Nahezu täglich gibt es in Hünningen derzeit Nachwuchs. Der Stall auf dem Biobetrieb von Marko Els und Martina Lux ist Geburtenstation und Kindergarten in einem. "Normalerweise sind wir einen Monat früher dran. Aber wegen der Blauzungenkrankheit im letzten Jahr kriegen die Schafe ihre Lämmer erst jetzt", sagt Els. Sieben Tiere hat das Paar aus Hünningen durch die Blauzungenkrankheit verloren. Um die Herde zu impfen, setzten Els und Lux rund 450 Spritzen.
Ihre 50 tragenden Mutterschafe werden in diesem Jahr insgesamt voraussichtlich etwas mehr als 100 Lämmer zur Welt bringen. Läuft alles glatt, muss Els bei der Geburt nur wenig eingreifen.
Doch es gibt auch andere Fälle. "Wenn ich sehe, es tut sich nichts, und das Lamm kommt nicht heraus, dann greife ich ein. Dann muss man schauen, wo es hakt. Kommt der Kopf nicht durch? Haben wir eine Fehllage? Oder ist das Schaf doch noch nicht weit genug?"
Muss er eingreifen, geht das in der Regel folgendermaßen: Hände desinfizieren, Handschuhe anziehen und die Geburt einleiten. "Die Vorderfüße sieht man im Idealfall schon. Dann nimmt man sich die und versucht, den Kopf durchzuziehen. Wenn der Kopf durch ist, ist eigentlich die Geburt geschafft."
Anschließend überprüft Els, ob das Lamm den Saugreflex hat. "Dann melke ich dem Lamm etwas Milch aus einer Zitze ins Maul. Die ersten Lebensgeister werden damit geweckt. Dann nehme ich mir das Lamm und halte es an die Zitze, dass es saugen kann."
Schafzucht ist ein Familienprojekt
1997 fingen sie mit zwei Schafen an, inzwischen ist es eine stattliche Herde. Es sei ein Familienprojekt, sagt Els. "Wir hatten alle Interesse an der Landwirtschaft. Ich, meine Frau und unsere drei Söhne. Das hat sich so aufgebaut", sagt er. "Es hat uns allen Spaß gemacht und wir hatten immer ein Gemeinschaftsprojekt als Familie." Obwohl die Söhne teils nicht mehr zu Hause wohnen, helfen sie noch immer mit. "Wir hängen mit dem Herzen daran. Das ist unser Leben", sagt Els.
Immer wieder haben Els und Lux unter den Lämmern Sorgenkinder, die besonders viel Betreuung brauchen und mit der Flasche aufgezogen werden müssen. "Das sind dann Drillinge oder Lämmer, die von der Mutter verstoßen werden. Oder die Mutter hat zu viel Milch oder die Mutter ist zu erschöpft von der Geburt. Dann nehme ich diese Lämmer mit. Dann haben wir einen kleinen Meerschweinchenkäfig, der kommt dann zum Einsatz. Dann nehme ich dieses Lamm mit rein und dann kommt es kurz in den Meerschweinchenkäfig, wird dann da getränkt. Im Idealfall kann es alleine trinken. Wenn es aber zu schwach ist, weil die Geburt zu anstrengend war, dann bekommt es eine Magensonde gelegt."
Im Mai kommen die Schafe auf die Weide. Insgesamt 16 Hektar Fläche haben die Schäfer aus Hünningen, die die Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben. Lux ist im Hauptberuf Krankenpflegerin, Els arbeitet für einen Futtermittelbetrieb. Angriffe von Wölfen haben sie bisher nicht gehabt, aber die Raubtiere kommen näher. "Die Wolfspopulation steigt hier bei uns", so Els. "Und die Wildpopulation sinkt im Verhältnis dazu. Deswegen wird das hier so gesehen, dass das irgendwann zu Problemen führen wird. Wir hatten ja auch hier in Ostbelgien Fälle, wo Tiere von Wölfen gerissen worden sind."
Zäune und Hunde gegen den Wolf
Um ihre Tiere zu schützen, kommen Elektrozäune zum Einsatz. Und zwei Maremmano-Hunde geben rund um die Uhr Acht. Auch hier gibt es übrigens Nachwuchs in Hünningen, und zwar gleich zehn Welpen. "Das sind Herdenschutzhunde. Die schützen das Gebiet, wo sie drin leben, wo sie eingezäunt sind, eingefriedet sind. Das beschützen sie - und alles, was mit da drin ist. Ob das Hühner sind oder Schafe. Die passen da mit drauf auf. Mit den Schafen klappt das besonders gut: Die Hunde verbinden sich mit den Schafen, legen sich zu denen und passen auf die auf.""
Trotz der Hunde: Das Thema Wolf ist damit nicht gegessen. "Um der Sache gerecht zu werden, wäre mein Anliegen, dass man einfach die Wölfe dann, wenn es Überhand nimmt, auch bejagt. Alle anderen Wildarten sind reglementiert, da gibt es Abschussquoten. Das ist ein hartes Wort. Aber wenn man jetzt ein Wolf, was ein Raubtier ist, der auch dabei ist, die Scheu vor dem Menschen zu verlieren, einfach so sich vermehren lässt, unkontrollierbar, wird das zu einem Problem führen." Er sei keineswegs dafür, den Wolf vollständig zu verjagen, so Els. Aber es müsse eine Reglementierung, ein Konsens angestrebt werden, betont der Schäfer.
Moritz Korff
Die passende Mischung aus Alt-Ehrwürdiger Eifelkultur-DG gepaart mit Leben für die Tiere und mit den Tieren zusammen.
Wenigstens gibt es sie noch wirklich, die Menschen die sich für die Gute Sache einsetzen. Als Vorbild für die Gute Lebensführung "Zesumme fir iech".
Tiere und Kultur statt Alkoholismus, Extremismus und Karriereleiter.