Gelbe Narzissenblüten, so weit das Auge reicht: So wird es in etwa ein bis zwei Wochen im Oleftal an der deutsch-belgischen Grenze aussehen. Doch das war längst nicht immer so. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden auf den Wiesen Fichten angepflanzt. Im Schatten der Fichten hatten die Narzissen zu wenig Licht, um zu wachsen. Ende der 70er Jahre wollte die Loki-Schmidt-Stiftung das ändern. Sie kaufte Flächen und entfernte die Nadelbäume, nicht nur im Oleftal, sondern auch im Perlen- & Fuhrtsbachtal bei Monschau-Höfen. 1987 hat das dann auch die NRW-Stiftung getan.
Die Narzissen hatten so wieder genug Licht. Möglich sei das nur durch eine Zusammenarbeit von verschiedenen Einrichtungen gewesen, erklärt Christoph Eickelmann von der NRW-Stiftung für Natur, Heimat und Kultur. "Das eine ist, dass man Flächeneigentümer sein sollte, um Naturschutz praktizieren zu können. Das heißt, die NRW-Stiftung hat hier Flächen, die Loki-Schmidt-Stiftung hat hier Flächen und es gibt auch noch Flächen in ganz anderen Händen."
"Das eine sind also viele Flächeneigentümer, die sich darauf verständigt haben, da war die Stiftung ein wichtiger Player. Und das andere ist dann wirklich naturschutzfachliche Arbeit, die Pflege, und da muss man viele an Bord holen, damit das dann auch umgesetzt wird."
Um die Pflege der Flächen kümmerte sich lange die Uni Bonn. Heute sind daran vor allem die biologische Station und der Naturpark Nordeifel beteiligt. Aber auch die Gemeinde Hellenthal kümmert sich zum Beispiel um den Unterhalt der Bänke und Wanderwegs-Beschilderungen, die letztes Jahr erneuert wurden. In Zusammenarbeit mit der NRW-Stiftung hat die Gemeinde in diesem Jahr mobile Toiletten aufgestellt, um die Wanderungen angenehmer zu machen.
Touristischer Mehrwert
Der Bürgermeister der Gemeinde Hellenthal, Rudolf Westerburg, bemerkt, dass die Menschen aber nicht nur einmal für die Wanderungen nach Hellenthal kommen. "Wir stellen fest, dass die Leute, die einmal zu den Narzissen kommen auch wiederholt in die Gemeinde Hellenthal kommen zu anderen Jahreszeiten. Es ist also ein touristischer Mehrwert und dieser Mehrwert zahlt sich auch in Euro und Cent langfristig gesehen für die Gemeinde aus."
Nicht nur die Gemeinde Hellenthal profitiert von den Besuchern im Narzissental. Auch in Büllingen freut man sich darüber. Schöffe Andreas Pflips erzählt, dass die Gemeinde gleich doppelt von den blühenden Narzissenwiesen profitiert. "Für Büllingen hat es vor allem einen touristischen Wert. Wir sind sehr glücklich, dass wir diese Narzissenwiesen hier auf beiden Seiten der Landesgrenze haben, sowohl in Belgien als auch in Deutschland."
"Wir profitieren massiv vom Tourismus auf beiden Seiten der Landesgrenze, aber auch für unsere Bevölkerung, die hier vor Ort ansässig ist. Auch diese profitiert davon, vor allem an Wochenenden immer wieder mit ihren Familien dieses Naturschauspiel genießen zu können."
Festes Schuhwerk und ein bisschen Kondition, mehr braucht man für die Wanderungen im Oleftal nicht. Vorgeschlagen werden zwei Routen (5,8 und 6,7 Kilometer). Die Wanderungen seien auch für Familien interessant, erklären die Verantwortlichen. Vierjährige würden die Routen beispielsweise ohne Probleme schaffen. Auf Rollstuhlfahrer und Kinderwagen seien die Routen allerdings nicht ausgelegt.
Wer nicht auf eigene Faust loslaufen möchte, kann sich auch zu einer geführten Tour anmelden. Diese sei etwa 7,5 Kilometer lang, so Wanderführer Karl-Josef Hahn. Er leitet die Touren seit acht Jahren und es gefällt ihm noch immer. "Wir versuchen, die Leute dafür zu sensibilisieren, die Natur mit offenen Augen zu sehen. Wenn man zu diesen Wiesen hinkommt und auf einmal diese Pracht von diesen ganzen Narzissen sieht, dieser Wow-Effekt ist einfach schön. Das tut einem immer gut im Herzen."
Was ihn hingegen verärgert, seien Menschen, die sich nicht so verhalten, als würden sie die Narzissen schützen wollen. Bei den Wanderungen - egal ob geführt oder nicht - gibt es Regeln: Auf den Wegen bleiben, die Narzissen nicht pflücken oder ausgraben, nicht auf die Narzissen trampeln.
Geführte Wanderungen
Dass sich Wanderer unangebracht benehmen, falle ihm vor allem dann auf, wenn Leute auf eigene Faust wandern, sagt Hahn. "Es kommt des Öfteren vor, dass Menschen ihre Decken ausbreiten und dann Picknick machen - aber nicht am Rand, sondern mittendrin. Und dann haben wir natürlich viele Fotografen, die meinen: Okay, die ist ja noch schöner oder die da hinten. Dann laufen die auch immer quer da hindurch. Aber die gleichen sich eigentlich alle. Das lohnt sich also nicht."
"Vom Rand aus kommt man überall hin und kann genug sehen, anstatt alles platt zu trampeln. Wir sollten doch für die anderen Leute, die diese Blütenpracht gerne sehen würden, Rücksicht nehmen und das denen auch gönnen", findet Hahn.
Die Narzissen schützen wollen, gleichzeitig Führungen anbieten und so noch mehr Menschen ins Oleftal locken. Das klingt im ersten Moment paradox. Die geführten Wanderungen tragen aber zum Schutz der Narzissen bei, wie Peter Gieseler vom Naturpark Nordeifel erklärt. "Dadurch, dass wir diese Führungen anbieten, kanalisieren wir die Touristenströme und führen die Menschen auf die ausgewiesenen Wege."
"Wohingegen Leute, die auf eigene Faust kommen, gegebenenfalls auch querfeldein laufen. Das vermeiden wir mit den Führungen und geben auch entsprechende Informationen mit an die Hand: Warum ist das Ganze schützenswert, was kann man hier sehen, wie wurde das Tal renaturiert und in die Ursprungsform zurückgebracht und so weiter und sofort. Da lernen die Leute ganz viel", ist Gieseler überzeugt - zum Beispiel auch, wie wichtig Ameisen bei der Vermehrung der Narzissen sind. Sie tragen die Samen davon. Neben Ameisenhügeln seien deshalb häufig besonders viele Narzissen zu sehen.
Auch anderen Pflanzen- und Tierarten würde man bei den Wanderungen begegnen: dem Mammutbaum, Bibern, Rehen oder Füchsen. Im Vordergrund stehen natürlich trotzdem die wilden Narzissen. Bis zur Vollblüte müssen sich interessierte Wanderer allerdings noch ein oder zwei Wochen gedulden. Passend dazu sollen sowohl auf belgischer als auch auf deutscher Seite Mitte April Narzissenfeste stattfinden.
- Informationen zu den Wanderungen auf der Webseite der Gemeinde Hellenthal
Josefina Evers