Radeln ohne Alter: Dorfhaus Eynatten bietet Rikscha-Fahrten für Senioren an

Sich zurücklehnen, entspannen, die Landschaft genießen und den Fahrtwind, ohne dabei selbst in die Pedale treten zu müssen - das klingt zu schön um wahr zu sein, ist jetzt aber in der Gemeinde Raeren möglich. Das Dorfhaus Eynatten hat sich nämlich eine Rikscha zugelegt. Davon profitieren sollen in erster Linie ältere Menschen, die selbst nicht mehr Radfahren können.

Radeln ohne Alter: Dorfhaus Eynatten bietet Rikscha-Fahrten für Senioren an (Bild: Melanie Ganser/BRF)

Aloys Leclerc und Fahrer Erwin Simon haben den sonnigen Dienstag für eine Rikscha-Fahrt genutzt (Bild: Melanie Ganser/BRF)

Für Aloys Leclerc ist es ein großer Tag. Der 93-Jährige war der erste Passagier in der brandneuen Rikscha und darf am Dienstag bereits zum zweiten Mal mitfahren. Das Wetter könnte für eine kleine Spritztour wohl nicht schöner sein. Reinsetzen, noch schnell anschnallen und dann kann es auch schon losgehen.

Ende letzten Jahres hat das Dorfhaus Eynatten die Rikscha bekommen. Jetzt lässt der Frühling die regelmäßige Nutzung auch endlich zu, freut sich Koordinatorin Claudia Wetzeler: „Wir sind ja ein sozialer Treffpunkt und sind zuständig für die Gemeinde Raeren. Ein interessierter Hauseter Bürger ist mit der Idee auf uns zugekommen. Das Projekt ‚Radeln ohne Alter‘ gibt es schon sehr lange. Das kommt ursprünglich aus Dänemark, inzwischen gibt es das in über 40 Ländern, dass ehrenamtliche Fahrer mit älteren Menschen spazieren fahren.“

Finanziert wurde das Projekt von der VoG Fahr Mit, der Cera-Genossenschaft, der König-Baudouin-Stiftung und privaten Sponsoren. Für 20 Euro täglich kann die Rikscha auch gemietet werden. Hauptsächlich richtet sich das Angebot aber an Senioren. „Es ist in erster Linie für ältere Menschen, aber es gibt ja auch jüngere Menschen, die nicht mehr so mobil sind aus verschiedensten Gründen. Die dürfen natürlich auch profitieren von dem Projekt.“ Für sie steht der Dienst darüber hinaus auch kostenlos zur Verfügung.

Gefahren werden sie von Ehrenamtlichen. Sieben Fahrer zählt das Team derzeit. Weitere Verstärkung kann Claudia Wetzeler aber noch brauchen. „Im Moment ist das Angebot an ehrenamtlichen Fahrern noch größer als die Nachfrage, aber trotzdem ist jeder herzlich willkommen, denn wir richten uns immer nach der Verfügbarkeit der Ehrenamtlichen“, erklärt die Koordinatorin. „Also eigentlich je mehr, desto besser, weil wir hoffen natürlich, dass das jetzt mit der schönen Jahreszeit wirklich Anklang findet und da kann man nie genug Fahrer haben.“ Das gilt umso mehr, als dass in Zukunft auch eine Zusammenarbeit mit dem Marienheim Raeren geplant ist.

Für Aloys Leclerc und Fahrer Erwin Simon ist die Runde nach einer knappen Stunde wieder beendet – fast alles hat gut geklappt: „Am Anfang hatte ich vergessen, die Unterstützung einzuschalten. Das ist mir erst aufgefallen, als wir bergauf gefahren sind. Aber es war gut und hat Spaß gemacht. Gerade auch weil Herr Leclerc das ein oder andere wissen wollte: Wer wohnt denn da? Wessen Kühe laufen da? Wie viele Bauern gibt es noch auf Berlott? Ich glaube, es hat uns beiden Spaß gemacht.“

Und wie lautet das Urteil vom Fahrgast? „Gut, alles war gut“, freut sich der 93-Jährige. „Früher waren wir es gewohnt, schneller zu fahren, aber die Zeit ist vorbei. Jetzt müssen wir uns fahren lassen.“

Wer sich auch mal fahren lassen will, kann sich gerne an das Dorfhaus Eynatten wenden. Einfach einen Termin vereinbaren – und schon steht einer Rikscha-Fahrt nichts mehr im Wege.

Kontakt:
Sozialer Treffpunkt Eynatten
Lichtenbuscher Straße 25
4731 Eynatten
087/88 36 04
0470/91 24 15
info@treffpunkt-eynatten.de

Melanie Ganser