Initiative der Eifelgemeinden: Künftige Finanzierung der Kirchenfabriken geht nur im Dialog

In Zeiten, wo die finanziellen Mittel knapper und die Kirchgänger weniger werden, stellt sich die Frage nach der Finanzierung des Unterhalts der Kirchengebäude und Kapellen. In der Eifel suchen die Gemeinden nach einer gemeinsamen Lösung. Am Montag haben sie in Amel mit einem Vertreter des Bistums Lüttich eine Zwischenbilanz gezogen.

Sind für einen Dialog zwischen Gemeinden, Kirchenfabriken und Bistum: (v.l.n.r.) Bischofsvikar Emil Piront und die Bürgermeister Erik Wiesemes, Friedhelm Wirtz, Marion Dhur und Daniel Franzen (Bild: Stephan Pesch)

Sind für einen Dialog zwischen Gemeinden, Kirchenfabriken und Bistum: (v.l.n.r.) Bischofsvikar Emil Piront und die Bürgermeister Erik Wiesemes, Friedhelm Wirtz, Marion Dhur und Daniel Franzen (Bild: Stephan Pesch)

Zusammen haben sie eingeladen – die Bürgermeister von Amel, Büllingen, Bütgenbach und Burg-Reuland. Die Stadtgemeinde St. Vith ist an diesem Nachmittag verhindert. Mit am Tisch sitzt Bischofsvikar Emil Piront. Er freut sich über den entstandenen Dialog, räumt aber gleichzeitig mit der Fehleinschätzung auf, das Bistum könne in dieser Frage bestimmen, wo es lang geht.

„Die Kirchenfabriken sind Einrichtungen öffentlichen Rechts“, sagt Bischofsvikar Emil Piront. „Das Bistum hat eine Aufsichtsfunktion, kann Impulse geben, kann beratschlagen, aber hat keine Autorität über die Kirchenfabriken. Auch das Immobilienvermögen, ob Kirchen oder Pfarrhaus, gehört nicht der Kirche, sondern der Kirchenfabrik.“

Gesetzliche Verpflichtung

Gesetzlich sind die Gemeinden verpflichtet, die Kirchenfabriken und ihre Auslagen zumindest mit zu finanzieren. Das aber führt in Gemeinderäten wie dem von Burg-Reuland zu Grundsatzdiskussionen.

Immerhin bei der Vorlage der Rechnungsablagen 2021 der acht Kirchenfabriken fiel das Votum zuletzt einstimmig positiv aus – auch wegen der vernünftigen Haushaltsführung im einzelnen.

„Es war ein Lernprozess für die Kirchenfabriken und die Gemeinde. Weil eben immer weniger Gelder da sind, dafür aber sehr viele Kirchen und Kapellen in unserer Gemeinde, 20 an der Zahl, musste man sich finden“, sagt Bürgermeisterin Marion Dhur.

Die Lösung dort sieht so aus, dass die Hauptkirchen Vorrang genießen. Wobei sich die Gemeinde nicht anmaßt, festzulegen, welche das sind, sondern sich Rat beim Pfarrer und bei den Kirchenfabriken holt.

In der Gemeinde Amel, so Erik Wiesemes hat der Gemeinderat für die Kirchen oder Pfarrhäuser, die nicht in ihrem Besitz sind, eine langfristige Absicherung bei Investitionen beschlossen (mit möglicher Teilrückzahlung der Zuschüsse etwa bei einem Verkauf).

In Bütgenbach stellt sich das Thema mit nur vier Ortschaften und entsprechend wenig Kirchenfabriken nicht so gravierend dar. Hier wurde in den letzten Jahren vor allem in die Kirchen von Bütgenbach, Nidrum und Elsenborn investiert. Die leerstehenden Pfarrhäuser in Elsenborn und Nidrum seien aber stark sanierungsbedürftig, sagt Daniel Franzen.

In Büllingen ko-finanziert die Gemeinde nur noch die Pfarrhäuser, in denen ein Priester wohnt. „Wir konzertieren uns ja mit den Kirchenfabriken und besprechen all diese Projekte. Wir erstellen Fünfjahrespläne, wo wir uns auch budgetär darauf einstellen können“, erklärt Bürgermeister Friedhelm Wirtz. „Aber ich mache keinen Hehl daraus, dass das in Zukunft nicht einfacher wird, denn auch für Wasser, Wege, Schulen usw. wird es in unseren Haushalten schon knapp. Das wird also ein Challenge sein, über diese Mittel zu verfügen.“

250 Ehrenamtliche

Ein Verkauf von Grundstücken oder nicht mehr genutzten Gebäuden der Kirchenfabriken könnte beispielsweise deren Selbstfinanzierung absichern und den jeweiligen Gemeindehaushalt entlasten.

Von einer möglichen Umwidmung oder Entsakralisierung von Kirchen oder Kapellen ist in den fünf Eifelgemeinden noch keine Rede. Auch eine Zusammenlegung oder Fusion der ehrenamtlich funktionieren Kirchenfabriken steht noch nicht an.

Wobei man sich auch fragt, wer die Arbeit in Zukunft machen will. Diese Arbeit, da sind sich die Bürgermeister und der Bistumsvertreter einig, gelte es jedenfalls zu unterstützen: „Ein Dank an alle Ehrenamtlichen, die das mitmachen. Wenn wir ganz Ostbelgien nehmen, haben wird ungefähr 50 Kirchenfabriken, d.h. 250 Personen, die sich ehrenamtlich einsetzen“, sagt Emil Piront. „Damit die Kirchen offen sind, sauber sind und gastfreundlich – Hut ab!“

Stephan Pesch