Tierärztlicher Hofbesuch bei Bauer Rainer Theis in Espeler: Auf seinem Hof steht die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit an. Ein großer Teil seiner 80 Milchkühe muss geimpft werden. Routinearbeit für Tierarzt Frank Cremer, der vor allem in den Gemeinden St. Vith, Burg-Reuland und Amel aktiv ist.
Dementsprechend geht es ohne langes Fackeln ans Impfen. Eine Spritze in die linke Seite, eine in die rechte Seite, die Kühe freuen sich dabei nicht gerade, die Impfung ist aber wichtig. Die Arbeit mit Kühen, Pferden oder Schafen auf Bauernhöfen ist dabei keine einfache. Frank kommt gerade aus einer 24-Stunden-Bereitschaftsschicht, und so geht es ohne viel Schlaf direkt weiter. Das ist nicht unbedingt etwas für jedermann.
"Die Uhrzeiten sind nicht die eines normalen Tagesablaufs. Das kann in der Nacht sein, das ist ein Sonntag und das ist ein Feiertag, genau wie an Weihnachten, Neujahr. Es muss immer einer verfügbar sein und die Kundschaft bedienen."
Zahlen des Verbands der Tierärzte der Wallonie zeigen, dass in verschiedenen Provinzen der Nachwuchs allgemein wegbleibt, während auf der anderen Seite Tierärzte in Rente gehen. Gleichzeitig befasst sich der Nachwuchs immer häufiger mit Kleintieren. Als Beispiel: 63 Tierärzte unter 30 Jahren beschäftigen sich mit Kleintieren, nur 11 mit großen Tieren.
Im Alter von 60 bis 70 Jahren machen die Tierärzte für Kühe, Schafe und Co. immerhin noch knapp die Hälfte aus. Für verschiedene Regionen ist das dramatisch, für die DG ist das Problem immerhin noch nicht akut.
"Dennoch stellen wir auch hier in unserem Gebiet fest, dass die älteren Kollegen einen Großteil der Nutztierärzte ausmachen und dadurch altersbedingt in den nächsten Jahren natürlich wegfallen. Außerdem stellen wir fest, dass der Nachwuchs nicht unbedingt vorhanden ist bzw. sich nicht unbedingt um die Sparte der Nutztierärzte kümmert", sagt Frank Cremer.
Am wenigsten Sorgen müsse man sich um die Region rund um St. Vith machen, dort sei noch Nachwuchs vorhanden. Auch in Bütgenbach und Büllingen sei die Lage entspannt. Für einen Tierarzt im Rentenalter gäbe es dort sicher Ersatz. Anders sieht das im Eupener Land aus. Hier befinden sich drei der sechs Tierärzte kurz vor der Rente.
Frank Cremer ist seit knapp 25 Jahren Tierarzt. Einige Jahre muss er also noch arbeiten, und das macht er auch gerne. Und das, obwohl sich die Arbeit in diesen 25 Jahren stark verändert hat.
"Von der klassischen Arbeit eines Veterinärmediziners, der Diagnostik und die Behandlung von kranken Tieren, hat sich das Aufgabenfeld natürlich mittlerweile stark erweitert in Richtung Herdenbetreuung, Fruchtbarkeitsmanagement, Fruchtbarkeitsbetreuung in den Betrieben. Die Betriebe werden größer, es werden andere Aufgaben benötigt."
Die Betriebe werden größer, gleichzeitig sterben kleine Betriebe immer weiter aus. Als Milchbauer Rainer Theis in den 1990er-Jahren mit der Arbeit auf dem Hof bei den Milchkühen begonnen hat, gab es in der Gegend noch 25 Bauernhöfe. Aktuell sind es nur noch sechs landwirtschaftliche Betriebe.
Und wenn er in knapp sieben Jahren in den Ruhestand geht, wird es wohl noch weniger Bauernhöfe in Espeler geben. An das Aufhören wollen Rainer und Frank aber noch nicht denken. Deswegen lassen sie sich auch heute nicht von der Arbeit abbringen. Für Frank Cremer geht es ohne Umwege weiter – der nächste Hof wartet, und zu tun gibt es wieder genug.
Robin Emonts

