Klostertradition: Eifeler Bierbrauer übernehmen Karmel in Bütgenbach

Das ehemalige Karmel-Kloster in Bütgenbach steht kurz vor dem Verkauf. Zwei Eifeler Unternehmer wollen dort eine kleine Brauerei einrichten. Neben Produktion und Verkauf von Bier sind auch Führungen, Verkostungen regionaler Produkte sowie ein kleines Museum über die Geschichte des Ortes geplant. Die bisherigen Eigentümerinnen, die Franziskanerinnen von der Heiligen Familie, zeigen sich von dem Konzept überzeugt.

Franziskanerinnen verlassen Karmel in Bütgenbach (Bild: Michaela Brück/BRF)

Franziskanerinnen verlassen Karmel in Bütgenbach (Bild: Michaela Brück/BRF)

Es sollte nicht lange leer stehen: das Kloster in Bütgenbach. Nicht einmal drei Monate nachdem die Franziskanerinnen das Haus verlassen haben, gibt es schon eine neue Zukunft für den ehemaligen Karmel. Wo 75 Jahre lang Ordensfrauen gelebt, gearbeitet und gebetet haben, soll bald Bier in kleinen Mengen gebraut und verkauft werden. Aber nicht nur das.

„Was für uns sehr wichtig ist: Wir möchten, dass Besucher zu uns kommen und wir werden ihnen den Brauprozess erklären, mit anschließender Verkostung. Wir werden auch einen eigenen Shop einrichten und unsere Produkte dort anbieten. Zusätzliche Produkte wie unsere eigene Käsesorte sind auch angedacht. Das was wir dort anbieten, wird immer einen regionaler Bezug haben“, erklärt Arthur Spoden von Eifel Craft Beer.

Mit Eifel Craft Beer hatten Arthur Spoden und Dany Küpper bereits in der Domäne Bertherath eine kleine Brauerei gestartet. Nach der Trennung von ihren damaligen Geschäftspartnern legten die beiden Unternehmer ein Konzept für den Karmel vor, das bei der Gemeinde Bütgenbach und den Franziskanerinnen auf Zustimmung stieß. Die Schwestern hatten sich gewünscht, dass das Haus ein offener Ort für die Bevölkerung bleibe.

Marianne Jungbluth ist die Generaloberin der Franziskanerinnen von der Heiligen Familie. Die Schwestern freuen sich über die neue Zweckbestimmung, so Marianne Jungbluth. „Weil die Natur mit eingebunden ist. Bier ist ja ein reines Getränk, das mit wenigen Zutaten erstellt wird. Die Zutaten wie das Ourwasser kommen außerdem aus der Region. Und man kann regional anbauen, was nötig ist.“

Der historische Charakter des Ortes soll erhalten bleiben – auch das war ein Wunsch der Schwestern. Bevor sie ein Kloster wurde, war die Domäne ein landwirtschaftlicher Musterbetrieb der ehemaligen preußischen Regierung. Das Hauptgebäude steht noch und könnte unter Denkmalschutz gestellt werden. Die neuen Eigentümer wollen den Komplex so authentisch wie möglich erhalten.

Dazu Arthur Spoden: „Wir versuchen, mit so wenig Änderungen wie möglich klarzukommen. Von außen wird sich normalerweise nichts ändern. Wir sind doch gezwungen, von innen einige Wände und eine Decke rauszureißen, weil die Braukessel sonst nicht reinpassen. Den Saal unter der Kapelle werden wir so herrichten müssen, dass er sich für Besuchergruppen eignet.“

Für den Kauf des Karmel gab es mehrere Interessenten mit unterschiedlichen Konzepten. Einige scheiterten daran, dass das Gelände rundherum teilweise Eigentum der Gemeinde und kein Bauland ist. Gerne hätten die Schwestern auch eine soziale Einrichtung im Karmel gesehen.

„Es hat sich aber leider gezeigt, dass diese von der Infrastruktur des Hauses her nicht zu verwirklichen waren“, sagt Sr. Marianne Jungbluth. „Im ländlichen Raum darf nicht beigebaut werden. Es gab auch Privatpersonen, die Visionen haben. Es stellte sich ebenfalls heraus, dass das nicht realisierbar ist und dass die Gemeinde es nicht in der Form wünscht.“

Dass nun eine Brauerei in den Karmel einzieht, sehen die Schwestern als Anknüpfung an eine alte Klostertradition. Seit Jahrhunderten wird in Klöstern Bier gebraut – nicht nur in den Männergemeinschaften der Mönche.

“ Es gibt auch eine franziskanische Frauengemeinschaft in Bayern, die seit Ende des 19. Jahrhunderts eigene Brauerei hat. Seit 1933 ist ununterbrochen eine Franziskanerin Braumeisterin“, so Sr. Marianne Jungbluth.

Das ist mit ein Grund, warum die Franziskanerinnen dem Projekt positiv gegenüber stehen. Die neuen Eigentümer wollen es so bald wie möglich realisieren. Der Vorvertrag ist bereits unterzeichnet.

Arthur Spoden erklärt, dass erst der notarielle Akt über Bühne gehen muss. „Dann müssen wir eine Brauanlage erwerben. Wir haben schon eine in Aussicht. Die Umänderungsarbeiten müssen gemacht und die Betriebsgenehmigung muss erhalten werden, all das ist schon in Vorbereitung. Wir gehen davon aus, dass wir im Sommer Eröffnung feiern können.“

Dann wollen auch die Schwestern auf ein Bierchen in ihrem ehemaligen Kloster vorbeischauen.

Karmel Craft Beer vlnr Dany Küpper, Arthur Spoden, Sr. Marianne Jungbluth, Sr. Marie-Thérèse (Bild: Michaela Brück/BRF)

vlnr Dany Küpper, Arthur Spoden, Sr. Marianne Jungbluth, Sr. Marie-Thérèse (Bild: Michaela Brück/BRF)

 

 

Michaela Brück

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