Raeren baut Rathaus um

Die Gemeinde Raeren baut ihr Rathaus um. Der Rat hat am Donnerstagabend gegen die Stimmen der Opposition das Projekt verabschiedet. Es soll nach Schätzungen 1,2 Millionen Euro kosten. Unterdessen kosten die Arbeiten an der Hauptstraße rund die Hälfte mehr als geplant.

Rathaus von Raeren

Bild: Julien Claessen/BRF

Die auffälligste Neuerung: Das Einwohnermeldeamt zieht vom Haupthaus ins Haus Wilden. Dorthin, wo jetzt unter anderem das Bauamt untergebracht ist. An der Stelle des Meldeamts entsteht der neue Ratssaal. Und auch sonst werden einige Dienste umziehen und Büros neu geschaffen. Einerseits will die Ratsmehrheit den Beschäftigten bessere Arbeitsbedingungen bieten, andererseits sollen die Dienste für die Bürger leichter zugänglich werden – insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Für die CSL-Opposition handelt es sich um ein überdimensioniertes Prestige-Projekt. Die Arbeitsbedingungen könne man auch mit günstigeren Maßnahmen verbessern und der Mehrwert für die Bürger sei nur gering, so die CSL. Sie würde lieber andere Projekte schneller vorantreiben.

Die Mehrheit aus Mit uns und Ecolo hält dagegen: Der Umbau sei ein Mehrwert für alle. Denn früher oder später müsse jeder Bürger ins Rathaus – allein schon, um einen neuen Pass abzuholen. Und: Der Rathausumbau nehme anderen Vorhaben nicht das Geld weg.

Teurere Arbeiten an der Hauptstraße

Die Bauarbeiten an der Hauptstraße in Raeren kosten knapp die Hälfte mehr als ursprünglich geplant. Statt 2,4 Millionen Euro sind es am Ende 3,6 Millionen Euro. Der Gemeinderat hat am Donnerstagabend den Mehrkosten zustimmen müssen. „Mit beiden Fäusten in der Tasche“, wie es hieß.

Mehrheit und Opposition beklagen, dass das beauftragte Studienbüro Greisch fehlerhaft gearbeitet habe. So mussten beispielsweise 180 Häuser an die neue Kanalisation angeschlossen werden, das Studienbüro habe aber nur die Hälfte berücksichtigt. Auch bei verschiedenen Baumaterialien sei das Büro fahrlässig von zu geringen Mengen ausgegangen. Die Gemeinde Raeren will nun prüfen, ob sie juristisch gegen das Studienbüro vorgeht, um eine Entschädigung einzufordern.

Alle Fraktionen im Gemeinderat ärgert besonders, dass das Studienbüro direkt von den Mehrkosten profitiert. Sein Honorar bemisst sich als Prozentsatz der Projektkosten. Jetzt erhalte Greisch 28.000 Euro als „Belohnung“ dafür, dass es schlecht gearbeitet habe, so der Tenor.

Aber auch andere Faktoren haben die Kosten in die Höhe getrieben. Während der Bauarbeiten gab es beispielsweise neue gesetzliche Auflagen, um Erdreich zu entsorgen. Allein diese Gesetzesänderung macht Zusatzkosten von 290.000 Euro aus. Hinzu kommen Planänderungen und unvorhersehbare Zusatzarbeiten, die am Ende für die deutlichen Mehrkosten sorgen.

Die Bauarbeiten an der Hauptstraße sollen spätestens im August abgeschlossen sein.

Olivier Krickel