Mr. Gay Germany kämpft gegen Homophobie im Sport

"Schwuchtel" oder "das ist aber schwul" sind noch die harmlosen Varianten: Homophobie ist immer noch weit verbreitet im Fußball. "Mr. Gay Germany 2020" Benjamin Näßler kennt diese Sprüche nur zu gut und will sie nicht länger hinnehmen. Er war am Wochenende für ein Foto-Shooting in Eupen.

"Mister Gay Germany" Benjamin Näßler im BRF-Studio (Bild: Achim Nelles/BRF)

"Mister Gay Germany" Benjamin Näßler im BRF-Studio (Bild: Achim Nelles/BRF)

Der 30-Jährige aus Frankfurt setzt sich dafür ein, dass schwule Fußballer in Zukunft nicht mehr diskriminiert werden. „Das ist mein Herzensthema. Bei Mr. Gay Germany muss jeder Teilnehmer eine Kampagne aufbauen. Man kann sich frei entscheiden, was man machen möchte. Und da ich selber früher in einem Fußballverein gespielt habe, der an einem Ligabetrieb teilnimmt, habe ich einfach mitbekommen, was es bedeutet, als Schwuler in einem ‚Regelverein‘ zu spielen.“

„Ich habe die ganzen Sprüche mitbekommen, habe mitbekommen, wie die Leute darüber reden – auch heute noch. Ich glaube, dass der Fußball bei dem Thema etwas hinter der Gesellschaft hinterherhinkt. Aus meiner Sicht ist es notwendig, dass man mal ein bisschen Klarheit reinbringt.“

Fußball hat eine soziale Verantwortung

„Ich bin einfach der Meinung, dass der Fußball eine gewisse soziale Verantwortung hat, um das auch für die künftigen Generationen einfacher zu machen. Es kann ja nicht sein, dass wir das Wort ’schwul‘ immer mit negativen Aspekten in Verbindung setzen. Es ist egal, ob derjenige, der das Tor schießt oder verhindert, schwul ist oder nicht.“

Benjamin Näßler hatte sich zu dem Zeitpunkt noch nicht geoutet. Auch wenn er die Sprüche von damals nicht als homophob einordnet, sondern als einfach so dahergesagt, waren sie doch ein Grund für ihn, mit dem Coming Out noch zu warten – aus Angst vor Vorurteilen. „Ich will versuchen, das den anderen zu ersparen. Es ist nicht angenehm, über Schwulen-Witze mitlachen zu müssen. Man versucht, im Strom mitzuschwimmen, nicht aufzufallen und unangenehmen Fragen auszuweichen.“

„Jetzt, mit 30 Jahren, bin ich soweit, dass ich es für die Jüngeren nicht so schwierig haben will. Wir sollten eine Atmosphäre schaffen, dass den Leuten bewusst wird, dass Homosexuelle keine Gefahr darstellen und nichts Negatives sind, sondern eine Vervielfältigung der Menschen im Sport.“

Näßler schrieb die 21 Fußball-Landesverbände an, bei den meisten traf er auf offene Ohren. „Sie wollen das Thema Diskriminierung – wegen Kultur, Religion, aber auch sexueller Orientierung – angehen. Ich habe aber gemerkt, dass sie oftmals nicht wissen, wie sie es angehen sollen. Da habe ich Vorschläge gemacht. Und neun haben zugesagt, dass sie meine Kampagne ‚Doppelpässe‘ umsetzen wollen.“

Kein Patentrezept

Was rät Mr. Gay Germany 2020 jungen Homosexuellen im Sport? „Es gibt nicht den einen perfekten Weg. Jeder hat ein anderes Selbstbewusstsein, ein anderes Selbstvertrauen, ein anderes Umfeld. Ich bin heute in der absolut genialen Situation, dass ich einen Mann habe, der mich unterstützt, Familie und Freunde, die komplett hinter mir stehen. Von daher kann ich das Thema offensiv angehen. Aber das ist nicht bei jedem der Fall.“

„Mit 16 Jahren muss man das nicht unbedingt an die große Glocke hängen, auch wenn es Menschen gibt, die das machen können. Andere tragen es erstmal an Familie und Freunde heran. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Da gibt es kein Patentrezept.“

cr/km