Die Schließung der Ochsenalm hatte sich schon seit einiger Zeit abgezeichnet. Bereits im November war das Gebäude Thema im Eupener Stadtrat. Damals hatte Schöffe Fabrice Paulus erklärt, dass öffentliche Veranstaltungen in dem Gebäude untersagt worden seien und der Mietvertrag mit dem Betreiber gekündigt werde. Grund dafür seien anhaltende bauliche und technische Mängel gewesen.
Rund 15 Jahre lang hatte der Betreiber die Ochsenalm von der Stadt Eupen für einen symbolischen Preis von einem Euro pro Jahr gemietet und das Gebäude für eigene Veranstaltungen sowie für Vermietungen an Dritte genutzt. Obwohl die Stadt Eigentümerin der Immobilie ist, lag der Unterhalt des Gebäudes beim Betreiber.
Seit 2015 hatte die Stadt in verschiedenen Etappen rund 100.000 Euro in das Gebäude investiert. Zum Beispiel mit neuen Heizungen oder einer Brandmeldeanlage. Doch der Zustand des Gebäudes sei in den letzten Jahren immer schlimmer geworden.
"Wir haben in den letzten Jahren einige Klagen bekommen, dass die Sanitäranlagen und auch die Elektroanlagen nicht immer liefen und dadurch, dass das Gebäude nicht mehr in dem Zustand war, wie man es als öffentliche Hand ohne schlechtes Gewissen vermieten konnte, haben wie die Reißleine gezogen", erklärt Fabrice Paulus.
"Wenn ein Mieter nicht sicher war, ob er Strom haben würde, während der ganzen Veranstaltung, ist das ein Zustand einer Immobilie, wo wir einfach als Stadt reagieren mussten. Das war für uns alternativlos, denn wir haben als Stadt gesagt, dass wir niemanden einer Gefahr in einem öffentlichen Gebäude aussetzen wollten", ergänzt Kulturschöffe Nicolas Pommée.
Auf Nachfrage hin bedauert der Betreiber der Ochsenalm, dass mit der Schließung ein weiterer Treffpunkt für die Jugend in Eupen verschwinde. Zudem vermutet er, dass die Ochsenalm nicht nur aufgrund von baulichen Mängeln geschlossen wurde, sondern auch wegen Sparmaßnahmen der Stadt. Ein Vorwurf, der für die Schöffen nicht nachvollziehbar ist. "Also wenn wir und auch unsere Vorgänger in den letzten zehn Jahren rund 100.000 Euro in das Gebäude investiert haben, dann wird es wohl nicht an den Mitteln aus der öffentlichen Hand gelegen haben", so Fabrice Paulus.
"Wir haben das Gebäude für eine sehr geringe Miete zur Verfügung gestellt. Und durch die Veranstaltungen hat der Betreiber auch Einnahmen generiert. Wir stellen auch anderen Vereinigungen in Eupen Gebäude zur Verfügung, für eine korrekte Miete, für eine sehr geringe Miete, manchmal auch kostenlos, aber die anderen Gebäude sind nicht in so einem Zustand, wie wir die Ochsenalm vorgefunden haben. Also wenn das jetzt für die bisherigen Betreiber traurig ist, dann müssen sie sich vielleicht auch selber einmal an die Nase fassen, ob sie das Gebäude auch gut gepflegt haben. Ich glaube, wir brauchen nicht auf die letzten Monate zurückzublicken, was da alles passiert in öffentlichen Räumen. Wir als Stadt Eupen müssen da unsere Verantwortung übernehmen und wir können nicht ein Gebäude für 200, 300 oder 400 Personen freigeben, wenn wir da keinen ausreichenden Brandschutz haben."
Wie bereits angekündigt, endete der Mietvertrag mit dem bisherigen Betreiber am 31. Januar. Die Stadt Eupen sucht nun nach einem neuen Partner für die zukünftige Nutzung der Ochsenalm. Der Pistolen- und Revolverclub galt im November noch als möglicher Kandidat, hat seinen aktuellen Standort inzwischen jedoch um zehn Jahre verlängert. Die Stadt zeigt sich offen für neue Ideen und Nutzungskonzepte.
"Wir als Stadt haben aktuell auch nicht die Mittel, um zu sagen, wir richten das jetzt mal schön her und betreiben es selber. Das heißt, wir wären sowieso auf eine partnerschaftliche Vereinbarung angewiesen", so Pommée. "Die ersten losen Gespräche haben auch schon stattgefunden, da geht es auch wieder in Richtung Veranstaltungsraum. Aktuell ist es aber noch zu früh, dazu etwas zu zu sagen. Aber wenn es da Vereine oder Veranstalter oder Einzelpersonen aus Eupen gibt, die da ein Interesse haben und den Ort wieder mit Leben füllen wollen, dann sind wir sehr dankbar für Vorschläge und Anregungen."
Die beiden Schöffen zeigen sich grundsätzlich optimistisch, was die Suche nach einem neuen Betreiber angeht. Wichtig sei aber, dass es sich um eine langfristige Lösung handele.
"Wir denken, dass wir schon noch im Laufe des Jahres mit dem geeigneten Partner, der sich am Horizont abzeichnet, auch etwas Spruchreifes haben", sagt Fabrice Paulus. "Aber sicher ist natürlich nichts, wir müssen schon überzeugt sein. Wir wollen keine kleine Lösung haben, das muss schon für Jahre sein. Denn wenn ein Partner sich findet, dann werden wir als Eigentümer auch sicherlich unseren Teil beitragen müssen und da werden wir nicht nur eine Zweijahreslösung haben wollen."
Bis ein neuer Partner für die Stadt Eupen gefunden ist, soll das Gebäude gesichert und in einen Zustand versetzt werden, in dem es keine weiteren Schäden nimmt. Größere Baumaßnahmen sind noch nicht vorgesehen, um zukünftige Nutzungsmöglichkeiten nicht einzuschränken.
Auch wenn mit der Ochsenalm vorerst ein wichtiger Kulturstandort wegfällt, sieht die Stadt Eupen Alternativen, zum Beispiel den Alten Schlachthof, das Kolpinghaus oder auch das Jünglingshaus. Für die Vereine, die ihre Veranstaltungen nicht mehr in der Ochsenalm durchführen können, seien Lösungen gefunden worden.
Langfristig sind sich die Schöffen einig: Durch die Neugestaltungen des Viertels - beispielsweise durch das neue Schwimmbad und den Tennisclub - habe die Ochsenalm großes Potenzial, künftig wieder ein wichtiger Baustein für eine lebendige Unterstadt zu werden.
Lindsay Ahn