Seit Montag legen Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs in der Wallonie die Arbeit nieder. Bus- und Zugverbindungen fallen aus, zahlreiche Depots sind blockiert. Auch in Ostbelgien sind die Auswirkungen deutlich spürbar – vor allem im Eupener Land.
Bei der TEC Eupen fährt seit Beginn des Streiks kein einziger Bus. Alle 40 Fahrer beteiligen sich seit Streikbeginn an der Aktion. Im Zentrum des Konflikts stehen geplante Sparmaßnahmen. Die Gewerkschaften werfen dem zuständigen wallonischen Mobilitätsminister vor, auf ihre Forderungen nicht einzugehen.
"Wir verlangen nicht mehr. Wir verlangen nur, dass wir das beibehalten, was uns vor Jahren versprochen wurde. Überstundenzulagen sollen gestrichen werden, dadurch fallen Jahres- und Weihnachtsprämien geringer aus. Bei Chèques-Repas sollen wir mehr selbst zahlen, die Eco-Chèques sollen ganz wegfallen. Unterm Strich wird immer nur gestrichen – und das an der falschen Stelle", sagt TEC-Fahrer Dietmar Kaufmann.
Der Streik hat für die Mitarbeiter finanzielle Konsequenzen. Von der Gewerkschaft erhalten sie 40 Euro Streikgeld pro Tag. "Wenn wir einen Monat lang streiken würden, so wie es vor 20 Jahren einmal der Fall war, dann hätten wir am Ende 800 Euro. Damit kann ich keine Miete bezahlen."
Die Fahrgäste reagieren unterschiedlich auf den Streik. Während einige Verständnis zeigen, reagieren andere verärgert – unter anderem Eltern, deren Kinder auf den Bus angewiesen sind. Für die Streikenden ist der Protest dennoch notwendig.
"Ich kann den Unmut verstehen. Aber man muss sich fragen: Machen wir das nicht auch für die Kinder? Das hier ist kein Spaß. Wir verlieren Geld, bekommen Ärger mit den Kunden, aber wir werden dazu gezwungen. Arbeit sollte sich lohnen – damit man sich leisten kann, was heute nötig ist", sagt Christian Flas von der TEC.
RSI, PDS, KAE: Die Eupener Sekundarschulen spürten die Folgen der Busausfälle. In der Regel lief der Unterricht aber regulär weiter. Viele Schüler organisierten sich, etwa durch Fahrgemeinschaften. Kyan Theissen besucht das KAE und wohnt in Elsenborn – bei ihm sah die Sache etwas anders aus: "Am Dienstag und Mittwoch stand ich an der Haltestelle, aber der Bus ist nicht gekommen. Ich hatte keine andere Möglichkeit, nach Eupen zu kommen. Ich habe Unterricht und Tests verpasst, die muss ich jetzt nachholen."
Klar ist: In den Provinzen Hennegau, Wallonisch-Brabant und Lüttich wurde für eine Verlängerung des Streiks bis zum 5. Februar gestimmt. Das Busdepot Eupen bleibt also weiterhin geschlossen. Die TEC-Direktion kündigte an, bei anhaltenden Blockaden eine härtere Gangart einzuschlagen.
TEC-Abonnenten können übrigens einen Antrag auf Entschädigung stellen. Dazu gibt es ein festes Verfahren, das auf der Website der TEC unter der Rubrik "Häufig gestellte Fragen-FAQ" eingesehen werden kann.
Dogan Malicki