Bürgerinitiative „Burg St. Vith“ fordert Erhalt der Burgreste

Lange galt der Büchelturm als das älteste bauliche Zeugnis von St. Vith. Der Turm war der einzige überbleibende Nachweis der mittelalterlichen Vergangenheit der Stadt. Doch dann wurden bei Sondierungsausgrabungen im Juni Teile einer Mauer entdeckt. Eine vierzehnköpfige Bürgerinitiative möchte diese Funde nun unter Schutz stellen.

Bürgerinitiative "Burg St. Vith" (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Bürgerinitiative "Burg St. Vith" (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Im Jahr 1900 forderte in St. Vith eine Bürgerinitiative den Erhalt des Büchelturms. Dieser drohte damals zu verfallen. Die Aktivisten hatten bekanntermaßen Erfolg. Nicht nur deshalb zieht die Bürgerinitiative „Burg St. Vith“ heute gerne den Vergleich zur Vergangenheit. Klaus-Dieter Klauser hofft, dass gerade die Einzigartigkeit der Funde zu deren Erhalt beitragen wird: „Also die ersten Ergebnisse waren schon eine Sensation. Wenn man davon ausgeht, dass das, was gefunden ist, älter ist, als die Stadtmauer, das heißt älter als das, was baulich bisher bekannt ist, und sogar noch in die Zeit zurückreicht, wo St. Vith zum ersten Mal erwähnt wird. Hier hat man schon eine bauliche Struktur aus dieser Zeit, das ist sensationell.“

Nach ersten Schätzungen stammen die Überreste der Mauer sowie die Ansätze eines Turms aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Somit sind die Funde älter als der Büchelturm. Im Herbst finden während eines Monats noch weitere Grabungen statt. Neue Funde und Erkenntnisse sind nicht ausgeschlossen, so Klaus-Dieter Klauser: „Der Archäologe denkt, dass diese Funde hier Teil einer festungsähnlichen Struktur sind. Da gehe ich davon aus, dass der Rest dieser festungsähnlichen Struktur noch im Boden liegt. Das liegt tief genug und ist wahrscheinlich von den Bomben 1944 nicht berührt worden. Insofern werden die wahrscheinlich eine intakte Struktur vorfinden.“

Die freigelegten Strukturen sind somit bereits jetzt das älteste bauliche Zeugnis der Stadt St. Vith. Sie stammen aus einer Zeit, als St. Vith zum ersten Mal genannt wird. Doch selbst die Zeit davor könnte nun untersucht werden: „Wenn man davon ausgeht, dass Burgen nicht einfach im luftleeren Raum gebaut werden, sondern an Siedlungsorten, die schon vorher besiedelt waren, dann könnte man sich vorstellen,dass wenn man jetzt hier diese Burg oder diese festungsähnlichen Strukturen ausgräbt, dass man vielleicht auf Spuren einer früheren Ansiedlung kommt. Und da sind wir natürlich weiter als das 11. Jahrhundert, da gehen wir noch weiter zurück in die Zeit. Das würde effektiv dann sehr spannend werden, wenn man da herausfinden könnte, was es vor der Burg hier gegeben hat“, sagt Klaus-Dieter Klauser.

Die Bürgerinitiative ist in ihrer Forderung klar: Die Funde müssen unter Schutz gestellt werden. Hätte die Bürgerinitiative diese Unterschutzstellung beantragen können, wäre das wahrscheinlich schon geschehen. Doch laut Initiatorin Anny Mathey muss zuerst einmal die Stadt von dem Wert der Funde überzeugt werden. Wie die Stadt zu dem Projekt steht, kann die Anwohnerin noch nicht genau einschätzen: „Wir hatten vor einem Jahr Einsprüche gegen das Bauvorhaben, das hier stattfinden soll, bei der Gemeinde eingereicht. Auch unter Hinweis auf die archäologischen Funde, die da möglicherweise zu tätigen wären. Dem war aber nicht stattgegeben worden.“

Trotzdem sucht man den Dialog. Am 15. September soll ein Treffen mit Gemeindeverantwortlichen stattfinden. Bis dahin möchte die Initiative informieren und Überzeugungsarbeit leisten: „Wir hoffen sehr, dass die Stadtväter umgedacht haben, dass da ein Umdenken weiter stattfindet und dass wir das alles im Konsens vorantreiben können, sodass das erhalten bleibt. Das ist unsere größte Hoffnung“, erklärt Anny Mathey.

Der Weg hin zu dem Erhalt der Funde wird lang und schwierig, betont die Bürgerinitiative. „Allerdings muss der Wille da sein“, fügt die Initiative an und spielt den Ball zu den Gemeindeverantwortlichen. So oder so werden nun erst einmal die Ergebnisse der nächsten Ausgrabungen abgewartet. Bis dahin hofft die Initiative, auf das Projekt aufmerksam zu machen, auch mit neuen Ideen: „Also es gibt da wirklich Ideen, die man verwirklichen könnte und ich könnte mir sehr schön einen Spazierweg vom Triangel rauf, vorbei an einem Museum, Freilichtmuseum, wie man es auch immer gestaltet, hin zur Stadt vorstellen“ so Anny Mathey weiter.

Zum Tag des offenen Denkmals organisiert die Initiative zwei Führungen zu den Überresten der Burg. Die Initiative „Burg St. Vith“ hofft, dass diese Führungen keine Ausnahme bleiben.

Andreas Lejeune