Naturkosmetik und Bienenschutz: Start-up in Rocherath

Naturschutz und Kosmetik verbinden - darin sehen drei junge Frauen mit Eifeler Wurzeln ihre Mission. Sie wollen ein Haarpflegeprodukt vermarkten, das sie selbst entwickelt haben: mit Bienenwachs aus der Rocherather Familienimkerei. Eine Crowdfunding-Kampagne soll den Jungunternehmerinnen bei ihrem Start-up helfen. Der Auftakt ist vielversprechend.

Imker Henri Gelissen mit seinen Nichten Annika und Nina Brüls (Bild: Michaela Brück/BRF)

Imker Henri Gelissen mit seinen Nichten Nina und Annika Brüls (Bild: Michaela Brück/BRF)

Die Faszination für Bienen hat in ihrer Familie Tradition. Sie war ausschlaggebend für die Idee zu einem Start-up-Unternehmen. Die jungen Frauen, die in La Hulpe und München aufgewachsen sind, kommen dafür in die Eifeler Heimat ihrer Eltern zurück.

„Es hat mit Opa angefangen, der mit 17 Jahren seine ersten Bienen bekommen hat“, erklärt Annika Brüls. „Seine Liebe zu Bienen hat er an die zweite und dritte Generation unserer Familie weitergegeben. Ich bin in dieser Welt aufgewachsen und davon fasziniert. Es ist die Liebe für die Bienen gepaart mit meiner Leidenschaft für Naturprodukte, die mich motiviert haben, dieses Projekt aufzubauen.“

Das Projekt ist ein Haarpflegeöl mit Bienenwachs. Es war die eigene Unzufriedenheit mit gängigen Produkten, die Annika auf den Weg brachte. „Ich habe zunächst ein Haaröl entworfen, mit dem ich zufrieden war und mit dem ich auch meine Schwester und Kusine überzeugt habe“, erzählt sie. „Ich habe gemerkt, dass es wirklich eine Nachfrage gibt für Naturprodukte, auch in der jüngeren Generation. Deswegen haben wir uns gedacht: Warum nicht unsere eigene Firma, unser eigenes Projekt aufbauen?“

Es wurde recherchiert und experimentiert – mit dem Ziel, ein nachhaltiges Produkt auf den Markt zu bringen. Annikas Schwester packte mit an. Und auch ihre Kusine Nina Brüls musste nicht lange überzeugt werden. „Mein Umweltbewusstsein hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und ist immer mehr in den Fokus gerückt“, sagt sie. „Ich fand es eine super Sache, dass man das verbinden kann: nachhaltiger konsumieren und auf Naturkosmetik achten. Viele achten mittlerweile auf ihr Essen, aber bei der Kosmetik denkt man gar nicht nach, was man sich so ins Gesicht oder Haar schmiert – ich bis vor kurzem auch nicht. Deswegen finde ich das Projekt spannend und wollte es unterstützen.“

Mit ihrem Studium der Kommunikation und Informatik hatten die Kusinen gute Grundlagen, um ihre Idee zu vermarkten. Bei der praktischen Umsetzung hilft ein Labor in Bertrix.

Erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne

Um eine finanzielle Grundlage für ihr Unternehmen zu haben, starteten die Frau eine Crowdfunding-Kampagne. Der Zuspruch war enorm. „Wir haben innerhalb von zwölf Stunden unser Ziel erreicht“, freut sich Annika Brüls. „Wir waren sehr überrascht und zufrieden. Viele Leute aus der Region haben uns unterstützt und dafür wollen wir allen nochmal herzlich danken.“

Bild: Michaela Brück/BRF

Bild: Michaela Brück/BRF

Mit Hilfe der Vorauszahlungen aus dem Crowdfunding können die Jungunternehmerinnen ihr erstes Produkt auf den Markt bringen. Die wichtigste Zutat – den Bienenwachs – bekommen sie aus der Familienimkerei in Rocherath. Henri Gelissen nutzt nur Wachs aus der eigenen Bienenzucht, der eingeschmolzen und wieder in den Kreislauf zurückgebracht wird.

Aushängeschild für die Region

Die Bienenvölker von Henri Gelissen produzieren rund acht Kilogramm Wachs im Jahr. Der kommt jetzt auch dem Projekt der Nichten zugute. Den Bienenwachs haben sie testen lassen. „Wir haben ihn an ein spezielles Labor geschickt, das darauf spezialisiert ist, Bienenwachs zu testen“, erklärt Nina Brüls. „Sie haben keine Rückstände von Pestiziden oder ähnlichem gefunden, was wirklich auch ein Aushängeschild für die Region um Rocherath ist, denn man kann ja nicht beeinflussen, wo die Bienen landen und welche Pollen sie aufnehmen. Ein sehr gutes Zeichen – sowohl für uns als auch für die Region.“

Die praktischen und finanziellen Voraussetzungen stehen. Jetzt kann die Produktion starten. „Sobald das Haaröl fertig ist, kann man es online bei uns bestellen. Wir wollen das Öl dann auch in den Läden der Region vorstellen und natürlich auch weiter Produkte entwerfen“, sagt Nina Brüls. „Unser Traum ist, irgendwann eine ganze Linie von Naturkosmetik auf bienenbasierten Produkten zu haben und so einen größeren Einfluss auf den Bienenschutz zu haben.“ Denn aus dem Verkaufserlös des Haaröls geht jeweils ein Euro in ein Bienenschutzprojekt in Brüssel.

mb/mg