Kirmes-Schausteller klagen über Personalmangel

Von März bis Dezember reist das Jahrmarkt- und Kirmespersonal von einem Ort zum nächsten. Danach gibt es ein bisschen Urlaub und alles beginnt von vorne. Galt Schausteller früher noch als Traumberuf und Inbegriff von einem Leben in Freiheit, gehen den Betreibern heute zunehmend die Mitarbeiter aus.

Marion und Huber Gehlen in ihrer „Mandelstube“ (Bild: Olga Duckwitz/BRF)

Marion und Huber Gehlen in ihrer „Mandelstube“ (Bild: Olga Duckwitz/BRF)

Als Jahrmarktmitarbeiter bei Spaß und Trubel den ganzen Tag dabei sein: Klingt anfangs verlockend. Doch die Arbeit ist hart, die Zeiten sind nicht optimal und der Standortwechsel ist unvermeidbar.

Peter Loosen, der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Aachen, bringt es auf den Punkt: „Man arbeitet, wenn irgendwo anders gefeiert wird. Es wird immer problematischer. Es möchte keiner mehr diesen Knochenjob machen.“

Besonders schmackhaft hört sich der Job als Mitreisender von Kirmesfahrgeschäften nicht an. Katja Milz steht bis zum 19. August mit der „Raupe Beach Party“ auf dem Öcher Bend. „Schwierigkeiten, Personal zu bekommen, betreffen leider auch uns. Es ist leider auch so, dass man wirklich bangen muss, wenn man morgens aufsteht, ob alle noch da sind. Und es ist dann teils auch ungewiss, ob man überhaupt noch von A nach B kommt.“

Sie selbst sitzt im Kassenhäuschen. Zusätzlich helfen drei Mitarbeiter. „Es geht auch mit zwei Mitarbeitern, ist aber dann natürlich sehr sehr viel Arbeit für die zwei Leute. Die bleiben dann auch nicht lange, weil es effektiv zu viel ist. Ideal wären mindestens vier Leute. Aber die habe ich noch nie gleichzeitig gefunden.“

Marvin Dreßen vor der Krake „Polyp“ (Bild: Olga Duckwitz/BRF)

Marvin Dreßen vor der Krake „Polyp“ (Bild: Olga Duckwitz/BRF)

Der 28 Jahre alte Marvin Dreßen ist Inhaber eines Krake-Fahrgeschäftes mit Namen Polyp. Auch er kennt das Problem, gutes Personal zu finden. „Ob es die Polen sind, ob es die Rumänen sind – wir haben immer mehr Schwierigkeiten, die bei uns zu beschäftigen, weil die andersweitig auch arbeiten. Ich habe aber momentan Glück.“

„Ich habe wirklich eine sehr gute Truppe aus deutschem Personal. Einer davon ist schon acht Jahre bei mir, einer schon sechs Jahre. Ich hoffe, das wird auch weiterhin so bleiben. Aber wenn ich meinen anderen Kollegen zugucke, was die für Probleme haben mit dem Personal. Das ist dann schon nicht mehr schön und macht auch langsam keinen Spaß mehr.“

Kleine Familienbetriebe

Viele Personallücken können Familienangehörige füllen. Doch der Optimalfall ‚Familienbetrieb‘ ist nur bei Buden oder kleineren Fahrgeschäften ausreichend. Das Pärchen Marion und Huber Gehlen betreibt die Mandelstube. Als die beiden noch keine Kinder mit im Geschäft hatten, fiel auch ihnen die Suche nach Festangestellten schwer. „Es hat sich jetzt etwas gebessert, weil einer meiner Söhne mitarbeitet. Der andere hat aber eine Festanstellung. Er hilft dann nur Samstag und Sonntag – in seiner Freizeit“, sagt Marion Gehlen.

Vor 15 Jahren stellten sie einen rumänischen Mitarbeiter ein. „Das war ein ganz anständiger Junge. Wir hatten eben das Glück, dass er das erste Mal hier war, und er auch elf Jahre bei uns geblieben ist. Der Junge ist mit mir aufgewachsen, mit meinen Söhnen – eigentlich wie mein dritter Junge. Dadurch hatten wir Glück, er hat sich wohl gefühlt bei uns. Aber das gibt es kaum noch.“

Peggy Schierenbeck, Inhaberin der „Bayernrutsche“ (Bild: Olga Duckwitz/BRF)

Peggy Schierenbeck, Inhaberin der „Bayernrutsche“ (Bild: Olga Duckwitz/BRF)

Die Branche hat das Problem erkannt und versucht, den Arbeitsplatz ‚Kirmes‘ interessanter zu gestalten. Doch eine Lösung für die Problematik hat auch Peggy Schierenbeck, die Inhaberin der Bayernrutsche, nicht. „Wir sind schon alle so flexibel geworden, dass wir auch unterschiedliche Arbeitszeiten bieten. Wenn jemand nur Lust hat, ein halbes Jahr dabei zu sein, oder nur ein Vierteljahr.“

„Wir sind alle offen für die Wünsche unseres Personals. Aber eine richtige Lösung, die haben wir wohl noch nicht gefunden, sonst würden wir das wahrscheinlich ändern. Wir wissen nicht, was wirklich das Problem ist.“ Und so können die Schausteller nur hoffen, dass ihre Mitarbeiter so lange wie möglich mit ihnen reisen.

Olga Duckwitz

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