Der 24. Februar 2022 - Lena Zhuravel hat das Geschehen dieses Tages vier Jahre danach noch genau vor Augen. Sie erinnert sich: "Ich war in Kiew. Am Anfang herrschte ein Gefühl von Schock, Angst und Fassungslosigkeit."
Sie erinnert sich daran, dass sich in Supermärkten, vor Apotheken oder an Tankstellen lange Schlangen bildeten. Trotz der Angst habe sie viel Solidarität, aber auch große Verteidigungsbereitschaft wahrgenommen, sagt die 53-Jährige.
Ihr Weg nach Belgien sei eine lange Geschichte - und eine sehr persönliche, sagt sie. Sprechen möchte sie über ihre Flucht aus Kiew und auch über ihre Familie lieber nicht. Nur so viel: "Dann war die Situation so gefährlich, da konnten wir nicht mehr dort bleiben. Dann mussten wir uns einfach auf den Weg machen."
Deutsch sprach Lena Zhuravel bereits, bevor sie nach Ostbelgien kam - ihrem Studium sei Dank. Seit gut einem Jahr arbeitet sie in Eupen bei der Lupe VOG in der Erwachsenenbildung.
"Ich bin den Menschen, die ich hier getroffen habe, für die Unterstützung sehr dankbar. Das zeigt, dass Menschen aus verschiedenen Ländern gut miteinander auskommen können. Es ist besser, einfach gemeinsam etwas Neues aufzubauen, statt fremde Gebiete zu erobern", sagt sie.
"Ich hoffe, dass die Vernunft siegt"
Handfeste Ergebnisse bei den bisherigen Bemühungen, ein Ende des Krieges auf diplomatischem Wege herbeizuführen, hat es nicht gegeben - und auch Lena Zhuravel ist da ein wenig ratlos: "Das ist echt schwierig. Ich glaube, dass ich hier keine Lösung habe. Alle zusammen müssen Lösungen finden. Und ich hoffe sehr, dass die Vernunft siegt. Das ist das Einzige, was uns hilft."
Von Ostbelgien aus geht ihr Blick täglich in die Heimat. Lena Zhuravel kann nachempfinden, was ihre Landsleute durchmachen. "Die aktuelle Situation in Kiew und in der Ukraine ist sehr schwierig. Kiew erlebt weiterhin schwere Folgen durch russische Angriffe auf die Energieinfrastruktur. Viele Wohnhäuser sind ohne Strom, Heizung und Wasser", sagt sie.
"Wir wissen alle: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und ich hoffe immer, dass der neue Tag gute Nachrichten bringt." Wie ein schnelles Ende des Krieges. Gesetzt den Fall: Geht sie dann in ihr Heimatland zurück? "Natürlich. Ich hoffe jeden Tag, dass ich einmal nach Hause kommen kann."
Moritz Korff