Mit den Bewohnern des Asylzentrums zur Kleiderkammer: Auf der Suche nach Schuhen

Es wird wieder kalt draußen: Flüchtlingszentren wie das Bellevue in Eupen sind in dieser Jahreszeit auf der Suche nach warmer Kleidung für ihre Bewohner. Eine weitere Aufgabe, die zum aktuellen Platzmangel für Neuankömmlinge und dem akuten Personalengpass hinzukommt. Umso bemerkenswerter, dass das Eupener Zentrum es sich dennoch nicht nehmen lässt, mit den Asylsuchenden persönlich zur Sammelstelle für Kleiderspenden zu fahren.

Es ist Mittwoch Mittag im Asylzentrum Bellevue in Eupen. Wie jede Woche steht für einen Teil der Bewohner ein Ausflug an: Es geht zur Kleiderkammer.

„Alles wird aus Spenden bewerkstelligt. Also was die Leute brauchen, haben wir in einer Kleiderkammer. Und weil es hier so klein ist, haben wir das in Zusammenarbeit mit der SOS-Hilfe gemacht auf Nöreth. Sodass wir da einen Raum haben und auch zwei Ehrenamtliche, die das auch immer sortieren und den Leuten dann zur Verfügung stellen“, erklärt Véronique Wetzelaer, Leiterin des Zentrums.

Die Kleiderkammer bietet sowohl Asylsuchenden als auch anderen Bedürftigen die Möglichkeit, sich für die kommende Jahreszeit einzudecken. Die meiste Kleidung geht dabei an die Flüchtlinge des Asylzentrums Bellevue. Eine von ihnen ist Kudsana. Sie kommt aus Eritrea und lebt seit acht Monaten in Eupen. Sie ist alleine nach Belgien gekommen, nachdem ihr Asylantrag in Deutschland abgelehnt wurde.

Vor allem Schuhe sind immer gefragt

Kudsana war schon ein paar Mal mit zur Kleiderkammer und ist nun auf der Suche nach warmen Sachen für den Winter: „Ich brauche eine Jacke, Schuhe und einen Pullover. Ich gucke und wenn’s gut ist, dann nehme ich es.“

Zu allen Jahreszeiten sind vor allem Schuhe sehr gefragt. Denn Menschen auf der Flucht bringen gerade mal das Nötigste mit: „Je nachdem aus welchen Ländern, kommen sie alle auf Flipflops, also haben auch keine Schuhe. Das ist eigentlich sehr verbreitet, sodass wir immer wieder auf Schuhe gerne zurückgreifen.“

So ist auch Kudsana aktuell auf der Suche nach passenden Winterschuhen. Allerdings hat sie diesen Mittwoch leider kein Glück. Dafür hat sie andere Sachen gefunden, wie zum Beispiel einen Schal.

Beim ersten Besuch ist die Kleidung gratis

Da die Eritreerin nicht zum ersten Mal dabei ist, muss sie die ausgesuchte Kleidung am Ende bezahlen. Denn nur beim ersten Mal ist der Einkauf gratis: „Beim ersten Mal können sie sich zehn Teile so aussuchen und wenn sie später nochmal hingehen, dann bezahlen sie ein kleines Entgelt von 50 Cent, egal was sie nehmen. Das ist auch damit die Kleidung eine gewissen Wertschätzung bekommt.“

Außerdem wird von diesem Geld auch die Unterwäsche für die Bewohner gekauft. Die ist nämlich von den Spenden ausgeschlossen.

Kudsana ist zufrieden mit dem Angebot der Kleiderkammer. Immerhin hat sie auch an diesem Mittwoch wieder einige Teile gefunden. Vielleicht sind ja nächste Woche auch Schuhe für sie dabei.

Wer Kudsana und die anderen Asylsuchenden mit einer Kleiderspende unterstützen möchte, kann gut erhaltene Teile bei den ostbelgischen Dienststellen des Rote Kreuz abgeben. In Eupen werden aktuell vor allem Damen-Winterschuhe in den Größen 40 bis 43 gesucht.

sade/rasch

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