Verkauf von Karnevalsartikeln: Wenig Kostüme, viel Deko

Die großen Kostümanbieter wie Deiters oder Karnevalswierts haben derzeit heftige Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Karneval fällt flach und ohne Feiern und Züge gibt es eben auch kaum Bedarf für Kostümierungen. Die geringe Nachfrage bekommen auch Verkäufer und Hersteller in der Region zu spüren.

Décor Shop Kohl in Lontzen (Bild: Melaniue Ganser/BRF)

Der Décor Shop Kohl in Lontzen (Bild: Melanie Ganser/BRF)

Perücken, Kostüme, Hüte, Federboas – der Décor Shop Kohl in Lontzen zählt zu den größten Karnevalsgeschäften in der Region. Hier gibt es ganzjährig alles, was das Karnevalistenherz begehrt.

Nur ist das in diesem Jahr nicht allzu viel. Geschäftsführerin Marylene Niessen ist aber trotzdem zufrieden: „Dieses Jahr ist der Vorteil gewesen, dass sehr viele Schulen in der letzten Minute entschieden haben, doch eine kleine Karnevalsparty zu machen. Aus diesem Grund haben wir unwahrscheinlich viele Kinderkostüme verkauft.“

Kostüme für Erwachsene wurden hingegen kaum verkauft, dafür aber umso mehr Deko, wie Marylene Niessen erklärt: „So einen Monat vor Karneval haben wir sehr viele Accessoires und Deko verkauft: Masken, Girlanden, Luftballons und Luftschlangen. Wir waren selbst überrascht – so überrascht, dass wir vier Mal nachbestellen mussten. Wir haben schon damit gerechnet, dass manche Geschäfte dekorieren werden, aber in diesen Massen hätten wir nicht gedacht. Das ist natürlich super, darüber haben wir uns sehr gefreut.“

Alternative schaut in die Röhre

Weniger Grund zur Freude hat hingegen die Alternative. Im Normalfall entstehen hier Hunderte Kostüme, vor allem für die Züge und Karnevalsgruppen. Dieses Jahr aber schaut das Nähatelier in die Röhre, wie Geschäftsführer Jürgen Strang erklärt: „Tja, keine Züge, keine Produktion leider. In den letzten zwei Jahren hat das einen großen Anteil bei uns ausgemacht, vor allem ab dem Monat Dezember haben wir immer sehr intensiv daran gearbeitet. Für uns war das wirklich das Produkt, was uns die schlechten Monate ein bisschen versüßt hat. In den Monaten November, Dezember und Januar macht das einen großen Teil des Umsatzes aus. Ich spreche von 50 Prozent. Das ist leider ganz weggebrochen.“

Im vergangenen Jahr lief es eigentlich noch ganz gut für die Alternative. Im Nähatelier hatte man sich darauf konzentriert, die Maskenproduktion für Ostbelgien voranzutreiben. Seit November sei der Umsatz aber eingebrochen, so Strang: „Die Hälfte der Belegschaft ist in Kurzarbeit. Viele Privatkunden sind nicht mehr gekommen, die Geschäftsleute mussten zumachen. Als im Dezember wieder geöffnet wurde, merkten wir, dass der Zuspruch wieder da war, aber der Monat Februar ist äußerst schlecht bis jetzt. Wir arbeiten nur noch mit zwei, drei Leuten im Nähatelier, wo wir sonst zu zehnt sind.“

Die Alternative sucht deshalb auch nach neuen Tätigkeitsfeldern. Die Taschenproduktion soll ausgebaut werden und Anfang April soll ein E-Shop online gehen, wo die Nähprodukte zum Verkauf angeboten werden. Jürgen Strang hofft, das Ruder so wieder herumreißen zu können und fehlende Einnahmen reinzuholen: „Weil wenn es so weiter geht – und die Einbrüche beziffere ich jetzt mal auf minus 60 Prozent Einnahmen – sehe ich bis Mitte des Jahres sehr große Probleme auf uns zukommen.“

Melanie Ganser