Aachens Oberbürgermeister Michael Ziemons und Armin Laschet, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, haben am Wochenende die mit Spannung erwartete Entscheidung verkündet: Mario Draghi, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, erhält in diesem Jahr den Internationalen Karlspreis zu Aachen. Über ein Video wurde Draghi dazugeschaltet und bedankte sich für die Auszeichnung. Und er betonte, wie wichtig es ihm sei, die Europäische Union zu bewahren.
Armin Laschet hebte hervor, dass Draghi mit seinem Mut fast im Alleingang den Euro gerettet und Europa damit vor einer großen Krise bewahrt habe: "Draghi hat damals entschieden und hat den Spekulationsmärkten gesagt: 'Wir retten diese Währung. Whatever it takes. Wir werden Anleihen im großen Umfang aufkaufen. Aber es wird euch nicht gelingen, uns in die Knie zu zwingen.'"
Der nach Draghi benannte Report bietet viele Grundlagen für Strategien, die dabei helfen sollen, Europa zu stärken. Der Wirtschaftsaspekt steht in diesem Jahr beim Karlspreis im Vordergrund. "Er benennt klar die großen Aufgaben vor denen Europa steht, um in Zukunft noch wettbewerbsfähig zu sein, in einer sich verändernden Lage", so Michael Ziemons. "Entbürokratisierung ist ein wichtiges Thema, Stärkung der Wirtschaft, eine bessere Zusammenarbeit im Binnenmarkt, Digitalisierung. Auch Energieunabhängigkeit und neue Energien ausbauen. All das und vieles mehr umfasst der Report."
Bei der Entscheidung, wer den Preis erhält, zählt nicht allein, was die Kandidaten in der Vergangenheit geleistet haben. Laut Ziemons ist es wichtig, dass der Karlspreis ein Signal sendet, das in die heutige Zeit passt. "Das haben wir in den letzten Jahren gemacht. Es gab ein Signal mit Pinchas Goldschmidt, als der Antisemitismus wieder aufkam. Letztes Jahr ging es darum, ein Signal zu setzen, die Kommission und die Einigkeit zu stärken. Dieses Jahr geht es darum, sich um die Wettbewerbsfähigkeit zu kümmern und nicht zum Spielball großer Mächte zu werden."
Draghi ist 78 Jahre alt. Aber er schafft es, auch junge Menschen in seinen Bann zu ziehen. Das ist eine Eigenschaft, die Laschet an dem Preisträger sehr schätzt. "Wir haben vor wenigen Wochen Bilder von einem Kongress in Rimini gesehen, wo er eine Rede gehalten hat und fast wie ein Popstar gefeiert wurde. Junge Leute schätzen Menschen, die nicht die typische Politikersprache sprechen, die authentisch sind und eine Vision haben. Und dann ist es auch fast egal, wie alt die sind."
Für Oberbürgermeister Ziemons ist es ebenfalls wichtig, die jüngere Generation in den Prozess rund um den Karlspreis einzubeziehen. Die Organisatoren planan ein Begleitprogramm, das neben den ernsten Themen auch für Spaß sorgen soll. "Ich denke schon, dass wir nicht nur die ganze Zeit über den Draghi-Report reden werden. Das wird ein wichtiges Thema werden, aber wir werden auch gucken, dass wir ein bisschen Flair, Lebensfreude und Lebensgefühl nach Aachen holen werden. Wir wollen auch die Jugend einbeziehen, das ist sehr wichtig."
Die Preisverleihung selbst findet, wie gewohnt, am Himmelfahrtstag statt. Dieser fällt in diesem Jahr auf den 14. Mai.
Lea Reimus (Praktikantin)