Personalnot: Kleine Betriebe würden sich über Zuwachs freuen

Mehr als die Hälfte der Unternehmer findet es sehr schwierig, Fachkräfte zu finden. Das zeigt eine Studie vom Wirtschafts- und Sozialrat Ostbelgiens. Die Not am Mann ist so groß, dass die Arbeit bei manchen Unternehmen heruntergefahren werden muss. Vor allem bei kleineren Familienbetrieben macht sich bemerkbar, wenn ein paar helfende Hände fehlen.

Dachdecker Thierry Bach in seinem Element (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Dachdecker Thierry Bach in seinem Element (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Dachdecker Thierry Bach arbeitet derzeit alleine an einem Dach in Iveldingen. Sein Mitarbeiter fällt wegen einer Verletzung für mehrere Wochen aus. Am liebsten würde Thierry Bach noch jemanden einstellen – oder einen Lehrjungen ausbilden. „Wenn man Lehrjungen ausbildet, arbeiten die nach deinem eigenen Schema. Du kannst die einfacher an die Baustelle lassen, weil die wissen: Mein Chef hätte das gerne so und so, weil so hat er mir das auch gezeigt“, sagt Bach.

Eigenverantwortung, aber auch Bodenständigkeit sollte ein Lehrling mitbringen. Denn sonst ist die Fallhöhe – im wahrsten Sinne des Wortes – groß. „Wir haben Arbeitszeiten von sechs Uhr morgens bis nachmittags um fünf auf der Baustelle. Da kommt nicht jeder mit zurecht. Lehrjungen sollten 16 Jahre alt sein, die kann man besser führen als 14- oder 15-Jährige.“

Lehrjahre sind eben keine Herrenjahre. Aber für Thierry Bach war damals schnell klar, dass er seinen Traumberuf gefunden hat. „Wir mussten im fünften Jahr auf der BS in St. Vith ein Praktikum machen von zwei Wochen. Das habe ich bei einem Dachdecker in Nidrum gemacht. Der Beruf hat mich fasziniert: Die Vielfalt und wie man von Anfang bis zum Ende ein Gebäude ändern kann“, schwärmt der Dachdecker aus Nidrum.

Thierry Bach arbeitet derzeit auf dem Dach eines Hauses in Iveldingen (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Thierry Bach arbeitet derzeit auf dem Dach eines Hauses in Iveldingen (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Auch die Kunden sind mit den Veränderungen zufrieden. Thierry Bach bekommt mehr Aufträge, als er ausführen kann. „Die Nachfrage ist immens. Bis im Frühjahr nächstes Jahr haben wir volle Auftragsbücher und teilweise müssen wir absagen, weil wir wissen nicht, ob wir Personal finden oder nicht.“

Personal finden – das möchte auch die Familien-Metzgerei Klein in Eupen. Aus Mangel an Personal bleibt die Fleischtheke dienstags geschlossen. „Wir brauchen Verkäufer, weil wir da unterbesetzt sind. Meine Eltern gehen am Ende des Jahres in Rente und um unsere Zukunft zu sichern, brauchen wir Leute im Verkauf, damit wir weiter bestehen können“, sagt Metzger Alexander Klein.

Aber auch in der Produktion ist genug zu tun. Den Mitarbeitern gefällt vor allem die Vielfalt in der Metzgerei. „Es gibt jeden Tag verschiedene Sachen und Abwechslung“, berichtet Lehrjunge Louis. Ähnlich sieht es Mitarbeiter Nick Radermacher. „Der Beruf ist nicht einfacher, aber man kann viel in kurzer Zeit lernen. Das hat mich fasziniert.“ Auch den beiden haben Praktika und Schnupperwochen geholfen, den richtigen Beruf zu finden.

Alexander Klein, Louis Sujdak, Nick Radermacher, Patrick Roisleux (v.l.n.r.) in der Familien-Metzgerei Klein in Eupen (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Alexander Klein, Louis Sujdak, Nick Radermacher, Patrick Roisleux (v.l.n.r.) in der Familien-Metzgerei Klein in Eupen (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Motivation und Freundlichkeit würde sich der Chef, Alexander Klein, auch von neuem Personal wünschen. „Unser Lehrling und der, der gerade fertig ist, haben eine super Arbeitseinstellung. Die sind immer höchst motiviert. Und wir haben dadurch eine gute Stimmung, weil wir gut voran kommen.“

Gute Stimmung, gutes Vorankommen und Vielfalt – das sind die Hauptargumente für kleine Betriebe. Viele von ihnen würden sich freuen, wenn sie noch um ein paar Mitarbeiter wachsen.

Raffaela Schaus