Das Herzstück des Tages bildeten simulierte Gerichtsverhandlungen. In einem gespielten Zivilprozess wurde zum Beispiel ein Nachbarschaftsstreit um zu hohe Bäume verhandelt – inklusive Berufungsverfahren in weniger als einer Stunde. In der Realität ziehen sich solche Prozesse oft über Monate.
Gerichtspräsidentin Nathalie Corman betonte die Wichtigkeit dieses Austauschs: "Wir wollen eine offene Justiz zeigen. Wir merken, dass sich viele Leute für Justizfragen interessieren. Durch diesen Tag der offenen Tür möchten wir Fragen beantworten und zeigen, wie wir arbeiten und die ganze Sache den Bürgern etwas näher bringen."
Mehr als nur Roben und Paragrafen
Während im Alltag meist eine gedrückte und ernsthafte Atmosphäre herrscht, bot der Samstag Raum für Neugier. Bei Führungen durch das Gebäude, inklusive des Zellentrakts, lernten die Besucher die Vielfalt der Berufe hinter den Kulissen kennen. Rund 80 Mitarbeiter sind am Eupener Gericht tätig – weit mehr als nur Richter und Staatsanwälte.
Die Showprozesse hinterließen bei den Gästen einen bleibenden Eindruck. Die Besucherin Jasmyn Assabah zeigte sich beeindruckt: "Ja, das war ziemlich realistisch und wirklich spannend." Auch der Besucher Luk Vanstreels zog ein positives Fazit: "Sehr interessant."
Ein Grundpfeiler der Demokratie
Trotz der spannenden Einblicke wurde auch deutlich: Ein Urteil ist oft der letzte, kostspieligste und langwierigste Weg, um einen Konflikt zu lösen. Wer die Arbeit der Justiz hautnah erleben möchte, muss übrigens nicht auf den nächsten Tag der offenen Tür warten.

Frédéric Renier, Leiter der Eupener Staatsanwaltschaft, wies auf die grundsätzliche Offenheit des Systems hin: "Das ist sogar ein Grundprinzip in der Verfassung, dass die Justiz öffentlich im Namen des Volkes ausgesprochen wird. Das bedeutet, dass jeder Bürger auch das Recht hat, in einem Justizsaal Platz zu nehmen, zuzuschauen und zuzuhören. Es gibt einige Ausnahmen zum Schutz der Privatsphäre, zum Beispiel in Familienbereichen."
Der Tag der offenen Tür in Eupen hat jedenfalls gezeigt, dass das Interesse an der Justiz groß ist – und dass hinter den Roben auch nur Menschen stecken.
Manuel Zimmermann





