Hergenratherin Melanie Simons: Leben mit einer Nomadenfamilie in Kirgisistan

Die 24-jährige Journalistin Melanie Simons aus Hergenrath hat in Kirgistan eine dort lebende Nomandenfamilie während mehrerer Wochen begleitet, um einen Dokumentarfilm zu drehen. Vergangene Woche ist sie zurückgekehrt.

Melanie Simons ist froh, dass sie von ihrer Gastfamilie so herzlich aufgenommen worden ist. Sie durfte alles mitmachen und mit der Kamera begleiten. Alle waren sehr offen zu ihr.

„Wenn ich es zusammenfassen müsste, würde ich auf jeden Fall sagen: Es ist ein sehr bescheidener Lebensstil – auch wirklich vom Eindruck her 100 Jahre zurück wie es bei uns war“, sagt Simons im BRF-Interview. So hätte die Familie zum Beispiel keine Elektrizität. „Ich habe es aber sehr genossen und die Familie war auch einfach nur unglaublich herzlich und nett. Und ich hatte dieses Gefühl: Menschen, die nicht so viel haben, geben umso mehr. Und das war da wirklich auch total der Fall.“

Besonders beeindruckt war die junge Journalistin davon, dass in der kirgisischen Nomadenfamilie, bei der sie gelebt hat, nichts weggeschmissen werde. Es gebe keine Verschwendung. So werde vom Tier alles genutzt, sei es zum Kochen oder für andere Dinge. Sehr interessant fand sie auch die Art und Weise, wie die Familie heizt. Für die Befeuerung des Ofens werden Pellets genutzt, die aus dem Kot der Tiere gewonnen werden. Dieser wird gesammelt, getrocknet und anschließend verbrannt. Auf diese Weise wird kaum Holz verwendet.

Melanie Simons gehe es mit ihrem Dokumentarfilm darum, die Menschen zu porträrieren und deren Lebenswelt darzustellen, sagt sie. Es ist ihr wichtig, dass wir – die hier in (Ost-)Belgien – zuhause sind, einen anderen Blick auf die Welt bekommen. Es gehe ihr nicht um eine Wertung, welche der beiden Lebenswelten besser oder schlechter sei. Sie möchte es einfach nur zeigen und jeder könne für sich entscheiden, was er oder sie darausziehe.

In ihrer Heimat lebe sie ein Doppelleben, erzählt Simons: „Köln, Belgien, Studium, Beruf alles zu vereinen. Ich mache sehr, sehr, sehr viel gleichzeitig und es ist sehr stressig. Und das ist hier in unserer Leistungsgesellschaft – wo sowieso alles unter Druck gemacht wird – gang und gäbe.“ Dort in Kirgistan war sie völlig rausgerissen aus diesem stressigen Alltag: „Dort hatte ich wirklich nochmal einen Monat Funkstille. Ich hatte fast nie Netz. Ich hatte kein Internet, ich hatte keinen Strom. Ich hatte eigentlich nichts, was mich so mit meinem normalen Leben in Verbindung gebracht hat. Und ich konnte mich nochmal total auf mich konzentrieren und auch auf das Hier und Jetzt.“ Sie habe die Ruhe genossen, die die Berge ausstrahlen und die sie von den Tieren vermittelt bekommen hat. „Du bist nun mal von morgens bis abends die ganze Zeit zusammen mit Tieren und auch die Ruhe, die die Menschen ausgestrahlt haben – die waren so erfüllt mit dem was sie tun.“

Das Schäferleben sei die Passion der Mitglieder ihrer Gastfamilie gewesen. Diese gingen ihren Tätigkeiten mit großer Leidenschaft nach. Von Generation zu Generation werde das Wissen weitergegeben. Sie seien stolz darauf und strahlten dadurch eine innere Ruhe aus. „Mal nicht tausend Dinge gleichzeitig zu machen, ist wirklich gut auch für den Körper. Das hat es mir echt nochmal gezeigt. Das konnte ich so für mich daraus ziehen, auch einfach nochmal runter zu kommen.“

Mit der Fertigstellung des Films wolle sie sich Zeit lassen. Sie habe auch gar keine andere Wahl, da das Projekt komplett eigenfinanziert ist. Sollte sie keinen Interessenten für den Film finden, müsse sie also die Produktion neben ihrem Studium und ihren beruflichen Tätigkeiten als Journalistin machen. Auf sie warte viel Arbeit: Anderthalb Terrabyte an Daten. Filmmaterial, das durchgesehen und sortiert werden müsse. „Und das wird unglaublich lange dauern, weil ich es einfach nebenbei machen muss“, so Melanie Simons. „Aber ich kann mir dafür schön viel Zeit lassen, wie ich das gelernt habe von der Nomadenfamilie. Also wird das auch gar keinen Stress geben.“

cr/fk