Französischer Priester und brasilianische Initiative erhalten Aachener Friedenspreis

Seit 1988 wird in Aachen der Friedenspreis vergeben. Die Auszeichnung soll Menschen würdigen, die sich von unten her für das Wohl anderer Menschen und den Frieden einsetzen.

Lea Heuser und Hilde Scheidt von der Vereinigung Aachener Friedenspreis (Bild: Gill Mertens/BRF)

Lea Heuser und Hilde Scheidt von der Vereinigung Aachener Friedenspreis (Bild: Gill Mertens/BRF)

Es sind nicht die bekannten Namen und Organisationen, die beim Aachener Friedenspreis ausgezeichnet werden. Es handelt sich um Menschen, die selbstlos und oft aus benachteiligten Positionen heraus andere Menschen unterstützen. Das zeigt sich auch in diesem Jahr wieder.

Der erste Sieger ist ein französischer Priester namens Père Antoine Exelmans, der in Marokko arbeitet. „Der katholische Priester aus Frankreich, der jetzt in Marokko lebt, unterstützt dort in Uschta Menschen auf der Flucht. Das heißt vor allem vulnerable Gruppen und Jugendliche, darunter unbegleitete Minderjährige“, erklärt Lea Heuser, Pressesprecherin des Aachener Friedenspreises.

„Denen gibt er ein sicheres Obdach und Unterstützung in Bezug auf Asylanträge. Er berät sie ausführlich und lebt gemeinsam mit ihnen in dem Gemeindezentrum, das er leitet. Außerdem befreit er auch Flüchtige aus den Händen von kriminellen Banden. Es ist ein sehr selbstloses und tolles Engagement, was er mit seinem Team gemeinsam an den Tag legt.“

Frankreich und Brasilien

Der zweite Preisträger kommt aus Brasilien. Es ist das Centro Gaspar Garcia, ein Zentrum in Sao Paolo, „eine Organisation, die sich auf zivilgesellschaftlicher Ebene auch für Menschenrechte engagiert, vor allen Dingen für menschenwürdiges Wohnen. Sie beraten Menschen, denen der Entzug ihrer Wohnung droht“, erklärt Lea Heuser.

„Dort werden immer wieder Menschen aus ihren Wohnung geworfen und vertrieben mit ganz heftigen Methoden. Da findet dann Beratung statt, da findet juristischer Beistand statt, da werden Straßenhändler und Straßenhändlerinnen durch Initiativen unterstützt und da gibt es Ausbildungsprogramme. Es wird dafür gesorgt, dass die Ärmsten der Armen eine Stimme erhalten und die Möglichkeit bekommen, ihr Leben zu bestreiten.“

Der Rechtsanwalt und Sozialarbeiter Benedito Roberto Barbosa wird den Friedenspreis für die Organisation übernehmen. Eine brasilianische Initiative und ein französischer Priester – der Friedensverein wird auf Aktivisten überall auf der Welt aufmerksam.

Doch wie werden letztlich die Sieger ermittelt? „Der Aachener Friedenspreis e.V. wählt als Ganzes. Es gibt also nicht irgendeine Jury oder ein abgehobenes Gremium, die diese Wahl vollziehen. Es gibt eine Mitgliederversammlung, wo alle Mitglieder sich treffen und gemeinsam entscheiden, wen man auszeichnet in dem Jahr.“

„Natürlich werden viele Vorschläge eingebracht, diese können auch von jedem Menschen kommen, sowohl von Vereinsmitgliedern als auch von Externen. Aus diesen etwa 30 Vorschlägen, die jedes Jahr eingehen, wählt dann der Vorstand eine sogenannte Fünfer-Liste. Diese Liste wird dann der Mitgliedschaft vorgelegt und diese wählt dann letztlich die zwei Sieger.“

Video-Schalten und Live-Publikum

Auf die Wahl der Sieger hatte Corona keinen Einfluss. Allerdings wird die Preisverleihung dieses Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. „In Bezug auf die Preisverleihung hatte Corona deutlich mehr Auswirkungen, weil wir natürlich die Veranstaltung nicht so stattfinden lassen können, wie es normalerweise passiert.“

„Die Preisträger werden wahrscheinlich per Video-Schalte dabei sein können, das heißt, dass sie die Preisverleihung ihrerseits verfolgen können und aber auch zu den dann etwas ‚weniger anwesenden‘ Leuten sprechen können. Es wird auch ein Live-Publikum geben, dabei wird es allerdings ein Anmeldeverfahren geben. So soll die Nachverfolgbarkeit von eventuellen Infektionen gesichert werden.“

Gregor Gysi wird in diesem Jahr Laudator der Preisverleihung sein. Sie findet am internationalen Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember, statt.

Gill Mertens