Ähnlich wie in einem Tattoostudio ist die Gerätschaft von Magali Brandt in ihrer Praxis in Kettenis. Die Nadeln und Farben nutzt sie aber nicht, um Tattoo-Motive zu stechen, sondern um Haut-Makel zu kaschieren. Dermo-Pigmentierung heißt diese Art der Behandlung, die Magali Brandt seit fünf Jahren anbietet.
"Die Dermopigmentierung bedeutet, den natürlichen Hautton per Tätowierung nachzustellen. Die Pigmente werden in die Haut mit einem Präzisionsgerät eingestochen. Das geschieht auf Hautstellen, die von einer Krankheit betroffen sind: Stellen, wo Pigmente fehlen oder die vernarbt sind."
Mit Dermopigmentierung könne man Makel wie Pigmentfehler oder Narben kaschieren, erklärt Magali Brandt. Manchmal seien Krankheiten auch der Auslöser für diese Makel, zum Beispiel Augenbrauen, die nach einer Chemo ausfallen. Oder eben Brustwarzen, die bei einer Mastektomie entfernt wurden. Auch sie können nachgestochen werden.
Um Brustwarzen nachzustellen, brauche Magali Brandt in der Regel zwei bis drei Sitzungen. Die Person werde zunächst lokal betäubt, damit das ganze schmerzfrei abläuft. "Dann setze ich eine Farbe nach der anderen auf. Und ich versuche, beide Brustwarzen möglichst gleich zu zeichnen. Das Ziel ist ein 3D-Effekt."
Nach und nach werden die Farben in die Haut gestochen. Das Resultat wird während der Behandlung immer wieder begutachtet, um sicher zu gehen, dass die Brustwarzen natürlich aussehen.

Eine Kundin, die dieses Angebot wahrgenommen hat, ist die Eupenerin Andrea Carl-Krull. 2012 bekam sie die Diagnose "Brustkrebs". "Es war anfangs sehr schwierig. Nach dem ersten Schock habe ich entschieden, dass ich die Krankheit als individuelle Sache angehe. Ich wollte für mich selbst bestimmen, was mit mir passiert, natürlich unter Berücksichtigung, was man mir geraten hat. Dann stellte sich raus, dass eine Ablation notwendig war."
Das Brustgewebe musste entfernt werden. Im Fokus stand für die Patientin zu dem Zeitpunkt nur eines: ihre Genesung. Die Brustwarzen nachzustellen kam für Andrea Carl-Krull zuerst einmal nicht in Frage; erst einige Jahre später, als Magali Brandt ihre Ausbildung beendete.
"Dann hat 2019 Magali Brandt sich an den Arzt gewendet und gefragt, ob eine Klientin bereit sei, sie bei ihrer Prüfung zu begleiten. Und da ich Magali kannte als angenehme Person, habe ich es in Erwägung gezogen und mich mit Magali getroffen und dann habe ich mich drauf eingelassen und das auch gemacht."

Ein Schritt, den Andrea Carl-Krull nicht bereuen sollte. Denn sich mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen, ihn zu seiner eigenen Zufriedenheit nachzustellen, auch das gehörte dann schließlich doch zu ihrem Heilungsprozess: "Der läuft auch noch weiter. Denn ich habe immer noch meine Untersuchungen. Das bleibt auch bestehen. Ich würde nicht sagen, dass ich das damit abgeschlossen habe. Aber es war ein weiterer Schritt in die gute Richtung."
Es sei ihr persönlicher Weg in Richtung Heilung gewesen, sagt die Eupenerin. Denn Erkrankung und Genesung - genau wie der Körper selbst - sind von Mensch zu Mensch verschieden.
Raffaela Schaus