Hinter den Kulissen: Die Greifvogelstation in Hellenthal

Wer Adlern, Eulen und Geiern mal nah kommen und sehen möchte, wie schnell die Tiere in der Luft unterwegs sind, ist in der Greifvogelstation in Hellenthal genau richtig. Aber wie sieht der Job des Falkners hinter den Kulissen aus? Der BRF hat für einen Tag an einem Falkner-Seminar teilgenommen.

Greifvogelstation Hellenthal (Bild: Thierry Cornely/BRF)

BRF-Reporterin Lena Orban lässt sich erklären, worauf sie achten muss (Bild: Thierry Cornely/BRF)

Es ist neun Uhr morgens und die Greifvogelstation in Hellenthal öffnet ihre Türen. Dominik Fischer, dessen Familie die Greifvogelstation betreibt, ist der Seminarleiter. „Wir sind heute hier, um mal einen Tag als Falkner zu erleben und hinter die Kulissen zu gucken. Wir starten dann auch jetzt mit der täglichen Arbeit.“

„Da steht als erstes unser Gesundheitscheck an. Alle Vögel werden jeden Morgen gewogen, um zu schauen, ob sie erkrankt sind und ob sie gut gefressen haben. Wir gehen jetzt zu den Nachtkammern und bringen die Vögel anschließend zu ihren Tagesplätzen“, begrüßt uns Dominik Fischer, der Tierarzt in Hellenthal ist.

Und wir müssen direkt mit anpacken. Mit Falkner-Handschuh ausgestattet geht es los und nachdem ich einmal zugucken durfte, wie Seminarkollegin Marianne Weißkopfseeadler Cliff aus seiner Nachtkammer geholt und auf den Tagesplatz gebracht hat, bin ich auch schon an der Reihe.

„Wir holen jetzt Gaucho ab, das ist eine Adlerdame. Ihr Name ist etwas verwirrend, aber als sie geschlüpft war, wussten wir noch nicht, dass sie ein Weibchen ist. Sie müssen jetzt einmal mit dem Handschuh gegen ihre Beine halten und dann weiß Gaucho, dass sie auf den Arm steigen soll“, erklärt mir Dominik Fischer.

Greifvogelstation Hellenthal (Bild: Lena Orban/BRF)

Neuer Job für BRF-Kameramann Thierry Cornely: Auch er durfte Gaucho mal auf den Arm nehmen (Bild: Lena Orban/BRF)

Und Gaucho steigt tatsächlich auf meinen Arm. Dann geht’s auch schon ab zur Waage und obwohl die Adlerdame „nur“ zwei Kilo wiegt, wird sie dann doch irgendwann ganz schön schwer auf dem Arm. Für Gaucho geht es nach dem Wiegen wieder in die Voliere.

Und klar, zum Falknerberuf gehört auch das Saubermachen der Volieren dazu. Dominik Fischer gibt die Einweisung: „Wir haben einmal die Bürste, damit säubern wir die Wände. Dann haben wir einen Rechen für den Boden. Wir sammeln auch die Federn auf und das Gewölle, das wird jeden morgen vom Vogel ausgewürgt. Das sind Federn, Knochen und Schnäbel der Beutetiere, die nicht verdaut werden können.“

Die Greifvögel dürfen in Hellenthal mehrere Male am Tag fliegen. Oft kommen sie nach einiger Zeit zurück. Manche Vögel bleiben aber auch schon mal mehrere Tage weg. Das sei dann aber auch nicht schlimm, erklärt Dominik Fischer. Insgesamt gibt es in der Station 280 Greifvögel und Eulen. Dreimal am Tag gibt es für die Besucher eine Flugshow. Am Flugprogramm beteiligt sind 85 Tiere und da geht es dann oft sehr rasant zu.

Gelockt und belohnt werden die Vögel mit Fleisch. Wie so eine richtige Adlermahlzeit aussieht, durften wir uns dann auch noch anschauen: „Hier sind zum Beispiel Eintagsküken, dann gibt es Mäuse, wir haben auch oft Fisch für die Seeadler. Ratten, Kaninchen, Meerschweinchen – das ist das, was verfüttert wird.“

Hellenthal hat eine eigene Zuchtstation. Zahlreiche Vögel sind hier schon geschlüpft. Einige von ihnen brauchen danach allerdings ein bisschen Unterstützung und werden von Hand gefüttert, wie die zwei kleinen Wüstenbussarde.

Claudia Hartl kümmert sich derzeit um sie. „Die sind jetzt 14 und 15 Tage alt. In der Zeit haben sie noch keine Federn, aber so langsam bilden die sich an den äußersten Flügelspitzen. Vor und nach dem Fressen werden sie gewogen, damit man nachvollziehen kann, wie viel sie gegessen haben. Und die bekommen jetzt hier Eintagsküken, ausgenommen und klein gemacht.“ Und den Kleinen schmeckt es!

Den Beruf des Falkners besser kennen lernen, das war mein Ziel. Und am Ende des Tages kann ich sagen, ich habe viel gelernt: Wie man mit Greifvögeln umgehen soll, wie sie ticken und wie viel Arbeit und auch Wissen hinter dem Beruf des Falkners steckt.

Greifvogelstation Hellenthal (Bild: Lena Orban/BRF)

Nachwuchs in der Greifvogelstation Hellenthal (Bild: Lena Orban/BRF)

Lena Orban

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