Ameler Gemeinderat offen für Windpark entlang der Autobahn

Ab der Autobahnauffahrt Kaiserbaracke in Richtung Malmedy könnte ein neuer Windpark geplant werden. Im Gemeinderat von Amel herrscht Konsens darüber, solange die Bürger beteiligt werden.

Autobahnauffahrt Kaiserbaracke zwischen Recht und Born, in Richtung Malmedy

Autobahnauffahrt Kaiserbaracke zwischen Recht und Born, in Richtung Malmedy (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Im Anschluss an die Gemeinderatssitzung trugen Mehrheit und Opposition die gemeinsame Stellungnahme vor.

„Amel hat Höhenlage, Flächen und den Wind!“

Mehrere Anbieter hätten in letzter Zeit die Gemeinde Amel kontaktiert, mit der Idee, entlang der Autobahn E42 auf Ameler Gebiet einen leistungsstarken Windpark zu errichten. Die Ansiedlung solcher Windparks an der Autobahn und im Fichtenwald werde von der Wallonischen Region unterstützt.

„Amel hat die Höhenlage, die Flächen und den Wind!“ hielt Energieschöffe Patrick Heyen stellvertretend fest. „Ökologie und Ökonomie sollten zusammengebracht werden.“

Der Gemeinderat sieht in einem solchen Windpark natürlich zunächst einen Beitrag zur regenerativen Energieförderung. Er hatte sich in einer Resolution einstimmig gegen Atomstrom ausgesprochen. Die logische Folge sei, nach Alternativen zu suchen.

Einen neuen Windpark zu entwickeln sei „eine Gelegenheit, die Gemeinde in ihren Initiativen für neue Formen der Energiegewinnung voranzubringen und die CO2-Emissionen zu senken“.

Neue Einnahmequelle für die Gemeinde

Es sei aber auch eine neue Einnahmequelle vor dem Hintergrund, dass der Holzverkauf nicht mehr das einbringt, was ihn jahrelang ausmachte.

Die Einkünfte aus dem Betrieb des Windparks könnten beispielsweise genutzt werden, um Maßnahmen zugunsten nachhaltiger Energie umzusetzen, wie die Isolierung von Gebäuden der Gemeinde. Sie könnten aber auch ganz allgemein in die Zukunft der 18 Dörfer und Weiler investiert werden.

Bei der vorigen Gemeinderatssitzung im September war die Idee im Anschluss an die öffentliche Sitzung vorgestellt worden. Die Gemeinderatsmitglieder sollten ihre Meinung dazu bis zum 12. Oktober mitteilen: Es gab ungeteilte Zustimmung.

In der Zwischenzeit hat es auch ein Treffen mit der Ecolo-Regionalabgeordneten Anne Kelleter gegeben. Sie soll in Namur vorfühlen, inwiefern Bereitschaft besteht, ein solches Projekt zu unterstützen.

Ihr Parteikollege Berthold Müller erklärte für die Opposition im Ameler Gemeinderat, dass der Konsens den Aspekt der Bürgerbeteiligung an diesem Windpark zur Voraussetzung habe – „es geht auf keinen Fall ohne“, so Müller.

Den Standort ab der Autobahnauffahrt in Richtung Malmedy bezeichnete er als „positiv“: Es werde keine Verspargelung des Landschaftsbildes geben, schon wegen der Geländebeschaffenheit mit dem Wolfsbusch.

Die Einnahmen aus einem solchen Windpark könne die Gemeinde gut gebrauchen, schon mit Blick auf die Nutzung alter Bausubstanz in den Ortschaften.

Frage der Einspeisekapazität

Im Winter will der Gemeinderat nun einen Prinzipbeschluss fassen, wonach die Gemeinde das Verfahren zur Auswahl eines Projektentwicklers einleitet. Zeitgleich soll beantragt werden, dass Einspeisekapazitäten (25 MW) reserviert werden.

Dabei ist zu klären, ob überhaupt noch Einspeisekapazitäten vorhanden sind. Wenn nicht, ab wann das dann wieder der Fall wäre (durch die Verstärkung der sogenannten Ostschleife).

„Von der Idee bis zur Umsetzung vergehen Jahre“, führte Patrick Heyen dazu aus. „Also selbst wenn derzeit noch keine Einspeisung möglich wäre, müssen die entsprechenden Vorbereitungen beginnen.“

Ein solches Windparkprojekt erfordert zunächst eine Umweltverträglichkeitsstudie und eine Globalgenehmigung (Bau- und Umweltgenehmigung).

Steuern bleiben unverändert niedrig

Die wichtigsten Steuern bleiben in der Gemeinde Amel ausgesprochen niedrig: Sechs Prozent auf die Einkommenssteuer und nur 1200 Zuschlaghundertstel auf die Immobilienvorbelastung. Berthold Müller enthielt sich der Stimme, weil es bislang nicht zu der angekündigten Aussprache über die Steuersätze in einer außerordentlichen Kommissionssitzung gekommen ist.

Solche Überlegungen spielen in Amel überhaupt erst eine Rolle, seit die Holzpreise so niedrig sind. Der Schaden durch den Borkenkäfer habe sich in der Gemeinde Amel „sehr in Grenzen gehalten“. Allerdings reagiere man auch schnell, um befallenes Holz oder Windbruch aus dem Wald zu entfernen, erklärte Patrick Heyen – diesmal in seiner Funktion als Waldschöffe.

Immerhin, so ergänzte Bürgermeister Erik Wiesemes, stehe der Wert des Holzes ja da, auch wenn weniger verkauft werde. Sollte es allerdings einen stärkeren Befall mit dem Borkenkäfer geben, komme das einer Kapitalvernichtung in Millionenhöhe gleich. Umgekehrt werden die Gemeinde gegebenenfalls reagieren, wenn die Holzpreise wieder anziehen sollten. Der nächste Holzverkauf ist für den 10. Dezember anberaumt.

Der Ameler Gemeinderat tagte diesmal im Saal Hoffmann in Born, um die Abstandsregeln einhalten zu können.

Stephan Pesch