Praktischer Unterricht in den Fahrschulen geht wieder los

Seit Montag dürfen Fahrschulen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Theoretischer Unterricht darf erteilt werden, wenn neben den gängigen Regeln anderthalb Meter Abstand zwischen den Schülern eingehalten werden. Im praktischen Unterricht dürfen nun drei Personen im Auto sitzen.

Fahrschule Justet (Bild: Sarah Dederichs/BRF)

Archivbild: Sarah Dederichs/BRF

Am Freitag hat der Konzertierungsausschuss entschieden, dass die Fahrschulen wieder unterrichten dürfen. Für Sonja Homburg von der Fahrschule Justet kam diese Entscheidung überraschend. Und doch kommt der Zeitpunkt passend, denn Anwärter gibt es genug.

„Für den theoretischen Unterricht gibt es wirklich sehr lange Wartelisten“, erklärt Sonja Homburg. „Und da wir ja nur reduziert Unterricht geben durften, hatten wir es noch nicht geschafft, alles wieder aufzuholen. Jetzt hat sich da wirklich eine Liste angesammelt, das ist unglaublich viel.“

Eigentlich hätten die Fahrlehrer am Montag loslegen dürfen, doch die dazugehörigen Regeln waren noch nicht ausformuliert. Der eigentliche Start wurde somit auf Dienstag verschoben.

Theorie

Eine der Änderungen betrifft den theoretischen Unterricht. Bisher durfte ein Schüler pro zehn Quadratmetern unterrichtet werden. In der Fahrschule Justet hatten so ganze zwei Schüler Platz. Zu wenig, auch wegen Mangel an Alternativen.

Digitalunterricht war nämlich keine Option. „Das ist im Augenblick nicht erlaubt. Es war die Rede davon Anfang Dezember. Da kam auch eine Umfrage vom Ministerium, was die Fahrschulen davon halten. Bis jetzt ist aber noch keine Rückmeldung gekommen. Da waren natürlich auch unglaublich viele Bedingungen dran gebunden, weil für die Schüler, die die theoretische Prüfung schon zweimal gemacht haben, dieser Präsenzunterricht eben Pflicht ist.“

Im Präsenzunterricht muss jetzt neben den gängigen Regeln nur noch der Abstand von anderthalb Metern zwischen den Schülern garantiert sein. Die Fahrschule Justet kann so ihre Kapazitäten auf sieben bis acht Schüler aufstocken. Ein beträchtlicher Unterschied.

Praxis

Praktischer Unterricht für PKW hat seit dem 2. November nicht mehr stattgefunden, darf nun aber wieder fortgesetzt werden – unter Einhaltung von bereits bekannten Regeln, wie dem Maske-Tragen. Zwischen den Unterrichten muss das Fahrzeug desinfiziert werden.

Laut Regelwerk dürfen nun drei Personen im Auto sitzen. Zwei Schüler plus Fahrlehrer wären also möglich. Vor allem für die Fahrschulen aus der Eifel ist das ein Vorteil, da der Unterricht oft in Eupen stattfindet. Empfohlen, aber nicht verpflichtend, ist eine Plexiglasscheibe, die Lehrer und Schüler voneinander abtrennt.

Sonja Homburg hat bereits vor einigen Monaten vorgesorgt. „Ich habe damals mit Kollegen dieses Plexiglas gekauft. Das ist auch hinten. Wenn der Prüfer hinten drin sitzt, ist der komplett abgetrennt. Und wir haben halt eben ein Plexiglas zwischen Fahrlehrer und Schüler, was denn eine zusätzliche Sicherheit ist.“

Für Sonja Homburg ein Mittel, das sie weiterhin einsetzen möchte – auch zu ihrer eigenen Sicherheit. Denn die hat ihr zu Beginn doch Sorgen gemacht. „Also ich muss sagen, wenn ich so mit den Kollegen rede, die sehen da kein Problem. Sie sind alle froh, dass es wieder los geht. Am Anfang denkt man natürlich schon darüber nach. Besonders, wenn man in den Medien hört, was alles so passiert. Aber wenn man einmal da drin ist, dann denkt man da wirklich nicht mehr drüber nach.“

Die belgischen Fahrschulen dürfen also im Gegensatz zu den deutschen Kollegen einen Gang höher schalten. Nun gilt es, die angestauten Anfragen abzuarbeiten. „Die praktischen Prüfungen, die werden sich da natürlich auch angesammelt haben. Da ist entschieden worden, dass alles – also der provisorische Führerschein und die Gültigkeit der Theorie, weil die normalerweise maximal drei Jahre gültig ist – verlängert wird bis zum 30. September 2021.“

Es bleibt also etwas Zeit für alle Prüflinge. Auch wenn das Warten auf den Prüftermin dieses Jahr etwas mehr Geduld als sonst erfordern wird.

Andreas Lejeune