Die Trauung dauert ungefähr eine halbe Stunde. Danach kann, wer möchte, noch einen Sektempfang im Gärtchen der Kirche abhalten. Spätestens nach einer Stunde ist die Sache mit der kirchlichen Hochzeit durch. Für die Paare soll alles ganz einfach sein: Sie kommen hin, führen ein Vorgespräch, wählen aus einer Playlist Lieder aus und schauen noch nach Bibelversen und Gebeten – fertig.
Für die insgesamt sieben Pfarrerinnen und Pfarrer, die an diesem Tag quasi im Schichtdienst in der Annakirche arbeiten werden, ist der organisatorische Aufwand schon etwas höher. "Einer koordiniert das Ganze an der Tür. Er hat eine Tafel, auf der Uhrzeiten stehen, in die die Namen eingetragen werden können. So weiß jeder, wann er dran ist, entweder in einer Stunde oder direkt jetzt", erklärt Pfarrer Armin Drack. "Dazu kommt, dass wir die Kirche dekorieren, die Organisten mitbringen und einen Sektempfang anbieten. Wir stellen alles bereit, damit die Leute ganz entspannt kommen und sich segnen lassen können.“
Also keine Monate voller Planungsstress mit Location-Suche, Wedding-Planer und Drei-Gänge-Menü – und auch keine Unmengen an Geld für die Hochzeit ausgeben müssen, es geht nur um Gottes Segen.
Diese Idee gefällt nicht allen. Armin Drack sind auch schon Kritiker untergekommen. "Die sagen: Hey, was ist das denn für ein Schlussverkauf? Ich mache doch kein Angebot für Leute, die im Zweifel keine Kirchensteuer bezahlen und danach nie wiederkommen. Ich persönlich bin aber anderer Meinung. Für Taufen gibt es ähnliche Konzepte, und auch bei Beerdigungen sind wir nicht so kritisch und fragen uns: Was bringt uns das als Kirche? Ich sehe es genau andersherum: Wir sind doch für die Leute da und nicht die Leute für uns."

Die Annakirche nimmt in diesem Jahr zum ersten Mal an "Einfach heiraten" teil. Wer das Angebot in Aachen annehmen wird, weiß Pfarrer Armin Drack noch nicht, trotzdem hat er schon einige Vorstellungen. "Ich würde mir wünschen, dass es nicht nur spontane, junge Leute sind, die sagen: Das nehmen wir jetzt mal mit. Ich würde mir erhoffen, dass es auch Menschen sind, die in der Coronazeit keine Möglichkeit mehr hatten. Oder Menschen, die nach 17 gemeinsamen Jahren sagen: Jetzt wäre eine gute Zeit."
Achim Drack hat Kollegen, die bereits im vergangenen Jahr an der Aktion teilgenommen haben. Sie haben vor allem die Erfahrung gemacht, dass sich an solchen Tagen mehr gleichgeschlechtliche Paare trauen lassen – in manchen Fällen verdoppeln sich die Zahlen sogar.
Grundsätzlich kann jeder das Angebot am 26.06.2026 wahrnehmen. Man muss lediglich die standesamtliche Trau-Urkunde und die Personalausweise mitbringen, und mindestens ein Partner sollte evangelisch sein. Ist eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt, kann die Partnerschaft vor Ort immer noch gesegnet werden.
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Annika Deist