Schönberger Passionsspiele aktueller denn je

Der Verlust eines geliebten Menschen zwingt loszulassen. Das erfahren die Jünger Jesu Christi in der Bibel genauso wie ein Vater, der seinen Sohn verliert und sich auf die Reise nach Santiago de Compostela macht. Loslassen, um neue Wege zu gehen. Das ist das große Thema der Schönberger Passionsspiele, die am Wochenende ihre Premiere im St. Vither Triangel gefeiert haben.

Passio 2019

Bild: Chantal ScheurenBRF

Passion bedeutet Leidenschaft. Wer eine Passion hat, lässt sich nicht so leicht von seinem Weg abbringen, macht sich aber auch angreifbar. Und bei der Premiere der Schönberger Passionsspiele war viel Leidenschaft im Spiel.

Während der zwei Jahre Vorbereitung und des In-sich-Gehens haben die Darsteller sich in ihren Rollen einbringen können, erklärt Claudine Schröder: „Ich war die Frau von Pontius Pilatus, das heißt Claudia Procula. Die Frau wird nur einmal kurz in der Bibel erwähnt. Sie hatte einen Traum, dass Pilatus Jesus nicht verurteilen sollte und wir haben daraus eine größere Szene gemacht.“

Die Darstellerin findet sich in ihrer Rolle wieder. Das liegt auch daran, dass die Rollen nicht vorgefertigt sind: „Man spielt zwar eine Rolle, aber es ist für einen nicht unbedingt eine Rolle, weil man schon auch ein bisschen sich selbst spielt. Wir erarbeiten die Rollen ja während des Probens.“

Das Stück regt zum Nachdenken an, findet eine Zuschauerin: „Es hat mir sehr gut gefallen. Es spielt auch im heutigen Leben. Ich würde sagen, dass Jesus heute wieder gekreuzigt würde. Es hat sich nicht viel geändert. Die Menschen bleiben immer Menschen.“

In den Passionsspielen werden die Leiden Jesu und andere Geschichten aus seinem Leben mit der Aktualität verknüpft. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft wird thematisiert und die Spannungen zwischen den Religionen. Mehr als 60 Schauspieler setzten die biblischen Szenen in einen modernen Rahmen.

Zuschauer Leo Palm ist überrascht, wie die aktuellen und die biblischen Bilder ineinander fließen: „Mit viel Fingerspitzengefühl wird da Aktualität rein gebracht und dann kommt so eine kleine Prise Humor. Es kommen einem die Tränen in die Augen, wenn der Vater erfährt, dass sein Sohn in den Bergen abgestürzt ist und möchte, dass er eingeäschert wird, damit er ihn besser mit nach Hause nehmen kann. Dann macht er sich auf den Jakobsweg. Man ist ein bisschen verdutzt und fragt sich, ob das gut gehen kann. Dann sieht man aber, wie nach und nach Freundschaften entstehen.“

In ganz Europa gibt es rund 80 Passionsspielgruppen. Eine ist eigens zur Premiere aus Sankt Margarethen aus dem österreichischen Burgenland angereist. Dort haben die Passionsspiele eine lange Tradition, wie einer der österreichischen Gäste und Schauspielerkollegen bemerkt: „Wir spielen seit knapp 95 Jahren selbst Passionsspiele in einem Römersteinbruch und haben dadurch schon lange Kontakte zu den (ostbelgischen) Passionsspielen. Es war eine sehr ergreifende und kurzweilige Vorstellung, aus der man wirklich etwas mitnehmen kann.“

Nach der Premiere fiel der Stress von Darstellerin Claudine Schröder ab und die Erleichterung war groß: „Jetzt bin ich froh. Es hat hundertprozentig geklappt. So kann es weitergehen.“

Die weiteren Aufführungen im Triangel in Sankt Vith:

Freitag, den 5. April (um 20 Uhr)
Samstag, den 6. April (um 15 Uhr und um 19 Uhr)
Sonntag, den 7. April (um 15 Uhr)
Samstag, den 13. April (um 19 Uhr)
Sonntag, den 14. April (um 10:30 Uhr und um 15 Uhr)
Karfreitag, den 19. April (um 18 Uhr)

Eintrittskarten sind noch hier erhältlich.

Chantal Scheuren

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