Pflegestation von Berthold Thomahsen in Mürringen

In seiner Pflegestation in Mürringen pflegt Berthold Thomahsen Vögel und andere Tiere, die verletzt sind oder von ihrer Mutter verlassen wurden. Er versucht, sie so lange aufzupäppeln, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden können.

Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind, und Säugetiere, die im Straßenverkehr oder von anderen Tieren verletzt wurden – in Mürringen betreibt Berthold Thomahsen eine Pflegestation. Er versucht, die Tiere wieder aufzupäppeln: „Ich hole sämtliche Tiere auf, die die Leute mir bringen. Meistens sind das junge Vögel, aber mittlerweile auch viele Säugetiere, wie junge Füchse. Dachse, Igel, Hasen und kleine Rehkitze hatten wir auch schon.“

Die meisten Tiere werden nach Mürringen gebracht. Wenn der Finder nicht mobil ist, holt der Betreiber der Pflegestation sie ab. Er sagt, man solle beim Anblick eines verlassenen Vogels nichts überstürzen: „Man sollte zuerst beobachten. Meistens werden die Jungvögel, die auf dem Boden sitzen, noch von den Altvögeln gefüttert. Wenn man sie aufheben will und die Jungvögel noch den Fluchtreflex haben, dann soll man sie laufen lassen. Nur diejenigen, die nicht mehr flüchten, sind nicht mehr von den Eltern angenommen. Die sollte man aufheben und mir bringen.“

Bei den Säugetieren sieht es anders aus. Rehkitze und junge Hasen haben in den ersten Wochen keinen Fluchtreflex und bleiben liegen. Berthold Thomahsen rät dazu, diese Tiere auf keinen Fall anzufassen und stattdessen einen Förster oder Jagdhüter zu rufen.

Seit 15 Jahren pflegt Berthold Thomahsen Tiere gesund. Jedes Jahr kommen mehr Pflegetiere zu ihm: „Es hat mit 20-30 Tieren angefangen und wurde immer mehr. Mittlerweile bin ich bei über 100, bei 130 Tieren pro Jahr. In diesem Jahr habe ich schon 70 Tiere aufgenommen. “

Ein Rotmilan gehört zu den Pflegegästen. Er hat eine Wunde am Kopf und hätte in der freien Wildbahn wohl nicht überlebt: „Es ist beobachtet worden, wie der Rotmilan aus dem Nest gefallen ist. Die haben ihn aber liegen lassen, weil sie dachten, dass die Altvögel ihn füttern kämen. Stattdessen sind Krähen gekommen und haben ihn attackiert. Deshalb haben sie ihn mir gebracht. “

Der Rotmilan wird so lange gehegt und gepflegt, bis er wieder flügge ist. Dann wird sich zeigen, ob er von der Pflegestation aus zurück in die Freiheit fliegt oder vom Pflegevater zum Horst zu den anderen Jungvögeln gebracht werden muss.

Die Tiere bleiben unterschiedlich lange in seiner Obhut: „Die Singvögel bleiben bis zu zwei Wochen. Dann sind sie meistens so fit, dass ich sie freilassen kann. Greifvögel können auch schon mal bis zu zwei Monaten bleiben, bis sie flügge sind. Die Säugetiere bleiben öfter ein paar Monate. “

Die Gefahr, dass die Tiere sich zu sehr an den Menschen gewöhnen, sieht der Pflegevater nicht. Nach der Auswilderung werden sie weitergefüttert, bis sie selbst genug Nahrung finden. „Marder hatte ich dieses Jahr zum ersten Mal. Ich weiß nicht, wie lange er bleibt. Er ist ja frei, aber er bleibt noch immer bei mir. “

Das Futter und das Material, das Berthold Thomahsen für die Volieren braucht, wird über Spenden und von der Naturschutzorganisation AVES finanziert. Seine Freizeit verbringt er gerne mit den Tieren – denn das ist sein Hobby.

Chantal Scheuren

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