Flugzeugbauteile gehören zum Kerngeschäft der Capaul AG in Eupen. Alle zwei Sekunden hebt ein Flugzeug mit Capaul-Komponenten ab. Flugzeugbauer aus aller Welt beziehen Teile aus Eupen: Airbus in Europa, Comac in China ... und auch Boeing in den USA. "Wir sehen hier einen Kompressor für die Boeing 737 Max, wo wir heute in Eupen 40 Prozent aller Flugzeuge bedienen, und was nach der Fertigmontage hier direkt nach Mexiko und dann nach Amerika geliefert wird", erklärt Tom Henkes.
Noch vor der Corona-Pandemie machte das Geschäft mit Flugzeugbauteilen mehr als 70 Prozent des Umsatzes aus. Mittlerweile hat Capaul seine Produktpalette ausgebaut. Die Luftfahrt bleibt wichtigstes Standbein, doch die Bereiche Medizin- und Wehrtechnik holen auf. Auch wenn die USA europäische Waren nun mit 20 Prozent Zöllen belegen wollen, bleibt Tom Henkes mit Blick auf das US-Geschäft gelassen. "Praktisch werden wir sehen, was passiert. In Kanada gibt es bereits Zölle seit dem 4. März - diese werden jedoch nicht angewendet."
"Wir gehen davon aus, dass praktisch das Gleiche in der Flugzeugbranche für den europäischen und mexikanischen Markt passiert. Es ist so, dass Airbus diese Zölle nicht haben wird, weil sie aus Europa beliefert werden, die Amerikaner damit einen Wettbewerbsnachteil haben - und dass eigentlich die Lobby in Amerika dafür sorgen wird, dass sie nicht angewendet werden, da Boeing heute schon angeschlagen ist und das nur die Situation verschlimmern würde."
Seit fünf Jahren ist Tom Henkes der Geschäftsführer von Capaul. Seitdem ist das Unternehmen auf ständigem Wachstumskurs. Dabei hat der 34-jährige Geschäftsführer ein gutes Gespür für internationale Märkte bewiesen. Den aktuellen Kurs der US-Regierung beobachtet der Capaul-Chef genau. "Wir haben einige Produkte, die international rausgehen, vor allem in der Medizintechnik. Da gibt es oft amerikanische Konkurrenten. Das würde den amerikanischen Markt deutlich besser schützen. Da muss man sehen, was in den nächsten Monaten passiert."
Auch im Eupener Kabelwerk wird die neue US-Zoll-Politik zu spüren sein, glaubt Generalsekretär Hermann-Josef Bernrath. "Wir haben eine Produktreihe, Hochfrequenzkabel, die wir über die USA vertreiben. Das heißt, das wird hier gefertigt, dorthin verkauft, gelagert und von dort weiter vertrieben. Das ist aber nur eine Produktsparte, da sind wir betroffen. Wir haben bereits Zölle, die darauf anfallen, aber die 20 Prozent werden das Geschäft sehr stark beeinflussen. Das einzuschätzen, ist aber schwer."
Europa bleibt für das Kabelwerk der wichtigste Markt. Generell sind Zölle keine gute Idee, sagt der Unternehmer. "Zollpolitik ist für die Wirtschaft allgemein ein schlechtes Zeichen. Wir leben ja in einem offenen Markt. Europa versucht auch immer, Vorbild zu sein. Eigentlich erwarten wir, dass die anderen da auch vorbildlich rangehen und im Moment habe ich den Eindruck, dass die großen anderen Mächte sich nicht daran halten und Europa zu fromm in diesem Vorgehen ist und darauf hofft, dass alle anderen auch so nett wären, wie die Europäer es sind."
Jetzt gehe es mehr denn je darum, alles zu tun, um Europa wettbewerbsfähig zu machen. Ganz nach dem Motto: Kosten runter - Innovation rauf.
Simonne Doepgen