Mehr als einen Monat nach dem Jahreswechsel und damit auch nach der Einführung veränderter Stromnetztarife sind bei vielen Verbrauchern Fragen offen geblieben. Zum Beispiel: Wann ist der Strom denn jetzt am günstigsten? Oder: Betreffen mich die Änderungen überhaupt?
Aber erst noch einmal zurück auf Anfang. Der Strompreis setzt sich aus drei Komponenten zusammen, erklärt Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale: Das sind der vom Anbieter gelieferte Strom, die Netzkosten und die Steuern. "Die Neuerungen, die jetzt gekommen sind, betreffen auf der einen Seite nur die Netzkosten und auf der anderen Seite jene Haushalte, die über einen digitalen Zähler verfügen", so Lorch.
Wer den Einheitstarif nutzt, für den hat sich nichts geändert. Hier gilt nach wie vor zu jeder Zeit derselbe Preis. Beim Doppeltarif aber haben sich die Zeiten geändert: Günstiger ist der Strom seitdem zwischen 11 und 17 Uhr und wie gehabt zwischen 22 und 7 Uhr. Das gilt an sieben Tagen die Woche. Geräte wie Waschmaschine oder Trockner sollten also nach Möglichkeit in diesen Zeiten betrieben werden.
"Es gibt Haushalte, die ihren Verbrauch steuern können. Die profitieren effektiv davon", sagt Lorch. "Man darf nicht vergessen, dass es natürlich mittlerweile schon Maschinen gibt, die smart sind: Spülmaschinen, Waschmaschinen, Trockner, die WLAN-fähig sind, die über eine App verbunden sein können. Die kann ich steuern. Das lohnt sich. In diesem Fall kann man davon profitieren."
Aber das betrifft eben längst nicht alle Haushalte, gibt Bernd Lorch zu bedenken: "Für Menschen, die berufstätig sind, für Familien mit Kindern, auch für Menschen mit weniger Einkommen: Die können ihren Alltag nicht so schnell anpassen. Der meiste Strom wird abends verbraucht, genau dann, wenn es künftig am teuersten ist. Viele Haushalte haben keine smarten Geräte oder können Waschmaschinen und Co. nicht tagsüber laufen lassen. Die neuen Tarife bestrafen in meinen Augen Haushalte mit wenig Spielraum und bevorzugen flexible Haushalte und das sind meistens Haushalte mit einem höheren Einkommen."
Selbst wer den Doppeltarif hat und seinen Hauptstromverbrauch so gut es geht in die günstigeren Zeiten verlagert, muss laut Lorch in den nächsten Jahren mit steigenden Netztarifen rechnen. Die Verbraucherschutzzentrale bezieht sich dabei auf Berechnungen des Regulators des Energiemarktes CWaPE. "Wer seinen Verbrauch nicht ändert, zahlt in den nächsten drei Jahren bis zu 13 Prozent mehr. Wer seinen Verbrauch ändert, der zahlt bis zu 9 Prozent mehr - also ein bisschen weniger. Aber man zahlt mehr in Zukunft", so Lorch.
Der Gedanke hinter den seit Jahresbeginn wirksamen Tarifänderungen ist: Möglichst viele Haushalte sollen dann Strom nutzen, wenn davon viel verfügbar ist. Und das ist gegen Mittag, am frühen Nachmittag und in der Nacht. "Deshalb ist der Strom in diesen Zeiten etwas günstiger. Gleichzeitig soll das Stromnetz dann zwischen 17 und 22 Uhr entlastet werden", sagt Lorch.
Dasselbe Ziel verfolgt auch der völlig neue sogenannte Impact-Tarif, den Haushalte mit digitalem Zähler in Anspruch nehmen können. Hier wird in drei Stufen gegliedert: grün für günstig, orange für mittel und rot für teuer. Wer hier die teuerste Zeit, also zwischen 17 und 22 Uhr, meidet, kann Kosten sparen. Wer aber vor allem morgens und abends Strom verbraucht - für den wird es mit diesem Tarif teurer.
Moritz Korff