Familienimkerei Kessel in Hergenrath: „Imker sind auch Naturschützer“

Statt fröhlichem Sonnenschein sah es dieses Jahr oft trist aus – mit Folgen für die Tierwelt. Normalerweise ist der Sommer auch Insektenjahreszeit, doch in diesem Jahr hatten es Schmetterlinge, Bienen und Co. nicht leicht. Das wirkt sich auf die Honigproduktion aus.

Daniel Fassbender und Christine Kessel (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Daniel Fassbender und Christine Kessel (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Es summt und brummt bei Familie Kessel in Hergenrath. Denn der Garten ist gleichzeitig auch die Familienimkerei. Insgesamt hat die Familie zehn Bienenkästen – also auch zehn Völker – mit jeweils bis zu 50.000 Bienen.

Jedes Jahr produzieren die Bienen auch eine große Menge Honig. Doch in diesem Jahr sieht es anders aus: „Der Sommer war dieses Jahr sehr kurz oder fast gar nicht vorhanden. Im Frühjahr, als alles anfing zu blühen, war es noch viel zu kalt für die Bienen. Als der Sommer da war, waren dann schon alle Blüten abgeblüht – wie auch Obstbäume, die relativ früh blühen, sodass es fast nichts gab an Futter für Bienen. Im letzten Jahr hatten wir 60 Kilo pro Volk und dieses Jahr ist es maximal die Hälfte pro Volk“, erklärt Imkerin Christine Kessel.

Seit einem Jahr ist Christine Kessel Teil des Familienbetriebs, genauso wie ihr Neffe Daniel Fassbender. Beide wollten das Erbe ihres Schwieger- bzw. Großvaters, Josef Kessel, weiterführen. Und das, obwohl beide Jung-Imker zuvor noch eine Sache zurückgehalten hatte: „Angst vor den Bienen. Das war es, wo ich eigentlich dachte ‚lieber nicht'“, lacht Daniel Fassbender. „Aber es ist schön, dass die Familienimkerei in der Familie bleibt.“

Vor 27 Jahren, also 1974, hatte Großvater Josef Kessel mit zwei Bienenvölker angefangen. Der 84-Jährige kann sich heute noch genau daran erinnern, wie seine Begeisterung für Bienen begonnen hat: „Ich habe einen Vortrag gehört vor mehr als 40 Jahren. Das war von einem bekannten Imker namens Jungblut aus Kelmis.“ Aus Faszination hat er die Imkerei selbst begonnen: „Weil es ein Beitrag für die Umwelt ist und auch für die Natur. Eine weitere Vorbelastung war, dass der Großvater meiner Frau zuvor Imker war.“

Imkerei ist also Traditionssache. Aber besonders für die Umwelt sei es wichtig, dass es neben fleißigen Bienen auch fleißige Imker gibt: „Die Imker haben einen wichtigen Auftrag. Wenn es uns Imker nicht mehr gibt, wo sollen dann noch Bestäubungen stattfinden?“, fragt Josef Kessel. “ Es ist wichtiger denn je, etwas für die Natur zu machen. Und Imker sind auch zeitgleich Naturschützer. Man bekommt einen anderen Blick auf Pflanzen.“ Auch über die Artenvielfalt im Wald ist Josef Kessel besorgt und wünscht sich mehr Bäume mit Beeren.

Josef Kessel mit einer Calamintha-Pflanze in seinem Garten (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Josef Kessel mit einer Calamintha-Pflanze in seinem Garten (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Auch welche Pflanzen in den Garten gehören, um den Insekten etwas Gutes zu tun, weiß Josef Kessel genau. Es versteht sich von selbst, dass seine eigene Grünanlage nur so wimmelt von blühenden Pflanzen. Besonders beliebt ist bei den Bienen gerade jetzt im August die lila-farbene Calamintha.

Je nach Nektar verändert sich auch der Geschmack des Honigs, der hier in Hergenrath selbst hergestellt wird: „Die Bienen gehen zu den Blüten, wo sie ihren Nektar holen und bearbeiten den in den Völkern. Später verdeckeln sie die Waben. Danach holen wir die Waben raus, entdeckeln die, schleudern und füllen den Honig dann ab“, erklärt Daniel Fassbender.

Da die Bienenstöcke direkt am Wald stehen, weit weg von gespritzten Feldern oder Monokulturen, ist der Honig aus Hergenrath von Bio-Qualität. Neben dem Wald ist natürlich auch der eigene Familiengarten eine wichtige Nektarquelle. Die bunten Blumen locken aber auch andere Insekten an.

Familie Kessel würde sich freuen, wenn es mehr insektenfreundliche Gärten und Wälder geben würde. Denn um etwas zu verändern, sollten nicht nur Imker Naturschützer sein. „Jeder kann bei sich anfangen“, ist Josef Kessel überzeugt. „Es gibt jede Menge zu tun. Jeder soll bei sich zuhause anfangen.“

Raffaela Schaus