Entlang der St. Vither Hauptstraße reiht sich ein Kleidungsgeschäft an das nächste. Die Auswahl ist groß. An den Schaufenstern locken bunte Rabatttafeln, bis zu 50 Prozent können die Kunden mitunter sparen. Fragt man bei den Händlern nach, wird schnell klar: Der Winterschlussverkauf ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Jahresgeschäfts.
"Der Ausverkauf ist schon immer ausschlaggebend, vor allem, um die Restposten loszuwerden", erklärt Nina Margraff von "Belis Shoes". "Einzelteile werden beim Ausverkauf auch stark reduziert. Was gerade besonders auffällt, ist, dass zum Beispiel Schuhe, die wasserdicht sind, gefragt sind, weil das Wetter gerade dementsprechend ist. Das spielt uns natürlich super in die Karten, das Wetter ist perfekt für den Ausverkauf."
Ähnlich sieht es bei den Händlern aus der Nachbarschaft aus. In erster Linie ist der Winterschlussverkauf für sie wichtig, um die Lager leer zu kriegen und Platz für die neuen Kollektionen zu machen. Bei den meisten von ihnen läuft das bislang ziemlich gut. Eine Händlerin erklärt, dass ihr Lager komplett leer ist. Nur noch einzelne Kleidungsstücke warten im Verkaufsraum auf die Schnäppchenjäger.
Auch beim Schuhhaus Kohnen hat das winterliche Wetter den Verkauf angekurbelt. "Da ist schon viel weg und vor allem die letzten Tage, wo es jetzt auch geschneit hat, ist auch wieder sehr viel weggegangen. Es ist schon noch was im Lager, aber es räumt mit dem Wetter entsprechend schnell", sagt Verkäufer Ronny Reinartz.
Auch wenn der Schnee bei den meisten befragten Händlern für Kundschaft sorgt, macht er gleichzeitig klar, dass der Winter noch lange nicht vorbei ist. Dass der Winterschlussverkauf schon lange vor dem Ende der Jahreszeit beginnt, ist der neutralen Gewerkschaft für Selbstständige (SNI) ein Dorn im Auge. Schon seit einigen Jahren fordert die Gewerkschaft, dass der Winterschlussverkauf nicht mehr im Januar, sondern im Februar stattfindet. Wie der Generalsekretär der Gewerkschaft, Christophe Wambersie, der RTBF gesagt hat, soll der Vorschlag bereits an den belgischen Wirtschaftsminister David Clarinval weitergeleitet worden sein.
Unter bestimmten Bedingungen könnte das Verschieben des Winterschlussverkaufs sinnvoll sein, sagt zum Beispiel Angie Schäfer vom Concept Store "Oh June". "Ich glaube, dass es nicht schlecht wäre, wenn man in der ganzen Modebranche einmal umdenken und alles einen Monat nach hinten schieben würde, nicht nur den Winter-, sondern auch den Sommerschlussverkauf. Das Wetter verschiebt sich und dann ist es oft so, dass wir schon den Sommerschlussverkauf starten müssen, wenn der richtige Sommer eigentlich gerade erst beginnt. Im Winter ist es das gleiche. Der Schnee kam mit dem ersten Tag des Winterschlussverkaufs."
Auch "Belis-Shoes" würde einen späteren Winterschlussverkauf prinzipiell begrüßen. "Mitte Januar wäre nicht schlecht, dann hätte man noch einen kleinen Puffer, um den Umtausch nach den Feiertagen noch unter Kontrolle zu bekommen", so Nina Margraff. "Das ist oft sehr knapp, wenn der Ausverkauf startet und wir verkaufen ja auch sehr oft im Februar noch Winterware."
Unterm Strich ist der Winterschlussverkauf also weiterhin wichtig für die befragten Händler in St. Vith. Doch auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. In dem ehemaligen Second-Hand-Laden "kibasa4kids" wird unter anderem Kinderkleidung angeboten. Der Winterschlussverkauf spielt hier eine eher untergeordnete Rolle. "Gerade hier in meinem Bereich für Kindersachen ist es so, dass die Kunden die Dinge kaufen, weil sie sie jetzt brauchen und nicht, weil sie reduziert sind.", erklärt Inhaberin Mireille Jates.
Der Winterschlussverkauf in den belgischen Geschäften läuft noch bis zum 31. Januar.
Lindsay Ahn




