Sozio-emotionale Fähigkeiten entfalten: „Papilio“ macht in Ostbelgien Schule

Ein Kind glücklich großziehen, ihm die richtigen Werte und Verhaltensregeln mit auf den Lebensweg geben und dabei Verantwortung beibringen - eine wichtige, aber auch schwierige Aufgabe. Genau deshalb wurde das Programm "Papilio" in vielen Kindergärten eingeführt. Jetzt wird das Projekt ausgeweitet auf die Grundschulen.

Papilio im Kindergarten des César-Franck-Athenäums (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Papilio im Kindergarten des César-Franck-Athenäums (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Einmal die Woche macht das Spielzeug im Kindergarten des César-Franck-Athenäums Ferien. Langeweile gibt es aber nicht. Die Kinder lernen, sich selbst zu beschäftigen, bauen ihr eigenes Spielzeug aus Alltagsgegenständen.

Spielen ohne Spielzeug ist eine der Maßnahmen von Papilio. Das Programm wird seit 2018 in den ostbelgischen Kindergärten umgesetzt. 80 Prozent der Einrichtungen machen mit, auch beim „Spielzeug-macht-Ferien-Tag“. Wie die Kinder den Tag finden, können sie den Großen mithilfe von vier Kobolden mitteilen: „Einer ist traurig, einer hat Angst, einer ist wütend und einer lächelt.“

Freude, Trauer, Wut und Angst – die vier Grundgefühle sind bekannt. Einige Kinder sprechen auch schon von anderen Gefühlen – so auch der kleine Sohn von Kerstin Lipsch. „Es gibt einen Schlüsselmoment: In den Sommerferien hat der Fünfjährige gesagt: Mit Selbstbewusstsein kann man alles schaffen. Da sagte ich: Das stimmt, aber wer sagt dir das? Er hat geantwortet: Mama, mein Körper sagt mir das! Das fand ich dann schon beeindruckend.“

Aber auch bei den Pädagogen im Kindergarten kommt Papilio gut an. So gut, dass das Projekt nun auf die Grundschule ausgeweitet wird. Als Erstes startet „Papilio6bis9“ hier in Kelmis. Die ersten Maßnahmen kommen in den nächsten Monaten, wie Pädagogin Anna Haselbach von Kaleido erklärt: „Die Kinder werden dann die Sekundäremotionen kennenlernen. Dann haben wir das ‚Good Behavior Game‘. Und die dritte Maßnahme nennt sich ‚Besser lernen in der Klasse‘. Da geht es um Prozesse wie Konzentration, alles Dinge, die man auch später braucht.“

Diese Fähigkeiten sollen die Kinder auf lange Sicht prägen, sie vor Gewalt-, aber auch Suchtverhalten schützen. „Papilio ist wirklich ein Zugewinn für unsere Schule und vielleicht auch später für die Gesellschaft“, findet Michael Vahlefeld, Schulleiter in Kelmis.

Kaleido hofft, dass noch mehr Schulen Interesse zeigen, damit Kinder emotionale und soziale Fähigkeiten noch weiter entfalten können und Papilio außerhalb der Schulen Raum findet – so wie bei der Familie von Zoé Tock: „Persönlich bin ich begeistert vom ‚Spielzeug-macht-Ferien-Tag‘. Die Kinder haben so viel Spielzeug, aber es ist auch gut, dass die Kinder sich beschäftigen, wenn sie mal nichts haben. Da wird dann z.B. ein Stock zum Schwert. Man merkt, dass sich da was tut in Sachen Kreativität.“

Raffaela Schaus

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