Viertelhaus Cardijn ist offener Begegnungsort in Eupen

Als offener Begegnungsort für Menschen aller Altersklassen und Kulturen versteht sich das Viertelhaus Cardijn in der Eupener Unterstadt. Benannt wurde das Haus nach dem flämischen Kardinal Cardijn, der in den 20er Jahren in Brüssel die Christliche Arbeiterjugend gründete. Sie ist auch Träger der Eupener Einrichtung.

Bild: Michaela Brück/BRF

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Es ist Montagmorgen im Viertelhaus Cardijn. Die kleinsten Besucher des Hauses dürfen sich bei der Psychomotorik entfalten, während ihre Eltern im Deutschunterricht sitzen.

Die Psychomotorik ist Teil des Betreuungsangebotes. Es ermöglicht den Eltern der Kinder, an Integrationsmaßnahmen teilzunehmen. Gleichzeitig ist es auch eine therapeutische Hilfe für traumatisierte Kinder. „Nicht nur die Eltern sind traumatisiert. Wir haben manchmal Kinder, die anfangs gar nichts machen wollen, in der Ecke sitzen oder schreien. Ein Kind hat sich selbst verletzt. Durch die Psychomotorik lernen sie ihre eigenen Grenzen kennen, werden kreativ, werden taktil“, erklärt Bianca Croé, Koordinatorin des Viertelhauses.

„Wir hatten vor einiger Zeit ein afrikanisches Mädchen, das ständig still weinte. Es liefen nur die Tränen, aber es gab keinen Ton von sich. Ganz langsam hat es angefangen, dass das Mädchen mal lächelte oder etwas sagte“, so die Koordinatorin.

Für Bianca Croé ist das ein schöner Prozess, so wie die Kinderbetreuung überhaupt. Vier Mal pro Woche ist die Krabbelgruppe im Viertelhaus Cardijn geöffnet. Betreut werden die Kinder von ehrenamtlichen Kräften.

Wahida Mustafa betreut vier Mal pro Woche ehrenamtlich die Krabbelgruppe. „Es macht mir Spaß, den anderen Frauen zu helfen, selbstständig zu werden, indem sie zum Beispiel Deutsch oder Französisch lernen. So können sie sich später vielleicht integrieren und selbst arbeiten.  Es macht mir Freude zu sehen, wie die Frauen Fortschritte machen. Einige konnten anfangs gar kein Deutsch. Jetzt erzählen sie, wenn ihre Kinder krank sind“, erzählt Wahida Mustafa.

Sie hat aus ihrer eigenen Lebensgeschichte erfahren, wie wichtig Integration ist. „Wir kamen aus dem Kosovo nach Deutschland. Wir gingen zur Schule und meine Eltern bemühten sich auch, die Sprache zu lernen. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben. Wir haben ähnliche Erfahrungen gemacht“, so Wahida Mustafa.

Wahida’s Geschichte ist nicht ungewöhnlich im Viertelhaus. Sie ist eine von rund 40 Ehrenamtlichen, die sich hier engagieren. „Die Leute nutzen das Angebot anfangs oft selbst und möchten sich später ehrenamtlich engagieren“, erklärt Bianca Croé. „Es ist nicht schwierig, die Ehrenamtlichen zu finden. Es gibt immer wieder mal ein Manko, zum Beispiel in der Hausaufgabenschule. Bisher habe ich aber immer Leute finden können.“

Bild: Michaela Brück/BRF

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Bianca Croé braucht die ehrenamtliche Unterstützung. Sie ist die einzige hauptamtliche Kraft im Viertelhaus Cardijn. Die Deutschsprachige Gemeinschaft übernimmt die Funktionskosten. Einzelne Projekte müssen gesondert beantragt und finanziert werden, durch die Gemeinschaft, Stiftungen oder Service Clubs.

Öffentlich gefördert wird der Deutschkurs, ein niederschwelliges Angebot für Menschen, die keinen Platz im Integrationsparcours gefunden haben.

Auf große Nachfrage trifft die Hausaufgabenschule. An drei Tagen in der Woche werden hier rund 30 Kinder betreut. Auch zur Freizeitgestaltung gibt es ein vielfältiges Angebot im Viertelhaus Cardijn wie Kochen, Kunst, Sport, das Frauenerzählcafé und Ferienanimationen. Ideen sind immer willkommen.

Vor einigen Jahren sind vier Unterstädter Damen zu Bianca Croé gekommen. „Sie wollten einen Handarbeitstreff organisieren. Daraus ist ein Riesenprojekt geworden. Es sind viele Kinder dazugekommen. Die älteren Damen bringen den Kindern Stricken oder Nähen bei. Das Intergenerative und Interkulturelle ist das, was wir uns wünschen.“

Das Viertelhaus Cardijn ist ein offenes Haus für alle. Es ist besonders, aber nicht nur für die Bewohner der Eupener Unterstadt da.

mb/cs

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