Die Brauerei Haacht, eine der ältesten Privatbrauereien Belgiens, steckt in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Der Umsatz ist im vergangenen Jahr auf rund 112 Millionen Euro (minus 6,6 Millionen Euro) gesunken, das Unternehmen schreibt Verluste in Höhe von 8,2 Millionen Euro. Seit Jahren kämpft Haacht mit sinkenden Verkaufszahlen und einer schwierigen Marktlage, was zu mehreren Entlassungsrunden geführt hat.
In den vergangenen beiden Jahren wurden insgesamt 47 Stellen gestrichen. Der neue CEO Nils van Dam, ein erfahrener Sanierer, will die Brauerei nun radikal umbauen und weitere Kürzungen nicht ausschließen.
Eupener Bier keine Kernmarke
Van Dam will sich künftig auf nur noch fünf Kernmarken konzentrieren: Primus, Coq Hardi, die Tongerlo-Abteibiere, Super 8 und Flandrien. Alle anderen Biere - darunter zahlreiche kleinere und regionale Marken - sollen entweder an Bedeutung verlieren oder ganz vom Markt genommen werden. "Wir werden keine Biere mehr brauen, die außerhalb der Firma niemand kennt", hat der CEO klargestellt.
Ob das auch das Eupener Bier betrifft, ist derzeit offen. Der Pressesprecher der Brauerei, Philippe Michiels, bestätigt, dass über die Zukunft der Marke zurzeit nichts mitgeteilt werden kann. Entscheidungen sollen in den kommenden Wochen oder Monaten fallen.
Regionale Identität auf dem Spiel
Ein Aus der Traditionsmarke ist dabei durchaus denkbar. Für die Stadt Eupen ist das Eupener Bier mehr als nur ein Getränk - es ist ein Stück regionale Identität und Geschichte. Schon 1834 wurde das Bier in der Eupener Paveestraße gebraut. Auch wenn die Produktion seit 1998 in Flandern stattfindet, bleibt die Marke eng mit der Ostbelgien verbunden.
Sollte die Brauerei Haacht das Eupener Bier tatsächlich einstellen, wäre das nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein kultureller Einschnitt für die Region. Die Sanierung der Brauerei könnte damit auch das Ende einer fast 200-jährigen Biergeschichte bedeuten.
Manuel Zimmermann