Der Bahnübergang am Luerweg in Hergenrath ist ein Kuriosum: Die Schranke öffnet sich nur auf Anfrage. Wenn man den Knopf drückt, meldet sich ein Mitarbeiter in der Leitstelle Aachen. Denn der Bahnübergang liegt genau auf der Landesgrenze zwischen Belgien und Deutschland - ein Überbleibsel aus dem Versailler Vertrag.
Viele Menschen fahren hier täglich durch, oft mehrmals - wie zum Beispiel Bettina Schulze Dieckhoff: "Mindestens viermal, im Schnitt öfter. Ich bringe die Kinder zur Schule und hole sie wieder ab. Und dann Hobbys und Freunde - da kommt einiges zusammen."
Sie gehört auch zu den Unterzeichnern der Petition, in der die Anwohner die Deutsche Bahn auffordern, den Bahnübergang zu erhalten. Denn die Deutsche Bahn wollte im Zuge von Modernisierungsarbeiten an der Strecke den Bahnübergang eigentlich schließen.
Die andere Strecke über den Kesselweg ist keine Alternative, in ihren Augen. Zu eng, zu schmal, ohne Bürgersteig - das ist ihr als Mutter von drei Kinder zu gefährlich. Ganz nebenbei ist diese Strecke rund zwei Kilometer länger.
"Mit dem Auto ist es natürlich machbar. Da fährt man ein paar Sekündchen länger, aber zu Fuß ist es doch wirklich ein Stück weiter. Die Freunde wohnen fußläufig unmittelbar neben der Schranke. Und vor allem auch der Weg zur Schule ist ausschlaggebend. Die Kinder müssten dann tagtäglich immer den Riesenbogen laufen. Da wäre mir auch als Mutter echt unwohl. Der Kesselweg auf der anderen Seite ist noch schmaler. Wenn dann die Autos in höherem Tempo an den Kindern vorbeifahren, bin ich einfach froh, wenn wenn der Schulweg möglichst kurz ist."
Der Bahnübergang soll bleiben. Das sieht auch Bürgermeister Daniel Hilligsmann so. Allerdings aus einem weiteren Grund: In der Nähe liegt ein großes Bauerwartungsgebiet. Hier wäre Platz für bis zu 300 neue Wohneinheiten. Und wenn die gebaut würden, müsste das Gelände auch weiterhin per PKW erreichbar sein. Der schmale Kesselweg allein reicht dafür nicht aus, es braucht auch die zweite Zufahrt über den Luerweg, sagt er.
Ein weiteres Kuriosum: Das Bauerwartungsgebiet im Grüntal gehört zur Gemeinde Kelmis, aber die Stadt Aachen ist Eigentümerin eines Großteils der Flächen. Somit sitzen nicht nur die Gemeinde Kelmis und die Deutsche Bahn am Verhandlungstisch, sondern auch die Stadt Aachen.
Die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn laufen. Erste Vorschläge lägen auf dem Tisch, sagt Daniel Hilligsmann. Darüber haben die Verhandlungspartner aber Stillschweigen vereinbart. Nur soviel ist sicher: Eine komplette Schließung ist wohl vom Tisch. "Es gibt einen bilateralen Staatsvertrag aus 1931, der heute noch immer bindend ist und der festlegt, dass der Bahnübergang Lührweg ein offiziell ausgewiesener Grenzübergang zwischen der Bundesrepublik und dem Königreich Belgien ist. Dieser Grenzübergang ist nicht einfach so einseitig abbaubar. Da würde es eines bilateralen neuen Vertrags zwischen beiden Staaten bedürfen," ist sich Daniel Hilligsmann sicher.
Gaby Zeimers