Akustik-Kongress in Aachen: Forschung rund ums Zischen, Knallen oder Dröhnen

Wie klingt eine Stadt, warum ist Lärm in einer Schulklasse nicht gut und wie tönen demnächst die E-Mobile? Alle drei Jahre kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt zusammen, um über diese und andere Geräusche zu reden. Vom 9. bis zum 13. September treffen sie sich in Aachen auf dem "International Congress on Acoustics" (ICA), der weltweit größten Fachkonferenz für Akustik.

Bild: DPA

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Auf der Straße, im Bus oder beim Stadtbummel, oft hören wir die Geräusche um uns herum gar nicht mehr richtig, lärmende Töne begleiten uns in unserem Alltag und erst wenn ein Signalton wie eine Hupe ertönt, hören wir genauer hin.

Lärm auf der Straße, Töne von Windrädern aber auch Laute in der virtuellen Realität sind einige der vielen Themen der über eintausend siebenhundert Forschenden auf der internationalen Akustik Konferenz in Aachen. Mit dabei sind auch vierzig Wissenschaftler aus Belgien. Im Fokus der diesjährigen Konferenz steht der Lärm.

Der Organisator in Deutschland, Professor Michael Vorländer von der RWTH Aachen, gibt einen Grund dafür an, warum wir oft gar nicht wissen, was da so alles auf uns einprasselt: „Ich glaube, die Menschen nehmen das sehr unterbewusst war. Man ist sehr trainiert durch Medien und Fernsehen, das Visuelle erst Mal in den Vordergrund zu stellen. Und es ist unser Ziel, mit diesem Kongress auch an die Öffentlichkeit zu gehen, um die Sinne auch für das Hören zu schärfen – so dass man einfach bewusster hört.“

Aber auch die Abwesenheit von Tönen kann schlecht sein, nämlich wenn Elektromobile fast lautlos durch die Straßen flitzen. Dann ist es gefährlich, wenn nicht mehr zu hören ist, was vor oder hinter einem so vorbeifährt.

Also bekommen diese Elektromobile extra Geräusche? Das ist nicht so einfach, sagt Vorländer. „Was die für Töne machen, ist heiß umstritten. Weil man will auch nicht irgendein Gedudel den ganzen Tag um sich haben. Und da sind dann die Sounddesigner gefragt, ein angenehmes Geräusch zu entwickeln, das den Zweck erfüllt, aber nicht lästig ist.“

Denn die lästigen Geräusche, die uns krankmachen können, die wir oft aber gar nicht richtig wahrnehmen, werden immer mehr.

Professorin Janina Fels organisiert die Konferenz mit. Sie selber forscht an der RWTH Aachen, wie sich Lärm in Schulklassen auf die Lernfähigkeit von Kindern auswirkt. Sie geht mit Messtechnik ausgerüstet in die Schulklassen und nimmt deren Geräusche für Forschungszwecke auf. Auf der Tagung erklärt sie ihre Arbeit.

„Ich beschäftige mich hauptsächlich mit Lärm und Lärmwirkungen auf Kinder. Also wie wirkt sich Klassenraum-Akustik auf Lernen oder das Verhalten von Kindern aus“, erklärt Janina Fels ihre Forschung.

Bessere Schulnoten durch weniger Lärm? Das erforscht Fels dann mit Psychologen im Labor. „Wie sich Raumakustik auswirkt auf kognitive Funktionen, wie zum Beispiel Aufmerksamkeit, selektive Aufmerksamkeit oder auch Gedächtnis: Das versuchen wir, mit modernen akustischen Methoden zu untersuchen.“

Doch können die Forscher Geräusche überhaupt noch genießen? Haben sie gar einen Lieblingston abseits der Wissenschaft? Auf der Tagung geben sie unterschiedliche Antworten auf die Frage, was sie gerne hören. „Mein Lieblingsklang ist der Klang der Wellen“, sagt eine Forscherin. Ein anderer mag Musik am liebsten.

Eine Forscherin antwortet auch, dass sie die Geräusche mag, wenn Leute lachen und sich unterhalten. Genau das tun die Menschen auf der Konferenz – und das bietet diese Konferenz vor allem: Miteinander reden.

Denn Akustik ist keine eigenes Studienfach. Und so treffen sich Mathematiker, Physiker, Sounddesigner, Biologen, Meteorologen oder Windanlagenbauer. Genau das schätzt die Professorin Marion Burgess, die als Präsidentin des internationalen Institutes of Noise Control Engineering an diesem Treffen in Aachen teilnimmt. „Es ist das Networking. Gerade in der Akustikforschung machen viele ihr eigenes Ding. Die Forscher müssen sich aber austauschen, um gegenseitig von ihren Ideen zu profitieren“, findet Burgess.

Und zusammen können die Lärmforscher nicht nur einen lauten Arbeitsplatz leiser machen, sondern ihn vielleicht sogar schöner machen. „Wir können auch einen Sound generieren, der wünschenswert ist – wie eine schöne Klanglandschaft. Also eher eine Umgebung mit Tönen, die wir gerne hören, als eine, die wir nicht so gerne haben“, sagt Burgess.

Katja Engel

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