Viele offene Fragen vor Öffnung der Horeca-Innenbereiche

Am 9. Juni dürfen die Gastronomen ihre Innenbereiche wieder öffnen. Eigentlich ein Grund zur Freude, doch die wurde getrübt. Viele Vertreter aus dem Horeca-Sektor beklagen sich, dass die genauen Umstände der Öffnung noch unklar sind. Zuerst die lange Schließung, jetzt die späte Kommunikation - das stößt einigen bitter auf.

Gedeck in Restaurant (Illustrationsbild: Hatim Kaghat/Belga)

Illustrationsbild: Hatim Kaghat/Belga

Im Couleur Rouge im Herzen von Eupen erinnert noch wenig an einen regen Restaurant-Betrieb. Die Terrasse leer, auch der Innenbereich muss noch hergerichtet werden. Auf Restaurant-Betreiberin Thi Kim Bon Le kommt noch einiges an Arbeit zu. „Man ist schon ein bisschen nervös. Man ist halt aus der Übung raus. Man macht ein bisschen außer Haus, aber das ist nicht das Gleiche wie ein Restaurant-Service“, sagt sie. „Das ist wie ein Neuanfang.“

Thi Kim Bon Le und ihr Mann Sam Phan haben ihre Terrasse noch nicht geöffnet – aus finanziellen Gründen. Anfang Juni sollen aber wieder Speisen serviert werden. Doch während die ersten Gäste bereits reserviert haben, sind die genauen Umstände der Öffnung noch unklar. „Wir werden wahrscheinlich erst einmal Vierer-Tische oder Zweier-Tische einrichten. Wenn es dann größere Tische sein dürfen, ist es natürlich schnell gemacht die zusammenzufügen“, sagt Thi Kim Bon Le.

„Bei den Zeiten müssen wir uns halt ‚à la minute‘ anpassen, da kann man ja nichts machen. Und da wir mit frischen Waren arbeiten, wird das sowieso erst kurz vor der Eröffnung vorbereitet.“

Jetzt gelten die selben Regeln wie auf den Terrassen: maximal vier Personen pro Tisch, Abstand, Maske, wenn man nicht sitzt. Doch wird sich daran noch etwas ändern?

Premierminister Alexander de Croo betonte, dass die Regeln rechtzeitig kommuniziert werden sollen. Aktuell warte man auf die Antwort des Horeca-Sektors. Sollten die Uhrzeiten bleiben wie vorgesehen, muss der Innenbereich um 22 Uhr schließen, während die Außengastronomie bis 23:30 Uhr besetzt bleiben darf.

Ein Umstand, den man im Couleur Rouge nicht wirklich nachvollziehen kann. „Wir sind ja kein Schnellrestaurant“, sagt Thi Kim Bon Le. „Wir dekorieren die Teller gerne aus und hätten gerne, dass die Leute in Ruhe degustieren können. Und bis 22 Uhr – das ist dann ein bisschen knapp.“ Trotzdem freuen die Betreiber sich auf die Öffnung – vor allem im Hinblick auf die schweren letzten Monate.

Abwarten

Ähnlich ist es in Kelmis. Auch wenn im Café-Restaurant Living der Terrassenbetrieb bereits läuft, für Betreiber Aydin Kars liegen die Hoffnungen auf den nächsten Lockerungen. „Wir haben schlechtes Wetter gehabt. Es war kalt. Die Leute wollen sich auch nicht beim kalten Wetter auf die Terrasse setzen und etwas essen oder trinken. Das ist klar“, sagt Aydin Kars. „Die Terrasse war auf, aber es hat sich für uns nicht gelohnt.“

Klar ist: Im Innenbereich des Living dürfen nicht ganz so viele Leute Platz nehmen, wie in Vor-Corona-Zeiten. Unklar ist, wer am Ende tatsächlich kommt. „Das wissen wir nicht, das kommt drauf an. Viele Leute haben noch Angst und passen auf. Riskieren die irgendwo hinzugehen, um etwas zu essen? Oder bleiben die zu Hause? Das wissen wir nicht. Wir müssen wirklich abwarten.“

„Fast wie eine Neueröffnung“

Die Hygieneartikel stehen bereit, auch die Plexiglasscheiben, die noch vom ersten Lockdown übrig geblieben sind. Sollten in den nächsten Tagen noch zusätzliche Maßnahmen kommuniziert werden, müssen die Lösungen spontan her.

„Mit dem ganzen Stress war das fast wie eine Neueröffnung. Zuerst sieben Monate zu, dann müssen wir aufmachen, alles von A bis Z muss vorbereitet, saubergemacht und in Ordnung gebracht sein. Deshalb haben wir schon Stress gehabt“, erzählt Aydin Kars.

Für die Gastronomen kostet die Umsetzung der Protokolle auch Geld. Sollten die Regeln jetzt noch kurzfristig angepasst werden, so würde das viele verärgern.

Andreas Lejeune