Die 40-tägige Fastenzeit im Christentum bereitet auf Ostern vor und erinnert an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste verbrachte. Sie steht für Umkehr und innere Reinigung – von Aschermittwoch bis Karsamstag, die Sonntage nicht mitgezählt. An Aschermittwoch und Karfreitag ist strenges Fasten vorgesehen: eine warme Mahlzeit, keine Fleischspeisen. Darüber hinaus wird individueller Verzicht empfohlen – etwa auf Süßigkeiten, Medien oder bestimmte Gewohnheiten.
Eupens Dechant Helmut Schmitz beschreibt seine persönliche Praxis so: "Ich versuche, mir selbst ein bisschen mehr Zeit zum Gebet zu nehmen und mich auch etwas zu beschränken, was Essen und Trinken angeht." In der evangelischen Kirche ist das Fasten keine Pflicht, sondern eine persönliche Entscheidung. Dechant Schmitz glaubt, dass für viele Menschen heute der Verzicht auf das Handy schwerer wäre als der auf Schokolade oder Alkohol.
Auch für Muslime hat eine besondere Zeit begonnen: der Ramadan. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird weder gegessen noch getrunken – auch Rauchen ist tabu. So wie für Yusuf Annak und seinen Kollegen im St. Vither Betrieb New Laser. "Für alle Muslime ist es eine Säule des Islams. Man ist dann verpflichtet, es 100 Prozent richtig zu machen. Aber es gibt Ausnahmen für Kranke, Alte, Schwangere, Stillende oder Reisende", erklärt Yusuf Annak.
Eine Tasse Kaffee in der Mittagspause? Für Yusuf kommt das nicht infrage. Wenn andere tagsüber essen oder trinken, stört ihn das jedoch nicht. "Ich mache das schon, seit ich zehn Jahre alt bin. Ich bin daran gewöhnt. Das stört mich gar nicht. " Manche Kollegen übernehmen im Ramadan lieber die Nachtschicht. So können sie abends essen und trinken – und tagsüber schlafen. Der Winter mit seinen kurzen Tagen sei dabei deutlich einfacher als der Sommer.
"Wir folgen dem Mondkalender. Der Ramadan verschiebt sich jedes Jahr um einige Tage. Manchmal ist es im Sommer, manchmal im Winter. Es ist schon etwas schwieriger im Sommer, aber der Winter macht es wieder gut. "Für Yusuf ist der Ramadan mehr als nur Verzicht – er steht für Selbstdisziplin, Dankbarkeit und Mitgefühl mit Bedürftigen. Das Fasten, sagt er, sei keine Last, sondern vermittle ein gutes Gefühl. "Es tut Geist, Spiritualität und Körper gut."
Auch Helmut Schmitz betont die positive Erfahrung des bewussten Innehaltens. "Das kommt sicherlich daher, dass aus der Erfahrung der Menschen es gut ist, auch Mal Pause zu machen; dass es gut ist, eine besondere Zeit der Erneuerung zu haben. Religion ist ja immer auch eine menschliche Erfahrung. Und deshalb wundert es mich nicht, dass das religionsübergreifend ist und sogar über Religion hinaus geht, wenn ich an die Kampagne "Heute nicht" denke."
Manuel Zimmermann