Fritten-König und Leterme-Gänsespiel: Kroll-Album 2010

"Alors on danse": In seinem neuen Album veröffentlicht der Lütticher Karikaturist Pierre Kroll seine Lieblingszeichnungen aus dem Jahr 2010. Dazu gibt es unveröffentlichte Karikaturen und ausklappbare Seiten.

Pierre Kroll: Also dann ... Lasst und tanzen!

Pierre Kroll: Also dann ... Lasst und tanzen! (Buchumschlag in deutscher Sprache)

„Ich habe Zeichnungen ausgesucht, die entweder besonders amüsant waren oder von unvergesslichen Themen und Ereignissen handeln. Es ist eine ganz persönliche Zusammenstellung“, sagte Pierre Kroll bei der offiziellen Vorstellung des Jahresalbums am Montag in Eupen.

Seit fünfzehn Jahren gibt er die Alben heraus – „eine Art belgische Chronik seit 1995“.

König zeigt Stinkefinger

Veröffentlichungen aus Le Soir, Télémoustique und CinéTéléRevue sind in dem Album und in der Ausstellung im BRF-Funkhaus wiederzuentdecken. Aber der Kroll-Fan sieht auch Neues: abgewiesene Zeichnungen im Mittelteil des Albums.

Der König mit Stinkefinger war wohl doch etwas zu heftig für ‚Soir‘-Chefredakteurin Béatrice Delvaux. „Ich sage dann immer: Kein Problem, dann kommt die Skizze eben in mein Jahresalbum. Schon praktisch“.

Eine humorvolle Zeichnung über die Gasexplosion in Lüttich hatte Pierre Kroll selbst wieder zurückgezogen – weil das Ereignis eine bedeutendere Dimension annahm, als noch am Morgen klar war. „Als ich erfuhr, dass es Tote gegeben hatte, konnte ich einfach keine Witze darüber machen“. Die Zeichnung wurde durch eine andere ersetzt, die einen weinenden Tchantchès (das Lütticher Maskottchen) zeigt.

Nicht nur Chefredakteure haben manchmal Bedenken. Auch Briefmarken, die den König mit Frittentüte in der Krone zeigen, hat die Post dann doch nicht herausgegeben. „Ich weiß gar nicht, wieso die Entwürfe abgewiesen wurden. Bei dem Auftrag dachte ich sofort: ‚Auf eine Briefmarke gehört doch der König‘ …“ Auch Krolls Vorhaben, den König auf Lotterielose zu bringen, scheiterte. „Wir wären das erste Land gewesen, das sein Staatsoberhaupt auf Lottoscheine druckt. Ich fand die Idee lustig.“

Unerwartete Hindernisse

Einige Zeichnungen waren einfach zu groß für eine A4-Seite. Da musste der Verlag sich etwas einfallen lassen. Verkleinern ging nicht, dann wäre der Text nicht mehr lesbar gewesen. Also wurden zwei Seiten im A3-Format eingebaut: Das Leterme-Gänsespiel, bei dem es nur „Gehen Sie X zurück“-Felder gibt, und die Kongo-Reise von König Albert zum Ausklappen.

Auch der Titel des Albums hat Kroll Kopfzerbechen bereitet. Gerade dieses Jahr sollte es ein sehr belgischer Titel sein. „Ich wollte die politische Situation entdramatisieren. Selbst wenn das schlimmste Szenario eintritt und Belgien auseinanderfällt – wir haben etwas zu essen auf dem Teller“.

Da passte ‚Alors on danse‘ – wie der Sommerhit des Brüsseler Musikers Stromae. Aber dann schlugen die Juristen Alarm. „Wir haben uns aber ganz unbürokratisch geeinigt. Ich habe Stromae versprochen, ihm eine persönliche Karikatur zu zeichnen.“

Quand tu crois enfin que tu t’en sors
(Wenn du endlich glaubst, den Ausweg gefunden zu haben)
Quand y en a plus et ben y en a encore
(Wenn es nichts mehr gibt, ist doch noch etwas da)
Alors on danse … (Dann lasst uns tanzen)

Stromae

Buchdetails

Pierre Kroll
Alors on danse
La Renaissance du Livre
ISBN 9782507003036
Preis: 20 Euro
104 Seiten
Erhältlich auch im BRF-Funkhaus in Eupen und in den Buchhandlungen Logos und Thiemann

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