Allein im vergangenen Jahr entstand durch solche Betrugsfälle laut Föderaler Kriminalpolizei in Eupen ein Schaden von bis zu einer Million Euro - die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Roger Deraideux, Kriminalkommissar für die Abteilung Forensik und Kriminalanalyse bei der Föderalen Kriminalpolizei in Eupen, erklärt, die meisten Delikte würden im Bereich Online-Handel verzeichnet - wenig überraschend, da immer mehr Belgier im Netz einkaufen. "Häufig wird bestellt und gezahlt, aber die Käufer erhalten keine Ware", so Deraideux.
Daneben kommt es laut Polizei in Ostbelgien auch immer wieder zu Anlagebetrug. Opfer verlieren dabei teils hohe vierstellige Summen. "Wir haben sogar Menschen hier, die mehrfach hereingelegt wurden, und es immer noch nicht verstanden haben." Die Täter sind schwer zu ermitteln. Sie agieren häufig aus dem Ausland und arbeiten oft in Bandenstrukturen.
Professionelle Methoden und KI-Einsatz
"Die Methoden werden immer raffinierter", sagt Deraideux. "Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird es künftig noch schwieriger, echte Angebote von Fälschungen zu unterscheiden."
Auch Phishing-Mails sind nach wie vor verbreitet. Dabei versuchen Betrüger, über vermeintlich vertrauenswürdige E-Mails an persönliche Daten zu gelangen. Mit diesen Informationen können sie auf Bank-Konten zugreifen oder neue Konten auf fremde Namen eröffnen. Erpressungsversuche, etwa mit intimen Bildern, kommen laut Polizei ebenfalls in Ostbelgien vor und könnten durch neue digitale Werkzeuge zunehmen.
Tipps für mehr Sicherheit im Netz
- Nicht drängen lassen! Misstrauen ist geboten, wenn Anbieter zu schnellem Handeln drängen, zum Beispiel mit Formulierungen wie "nur noch heute gültig" oder "nur noch wenige Stück verfügbar".
- Angebote, die zu gut erscheinen, um wahr zu sein, sind es meist auch - egal ob bei Kryptowährungen oder vermeintlichen Sofortgewinnen.
- Shops und Bewertungen vor dem Einkauf prüfen (Google-Suche, Kundenbewertungen, Impressum, Wie lange schon online?)
- Wenn der Anbieter Geld oder irgendwelche Gebühren verlangt, bevor er einen (vermeintlichen) Gewinn auszahlen kann: Finger weg.
- Vorsicht: Bei Anlagebetrug werden manchmal Namen von real existierenden Personen verwendet, die mit dem Betrug nichts zu tun haben. Manchmal wird sogar ein erster Gewinn als Köder ausgezahlt.
- Wenn man doch hereingefallen ist: So schnell wie möglich die Bank benachrichtigen, die Transaktion bzw. das Konto sperren und Anzeige bei der Polizei erstatten.
- Von Privatleuten angebotene Konzerttickets können gefälscht sein. Am besten nur bei anerkannten Weiterverkauf-Plattformen kaufen, dort werden die Tickets vorab hochgeladen und geprüft.
- Genau hinschauen bei E-Mails: Wohin führt der Link? Auf Rechtschreibfehler oder andere verräterische Fehler achten (Sprache, Formulierungen...) Im Zweifel beim vermeintlichen Absender (Bank, Post..) anrufen und nachfragen. Dabei nicht die Telefonnummer aus der Mail verwenden, sondern die Nummer selbst recherchieren.
- Vorsicht bei Kautionen für Mietwohnungen oder Studenten-Kots, die schon vor der Besichtigung überwiesen werden sollen.
- Den Käuferschutz bei Bezahldiensten wie Paypal beibehalten, auch wenn der Verkäufer anbietet, die Zahlung über die Option "Für Familie&Freunde" zu gehen, um vermeintlich Geld zu sparen.
- Manchmal wird ein Foto des Käufers mit dem Personalausweis verlangt. Hier ist Vorsicht geboten, diese Art von Aufnahmen sollte man nicht leichtfertig verschicken. Sie werden oft bei Betrügereien verwendet, zum Beispiel, um bei einer Online-Bank ein Konto zu eröffnen.
- Persönliche Angaben möglichst unter Verschluss halten. Angaben wie der Hochzeitstag oder der Name des Haustiers sind oft als Sicherheitsfragen bei bestimmten online-Diensten hinterlegt. Deshalb in den Sozialen Medien am besten die Freundesliste auf privat stellen und nur Freundschaftsanfragen von bekannten Personen / Freunden von Freunden akzeptieren.
- Zahlreiche Tipps und Anleitungen zur Sicherheit im Netz (auch in Form von Videos) gibt es auf der Safe-on-web-Seite der Polizei.
- Die Safe-on-web-App informiert in deutscher Sprache laufend über die neuen Betrugsmaschen. Sie kann im App-Store heruntergeladen werden und ist kostenlos.
Gaby Zeimers