Erdbeben in Haiti: Hilfsprojekt von Angelika Hoffmann nicht gefährdet

Die Ostbelgierin Angelika Hoffmann ist seit 2012 in Haiti und leitet dort Hilfsprojekte. Sie lebt und arbeitet im Nordosten des Landes. Damit ist sie nicht direkt von dem verheerenden Erdbeben vom Wochenende betroffen, das vor allem im Süden und Südwesten für Tote, Verletzte und große Schäden gesorgt hat.

Auch die Kirche "Sacré Coeur Des Cayes" in Les Cayes ist bei dem Erdbeben schwer beschädigt worden (Bild: Reginald Louissaint Jr/AFP)

Auch die Kirche "Sacré Coeur Des Cayes" in Les Cayes ist bei dem Erdbeben schwer beschädigt worden (Bild: Reginald Louissaint Jr/AFP)

Doch der Schock sitzt tief. Das Beben am Samstag sei im ganzen Land zu spüren gewesen, berichtet sie im Interview mit dem BRF.

Seit Jahren stemmt die gelernte Krankenschwester Hilfsprojekte mit dem Salesianerorden. Die Gebäude blieben vom Erdbeben verschont. Allerdings hätten mehrere Pater Familienmitglieder verloren. Im schwer getroffenen Ort Les Cayes betreibt der Orden ein Schulzentrum. Dieses sei intakt und hätte die Türen für die Bevölkerung geöffnet: Wer nichts mehr hat, werde dort aufgenommen.

Und die Gefahr ist noch nicht gebannt. In Haiti ist ein Tropensturm angekündigt. Angelika Hoffmann hofft, dass der Sturm denen vom Erdbeben betroffenen Gebiete nicht zusätzlich schadet. Doch von Angst möchte sie nicht reden. „Angst ist ein großes Wort. Wir leben damit. Wir leben mit den Naturkatastrophen und wenn wir fallen, dann stehen wir wieder auf. Wir müssen abwarten. Wir können den Tropensturm nicht aufhalten.“

Die Haitianer fühlen sich an das Erdbeben von 2010 erinnert. Damals waren 200.000 Menschen ums Leben gekommen. Zudem hatten die Wirtschaft und die Gesundheitsversorgung in dem ohnehin schon armen Karibikstaat stark gelitten.

Angelika Hoffmann auf Haiti

Angelika Hoffmann auf Haiti (Archivbild: Farnières-Haïti)

Und genauso wenig lässt Angelika Hoffmann sich aufhalten. Seit einem Jahr ist sie dabei, ein landwirtschaftliches Praktikumszentrum aufzubauen. „Es geht langsam vorwärts, aber es geht vorwärts. In Haiti kommt immer etwas dazwischen: zuerst Covid, dann die Ermordung des Präsidenten, jetzt das Erdbeben, dann der Tropensturm.“ Dennoch hält sie am Projekt fest. Aktuell stehe die Umzäunung des Geländes auf dem Plan. Wenn alles gut laufe, könnte in zwei Wochen mit der Pflanzung von Obstbäumen und dem Anbau von Gemüse begonnen werden.

Junge Menschen sollen dort die Chance auf Arbeit erhalten. Neben dem Obst- und Gemüseanbau ist ebenfalls die Produktion von Eiern und Hühnerfleisch geplant. So seien Brunnen gebohrt worden – die Voraussetzung, um ein Bewässerungssystem zu installieren. Gut sei, dass auch Leute aus der Gegend im Hilfsteam mitmachen. So ließe sich vieles auf die Beine stellen.

Angelika Hoffmann blickt nach vorne. Sie hat sich mit ihrer Mannschaft das Ziel gesetzt, landwirtschaftliche Produkte zu verkaufen. Doch es geht auch darum ein Unternehmen aufzubauen und gut führen kann.

Chantal Scheuren