Gesundheitshelfer Olivier De Rycke hilft, Hürden zu überwinden

Zum Hausarzt gehen, zur Krankenkasse oder zur Apotheke - für die meisten ist das selbstverständlich. Immerhin gibt das Gesundheitssystem auch all das her. Aber nicht jedem fällt das so leicht. Vor allem Menschen in sozial schwachen Lebenssituationen sind damit oftmals überfordert und selbst der Zugang zu einfachen Formen der Gesundheitsversorgung stellt sie vor Hürden.

Gesundheitshelfer Olivier De Rycke (Bild: Melanie Ganser/BRF)

Gesundheitshelfer Olivier De Rycke (Bild: Melanie Ganser/BRF)

Im Frühjahr hat Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke das Projekt „Community Health Worker“ gestartet. Auch die Deutschsprachige Gemeinschaft hat einen Gesundheitshelfer: Olivier De Rycke. Er ist auf dem Wochenmarkt in Kelmis unterwegs. Hier kommt er in den letzten Monaten immer wieder mal her, um sich vorzustellen und Kontakte zu knüpfen.

„Ich bin Gesundheitshelfer für Kelmis und Eupen. Was ist das genau? Man hat gerade in der Covid-Zeit festgestellt, dass es viele Menschen in prekären Situationen gibt, die den Zugang zur Gesundheit nicht so finden, wie sie könnten. Es gibt in unserer Gegend jede Menge Dienste und Organisationen, die Hilfen für alles Mögliche anbieten. Aber die Leute wissen oft nicht, wo sie anklopfen können für welche Hilfe“, erklärt Olivier De Rycke.

Genau hier kommen die Gesundheitshelfer ins Spiel. Insgesamt 50 sind zurzeit belgienweit im Einsatz. Umgesetzt wird das föderale Pilotprojekt von der Gemeinschaft aller Krankenkassen. In der DG übernimmt die christliche Krankenkasse die Umsetzung. Das Schwierigste dabei sei, die Betroffenen zu erreichen, erzählt De Rycke.

Vielseitige Hilfe

„Die ersten Monate haben wir überall angeklopft: beim ÖSHZ, beim Haus der Familie, Kaleido, BTZ und so weiter. Wir haben uns überall vorgestellt, erzählt was wir machen. So kriegen wir die Kontakte durch diese Dienste. Wir sind aber auch oft auf den Straßen unterwegs und sprechen die Leute einfach direkt an und fragen, ob sie vielleicht im Umfeld jemanden kennen. Und dann geht auch viel über Mundpropaganda. Wenn man einmal seinen Kreis hat, wird die Nummer oft mal weiter gereicht.“

Probleme mit der Krankenkasse, sprachliche Barrieren, finanzielle Bedenken oder auch die Digitalisierung – die Hürden sind vielfältig. Und die Hilfe, die Olivier De Rycke anbietet, ist es auch: „Es fängt an bei der Begleitung zum Arzt, einen Termin nehmen bei einem Spezialisten. Wir begleiten die Leute und zeigen ihnen, dass es gar nicht so schwer ist, dahin zu kommen. Wir haben schon alles Mögliche gemacht. Wir haben Menschen, denen richten wir eine Palliativpflege für zu Hause ein, Mittagstische, Essen auf Rädern, Hilfe bei Umzügen nach den Überschwemmungen in Eupen, administrative Arbeit und so weiter.“

Bedarf

Seit Anfang Juni ist Olivier De Rycke jetzt als Gesundheitshelfer in der DG unterwegs – und sein erstes Zwischenfazit lautet: Bedarf ist auf jeden Fall vorhanden. „Wir haben echt viele Leute, die einfach isoliert leben und es auch gar nicht mehr in den Vordergrund rücken, dass die Gesundheit wichtig ist.“

Gerade mit Covid habe ich Leute gesehen, die während eines Jahres komplett isoliert gewesen sind, die keine Verwandten oder Bekannten haben und die auch gar nicht mehr den Mut finden, diesen Schritt zu gehen, um Unterstützung zu bekommen. Also der Bedarf ist definitiv da.“ Bis Ende des Jahres läuft das Pilotprojekt noch. Aber Olivier De Rycke hofft, dass es verlängert wird und er noch mehr betroffene Menschen erreichen kann.

Wer Hilfe brauchen kann oder betroffene Personen kennt, kann Olivier De Rycke einfach anrufen. Seine Nummer lautet 0476/900.953.

Melanie Ganser