Stattliche Balken werden in der Werkshalle in der St. Vither Mercatorstraße bearbeitet. Sie werden einmal Teil eines Holztragwerkes, also jener Struktur, die etwa beim Bau von großen Hallen benötigt wird und die Wände und das Dach hält.
Gefragt war das auch bei einem Auftraggeber aus Mexiko, der die Dienste des St. Vither Unternehmens in Anspruch nahm, erklärt Manuel Dupuis, einer der sechs Geschäftsführer und Inhaber von Ligna Systems. "Das war eine Halle von knapp 3800 Quadratmetern". Nebst Bürogebäude. Und zwar für einen Fensterhersteller.
Verladen in 13 Container
Gefertigt in St. Vith und verbaut in Mexiko - dazwischen liegen etliche Kilometer und der Transport des Holztragwerkes per Schiff. Gar nicht so einfach, denn die Bauteile sollten in Standardcontainer passen. 13 solcher Frachtbehälter waren letztlich nötig.
"Man muss aus langen Bauteilen, die man nicht stoßen konnte, sich Lösungen entwickeln, wie man diese Bauteile stoßen kann", so Dupuis. "Die Vorfertigung - alles, was man hier machen kann - werden wir weiterhin hier machen. Hier wird jedes Loch gebohrt, die Bauteile werden gesägt, werden lackiert und dann so verpackt, dass man sie auf der Baustelle auspackt und dann vor Ort zusammenmontiert".
Die Umsetzung eines Projektes wie in dem mittelamerikanischen Land gehe nur über eine gute Zusammenarbeit innerhalb der Kollegenschaft, betont Dupuis: "Gerade bei diesem Projekt darf man nicht vergessen, was dahintersteckt. Wir entwickeln hier etwas, wir produzieren das, wir verladen es in Container, verschiffen es ans andere Ende der Welt. Dort passt jedes Bauteil, jede Schraube wurde mitgeliefert. Das ist auch eine besondere Teamleistung", findet er.
Lieferungen von St. Vith nach Mexiko sind bisher nicht immer an der Tagesordnung, eine internationale Ausrichtung dagegen schon. Neben dem Hauptsitz in St. Vith verfügt Ligna Systems auch über Standorte in Deutschland, nämlich in Aachen, in Beiler in Luxemburg und in Quebec in Kanada. In dem nordamerikanischen Land wird zwar auch eine Menge Holz verarbeitet, aber in anderer Form: Vorteil für das St. Vither Unternehmen.
"In Kanada wird viel mit Holz gebaut, aber auf die rustikale Art und Weise. Dort wird das mit der Motorsäge auf der Baustelle zusammengeschnitten. Also die Häuser werden mit der Motorsäge gebaut", sagt Michael Hilgers, ebenfalls Geschäftsführer und Inhaber. "Und die industrielle Fertigung, wie wir das machen, existiert da gar nicht. In Ostbelgien gibt es bestimmt zehn Hundegger-Anlagen, wie wir die haben. In ganz Kanada gibt es zwei."
Bedeutet das, dass für Ligna Systems auf dem nordamerikanischen Markt noch mehr Potenzial besteht? "Einerseits ist der Markt da, andererseits sind wir da nicht bekannt. Das hat immer Vor- und Nachteile. Keiner kennt das Produkt, deshalb ist es schwer, da reinzukommen. Aber wenn man Kunden hat, die das Produkt wollen, ist es natürlich einfacher reinzukommen, weil man der einzige Anbieter ist", sagt Hilgers.
Erst Österreich, dann Mexiko
Zumal sich bisweilen Aufträge aus anderen Aufträgen ergeben - wie beim Projekt in Mexiko: "Der Kontakt kam über einen Planer, der sich darauf spezialisiert hat, Fensterfabriken zu planen. Für den haben wir Anfang 2025 zwei Produktionshallen in Österreich bauen dürfen", sagt Dupuis. Und über diesen Planer sei dann auch der Kontakt nach Mexiko zustandegekommen.
Oft liefert das St. Vither Unternehmen zudem nach Deutschland oder in andere europäische Länder wie Frankreich, Luxemburg oder Portugal. Mitunter aber auch in die unmittelbare Nachbarschaft, denn andere Betriebe aus St. Vith bestellten bereits Holztragwerke aus der Mercatorstraße.
Die angesprochenen Hundegger-Maschinen werden bei Ligna Systems unter anderem genutzt, um das Holz zuzuschneiden und mit den notwendigen Löchern zu versehen.
Ganz auf Metallstücke kann bei der Fertigung nicht verzichtet werden. Aber Holz ist eindeutig Hauptstandteil der Tragwerke aus St. Vith. Und das hat Methode. Denn Hallen mit Holztragwerken hätten in Sachen Brandschutz Vorteile gegenüber Metallstrukturen, so Hilgers. "Eine Stahlhalle wird warm und knickt irgendwann ein", sagt er. "Und die Kunden, die wir haben, legen Wert auf den Baustoff Holz und sind holzaffine Kunden", so Hilgers.
Vielleicht sind künftig auch verstärkt Kunden in den Vereinigten Staaten dabei. "In Kanada sind wir jetzt schon seit zwei Jahren aktiv. Auch Amerika sind wir aktiv an am gehen", sagt Manuel Dupuis. "Wir haben die ersten Projekte, die in den USA unterschrieben sind und die 2026 ausgeliefert werden sollen."
Und zwar immer ausgehend von Ostbelgien. Denn trotz internationaler Ausrichtung sei St. Vith das Herzstück des Unternehmens, betonen die Geschäftsführer. "Hier ist unsere Produktion. Hier ist das, was uns groß gemacht hat. Und das wird auch so bleiben."
Moritz Korff





