Kalender mit einem lokalhistorischen Bezug erfreuen sich wachsender Beliebtheit. In Hünningen bei Büllingen ist nun die siebte Ausgabe des Jahreskalenders erschienen, mit Geschichten über dörfliche Bräuche und Traditionen, aber auch über den Alltag früherer Generationen. Erstellt und herausgegeben wird er von der örtlichen Geschichtsgruppe.
Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass es sich bei den Herausgebern des Hünninger Jahreskalenders um die Geschichtsgruppe der VoG Spritzenhaus handelt. Dort laufen die Fäden zusammen um die Gruppe von Christel Jost, Irma Palm-Simon und ihren Mitstreitern.
"Wir treffen uns eigentlich jeden Monat und erzählen von früher. Es tauchen Fotos auf und daraus entsteht die Geschichte. Zum Beispiel für Januar und Februar haben wir uns den Schnee und das Schneeräumen vorgenommen", erzählt Christel Jost.
Passend zur Jahreszeit möchte man sagen, wobei schneereiche Winter wie der von 1952/53 auch im hochgelegenen Hünningen bei Büllingen der Vergangenheit angehören, als es laut Zeitungsarchiven noch Schneeverwehungen mit bis zu zwei Metern Höhe gab und Dörfer, die abgeschnitten waren.
"Die ersten Schneeräumaschinen sind wohl vom Militär aus Elsenborn gestellt worden. Und damit konnte denn ein bisschen Schnee geräumt werden. Und unsere Leute können noch erzählen, wie es war, wie nur mit der 'Schnieeschleef', wie es auf Platt heißt geräumt wurde. Und es wird sogar erzählt, dass Sondereinsätze gefahren werden mussten, um die Hauptstraße von Losheimergraben bis Bütgenbach zu räumen."
Immer wieder schaut die Geschichtsgruppe aber auch auf dörfliche Bräuche und Traditionen, wie das Burgfeuer, unmittelbar nach Karneval. "Das Burgfeuer im letzten Jahr war besonders schön, weil es trocken war und es wunderbar gebrannt hat. Und dann haben wir gesucht: Wo ist dieser Brauch entstanden? Angeblich soll der Winter verbrannt werden durch die reinigende Kraft des Feuer oder solche Sachen."
So wird es überliefert. Die Geschichtsgruppe aus Hünningen ist der Sache aber noch etwas tiefer auf den Grund gegangen, bis zurück in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, wo auch in unserer Gegend echte Burgen und Städte verwüstet wurden.
"Dann sind wir auf einen Namen gestoßen, auf einen Comte de Mélac, einen Franzosen, der damals Gouverneur in Schleiden gewesen sein soll. Und wir haben einen uralten Begriff hier in der Gegend: Dämelack. Und wenn man weiß, dass in Bayern zum Beispiel das Schimpfwort 'Lackel' auf diesen Herrn zurückgeht, dann könnte man sich auch vorstellen, dass unser 'Dämelack' auf diesen Herrn zurückgehen könnte. Beweisen können wir es nicht, nur die Frage stellen."
Und zum Nachdenken anregen. Etwa auch beim Vergleich unserer heutigen Überflussgesellschaft mit dem dürftigen Alltag früherer Generationen, wie beim Thema für den Monat Juli: Waschtag oder besser gesagt Waschtage, erklärt Christel Jost. "Das ging im wahrsten Sinne des Wortes über mehrere Tage. Große Familien, viel Arbeit, keine Waschmaschine, kaum fließend Wasser, kein warmes Wasser. Wie das vonstatten ging? Die Älteren wissen es noch. Aber für die Jüngeren haben wir es aufgeschrieben."
Dass sich jüngere Menschen für diese lokale Geschichte interessieren, zeigt der Besuch einer Schulklasse im Hünninger Spritzenhaus, auf den der neue Kalender im Juni zurückschaut. Insofern vereint der Hünninger Jahreskalender nicht nur Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch die Zukunft.
Stephan Pesch