Aachener Friedenspreis: Ein Zeichen gegen den Waffenhandel

Der 1. September ist der Antikriegstag. Traditionell wird an diesem Tag der Aachener Friedenspreis verliehen. In diesem Jahr geht er an die jemenitische Menschenrechtsorganisation Mwatana und den deutschen Anwalt Holger Rothbauer. Beide Preisträger setzen sich vor allem gegen den illegalen Waffenhandel ein.

Holger Rothbauer, Noria Al Hassini und Osamah Al Fakih erhalten am Donnerstag den Aachener Friedenspreis (Bild: Lindsay Ahn/BRF)

Holger Rothbauer, Noria Al Hassini und Osamah Al Fakih erhalten am Donnerstag den Aachener Friedenspreis (Bild: Lindsay Ahn/BRF)

Einer der Preisträger des Aachener Friedenspreises ist der Thüringer Anwalt Holger Rothbauer. Der Jurist setzt sich seit 1995 gegen den internationalen Waffenhandel der deutschen Bundesregierung ein. Weltweit liegt die Bundesrepublik in Sachen Waffenlieferungen auf dem vierten Platz. „Unsere Demokratie lebt von der Gewaltenteilung und die gibt es beim Waffenexport in Kriegsgebiete nicht“, sagt er.

Die Vereinten Nationen bezeichnen die Situation im Jemen jeher als „eine der schlimmsten von Menschen erzeugten humanitären Katastrophe.“ 2015 hat der Konflikt begonnen, der bis heute viele Opfer fordert. Auch wenn es einen offiziellen Waffenstillstand gibt, wird weiter gekämpft, gemordet und gefoltert. Vor allem der Export von Waffen in das Gebiet trägt daran Schuld.

Mwatana for Human Rights hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu beschützen und Reparaturen einzufordern. Noria Al Hassini und Osamah Al Fakih nehmen den Aachener Friedenspreis am Donnerstag entgegen.

Oftmals sind es Familienmitglieder oder Angehörige von Vermissten, die sich bei der Organisation melden. Mwatana setzt dann strategisch Anwälte ein, die Druck machen und die Verschleppten oder grundlos inhaftierten Menschen befreien. Zwischen 2017 und 2020 hat die Organisation auf diese Art und Weise über 700 Menschen aufgespürt und befreit.

Eine weitere große Aufgabe sieht die Organisation darin, Regierungen für den illegalen Waffenhandel zur Verantwortung zu ziehen. Dazu untersucht Mwatana zum Beispiel die Tatorte von Kriegsverbrechen. Nach einem Attentat auf eine Familie im Jahre 2016 haben Interviews mit Zeugen und Bildaufnahmen gezeigt, dass die Waffen, die bei dem Angriff genutzt wurden, aus Italien stammen. Dank der Infos wurde ein Gerichtsverfahren eingeleitet.

Ein Ende des Kriegs im Jemen ist nicht in Sicht, trotzdem hilft der Aachener Friedenspreis, sagt Osamah Al Fakih. Der Friedenspreis bringt frische Kraft und neuen Mut, um die schwierige Aufgabe weiterzuführen.

Der Aachener Friedenspreis wird Donnerstagabend ab 19 Uhr in der Aula Carolina in Aachen verliehen.

Lindsay Ahn