Niessen und Antoniadis: „Wir dürfen und werden dieses Thema nicht aus dem Auge lassen“

Die vorläufige Schließung der Eupener Entbindungsstation wegen eines Mangels an Gynäkologen hat viele werdende Eltern in der Region verunsichert. Für Gesundheitsminister Antoniadis und Verwaltungsratspräsidentin Niessen steht das Thema weit oben auf der Prioritätenliste.

Entbindungsstation im St. Nikolaus-Hospital Eupen (Bild: Julien Claessen/BRF)

Entbindungsstation St. Nikolaus-Hospital Eupen (Bild: Julien Claessen/BRF)

Die beiden Krankenhäuser der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind derzeit allerdings mit mehreren Problemen gleichzeitig konfrontiert. Die Eupener Entbindungsstation ist da nur eines.

Auch Unterfinanzierung und der Mangel an Pflegekräften beschäftigen die Verwaltungsräte der Krankenhäuser. Und genau da wünschen sich die Krankenhäuser mehr Unterstützung.

Diskussionsbedarf zur Finanzierung der Krankenhäuser

„Wir kommen immer nur dann wieder in die Schlagzeilen, wenn etwas Negatives passiert, aber mit diesen Problemen haben wir eigentlich täglich zu kämpfen“, so die Verwaltungsratspräsidentin des Eupener Krankenhauses, Claudia Niessen.

„Die DG ist hauptsächlich dafür zuständig, die Infrastruktur zu finanzieren, aber auch Teile des Unterhaltes. Und da ist die Finanzierung nicht so wie vor der sechsten Staatsreform. Da gibt es schon Diskussionen und auch Diskussionsbedarf in den nächsten Wochen.“

DG bereit zur Hilfe

Sehr bedauerlich und besorgniserregend findet Gesundheitsminister Antonios Antoniadis die Schließung der Eupener Entbindungsstation. Auch wenn gewisse Bereiche nicht in die DG-Zuständigkeiten fallen, sei die DG trotzdem bereit zu helfen, so der Minister. Allerdings löse man das Problem nicht, indem man weitere aufzeige.

„Man kann keine Probleme lösen, indem man ein Problem noch weitaus vergrößert – indem da noch weitere Aspekte mit eingebunden werden. Das macht das Ganze nur noch komplizierter und das löst die Probleme nicht.

Die Probleme, die angesprochen wurden, in Bezug auf Pflegekräfte, auf begrenzte Ressourcen im Infrastrukturbereich: das sind Probleme, die gelöst werden können. Aber man wird das Problem der Entbindungsstation nicht lösen, indem man noch mehr Probleme mit reinpackt. “

Sehr komplexes System in Belgien

Dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken ist eine zentrale Aufgabe, der sich beide Krankenhäuser stellen müssen. Allerdings seien den Krankenhäusern auch oft die Hände gebunden, so Claudia Niessen.

„Insgesamt ist das belgische System sehr komplex. Die Ärzte sind selbstständig in den Krankenhäusern. Dann haben die Führung des Krankenhauses und der Verwaltungsrat relativ wenig Einfluss auf die Bestimmungen, wer in welchem Ärzte-Pool ist. Das ist hauptsächlich eine Diskussion der Ärzte. Das ist ein unglaublich komplexes Thema.“

Ergänzende Zusammenarbeit als Lösungsvorschlag

Gegenseitige Unterstützung der Krankenhäuser hob der Minister als Lösungsvorschlag noch einmal hervor. Ergänzend arbeiten – wenn nötig und möglich auch in der Gynäkologie.

„Wenn man Teams aufgebaut hat und eine Gruppe Gynäkologen für Eupen hat, kann man durchaus darüber nachdenken, dass – wenn Unterstützung nötig ist -, man Personal aus St. Vith ergänzend einsetzen könnte. Und andersherum genauso.“

Geburtshaus als weitere Option im Gespräch

Was die Entbindungsstation in Eupen betrifft, muss das Krankenhaus offen für Veränderung sei. Dessen ist sich auch die Verwaltungsratspräsidentin bewusst. „Wir haben jetzt noch keine Lösung, das muss man ganz klar sagen. Ich habe schonmal gesagt, dass ich zum Beispiel mit dem Thema Geburtshaus nochmal in die Diskussion gehen würde. Wohlwissend, dass auch das nicht 100 Prozent ist.

Aber ich habe lieber etwas, was für 70 Prozent der Menschen gut ist und funktioniert, als gar nichts zu haben. Auch da muss man wahrscheinlich neue Wege gehen und neue Ansätze finden. Wir dürfen und werden dieses Thema nicht aus den Augen lassen und das heißt dann auch, dass wir uns neue Fragen stellen müssen.“

Lena Orban