschlag in ein Petroleumlager im Hafen gegeben. Dichter Rauch hat zeitweise sogar Teile der Skyline der Stadt verdeckt. "Im Augenblick selbst merkt man, dass da etwas passiert. Es wurde aber alles getan, damit wir ruhig bleiben. Da wir keine anderen Mitteilungen bekamen, war das für uns in Ordnung." Aktuelle Informationen über die Lage außerhalb des Schiffes gab es für die Passagiere allerdings kaum. Meist waren es nur Nachrichtenberichte, die bereits ein oder zwei Tage alt waren.
"Die oberen Decks waren geschlossen. Man konnte nicht mehr nach draußen. Also haben wir uns die Zeit gemeinsam vertrieben - in Bars und mit Spaziergängen auf dem Schiff." Jetzt wollen Leny und Wilfried Goblet erst einmal wieder richtig ankommen, die Ereignisse verarbeiten und vor allem die Zeit mit ihrer Familie genießen.
Robin Emonts