Adoption: Vorbereitungsseminare für Eltern ab Januar

Die "Zentrale Behörde der Gemeinschaft für Adoption" in Eupen organisiert ab Januar ein Vorbereitungsseminar für Adoptionsinteressierte. An fünf Abendterminen, einem Wochenende und in einem abschließenden Gespräch werden die Teilnehmer über die Bedingungen und Abläufe einer Adoption informiert. Positive Erfahrungen mit dem Seminar hat ein Ehepaar aus Hergenrath gemacht.

Neun Jahre ist es her, dass Tarike zu ihrer Familie nach Hergenrath kam – als zehn Monate altes Baby. Regina Tillmann und Thomas Gouders hatten sich lange mit dem Gedanken befasst, ein Kind zu adoptieren. Weil eine Inlandsadoption aufgrund ihres Alters nicht mehr in Frage kam, entschied sich das Ehepaar für eine Auslandsadoption.

„Ich habe mich zunächst schwer getan überhaupt mit dem Gedanken einer Adoption“, erinnert sich Thomas Gouders. „Zuerst hatten wir an Südamerika gedacht. Dann klappte das aber nicht. An die Alternative Äthiopien musste ich mich erst einmal gewöhnen. Aber es passte von den Bedingungen her.“

„Beste Entscheidung unseres Lebens“

„Es war dann auch eine der besten Entscheidungen unseres Lebens“, so Thomas. „Die beste Entscheidung unseres Lebens“, ergänzt Ehefrau Regina.

Dass es ein Kind aus Äthiopien werden sollte, hatte auch mit Reginas Erfahrungen als Lehrerin zu tun. Sie unterrichtet in Aachen an einer Schule mit vielen afrikanischen Kindern. In einem Vorbereitungsseminar für Adoptionsinteressierte wuchs die Entscheidung.

„Es wurde uns im Seminar sehr deutlich gesagt, dass man ehrlich zu sich und dem Kind sein sollte: Ob man das Gefühl hat, dass es passt, dass es richtig ist“, erinnert sich Regina.

„Das Seminar gibt einem Impulse, darüber nachzudenken. Es ist sehr hilfreich“, findet Ehemann. „Nach jedem Seminarabend haben wir diskutiert und gesprochen, sodass wir immer mehr in die Entscheidung rein wachsen konnten.“

Bis die Eltern Tarike in ihrer neuen Heimat in Hergenrath empfangen konnten, sollte aber noch viel Zeit vergehen. Das lange Adoptionsverfahren war auch eine Belastung.

Vor allem die Bürokratie und die Wartezeit  von knapp zwei Jahren habe dem Paar zu schaffen gemacht. „Aber das hängt mit Formalien im Land zusammen. Man wartet und wartet. Als der Anruf dann kam, war das sehr erlösend“, erinnern sich die beiden.

Der Vermittlungsdienst hatte entschieden: Tarike sollte zu Thomas Gouders und Regina Tillmann nach Hergenrath.

Wobei es dann mit der Wartezeit von zwei Monaten nochmal schwer wurde. „Wir haben sie dann einmal besucht, als sie acht Monate alt war, aber mussten ohne sie zurück. Es war schwer, sie zurückzulassen und zu warten, bis sie kommt“, erzählt Regina.

Es kommt meist anders als man denkt

Das Kind aus dem fernen Addis Abeba wurde sehr schnell ein Teil der Familie in Hergenrath.

Die Gewissheit, sich einig zu sein, war für Thomas Gouders und Regina Tillmann eine wichtige Voraussetzung für die Adoption. Und eine gute Vorbereitung: „Dieses Vorbereitungsseminar muss man mit Herzen mitmachen und letztendlich rational abwägen. Es kommt anders als man denkt – in der Regel schöner als man denkt“, so Thomas. „Und wirklich auf die innere Stimme hören“, fügt Regina hinzu.

Mit dem Thema der Adoption gehen die Eltern offen um. Die neunjährige Tarike kennt ihre Geschichte: „Ich würde auch mal meine Mutter treffen. Meine Eltern sagen, wenn ich größer bin.“

Von Anfang wie eine Familie

An ihre Zeit im Kinderheim in Äthiopien hat Tarike keine Erinnerung. Ihr Zuhause ist Hergenrath. In den vergangenen neun Jahren ist die Familie harmonisch zusammengewachsen. Tarike habe es ihnen leicht gemacht, so die Eltern.

„Ich hatte mir viele Gedanken gemacht, bevor sie kam: Wird sie Heimweh haben? Wird sie ihre Erzieherinnen vermissen? Aber so war es nicht. Als sie ankam, war es, als wäre sie immer hier gewesen“, erzählt die Mutter. „Sie war immer gut gelaunt und das hat es sehr leicht gemacht.“

„Ich dachte, dass es so sein würde, wie wenn man einen Gast bei sich hat“, berichtet der Vater. Doch so war es nicht: „Sie war Familie – von Anfang an.“

mb/rasch

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